Die Lage ist stabil, wenn auch auf "deutlich zu hohem Niveau": Das ist die aktuelle Einschätzung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zur aktuellen Corona-Situation in Österreich. Es sei gelungen, "die Situation unter Kontrolle zu bringen", sagte Anschober am Freitag. Nun bestehe weiterer Handlungsbedarf.

Derzeit pendeln sich die Zahlen laut dem Gesundheitsminister täglich bei rund 600 bis 800 Fällen ein. Auch am Freitag wurden in den vergangenen 24 Stunden 688 Neuinfektionen vermeldet. "Stabilität ist erreicht", sagte Epidemiologin Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission. Die Reproduktionszahl sei bundesweit auf eins gesunken.

Dass die Zahlen nicht weiter nach oben gehen, sei eine "gute Zwischennachricht", meinte auch Anschober. Doch sei die Anzahl der Neuinfektionen "zu hoch": "Es geht dabei nicht nur um den Gesundheitsschutz, das alles hat vehemente Auswirkung auf unsere Wirtschaftsentwicklung", sagte Anschober. Er will daher in den kommenden ein bis zwei Monaten eine Halbierung der Fälle erreichen: "Wir müssen runter mit diesen Zahlen." Erreicht werden soll das vor allem durch zusätzliche regionale Maßnahmen.

"Rekordwerte an Testungen"


Anschober erklärte, dass die derzeitigen Infektionszahlen nicht mit jenen aus dem Frühling verglichen werden können. Denn mittlerweile gebe es österreichweit "Rekordwerte an Testungen". Habe man im Frühjahr noch 4.000 bis 5.000 Tests täglich durchgeführt, so liege man nun bei bis zu 22.000 Tests. "Die Testzahlen laufen in die richtige Richtung", sagte der Gesundheitsminister.

Im September wurden rund 438.000 Tests durchgeführt, davon waren 15.373 positiv. Mit 8.024 Fällen entfiel knapp die Hälfte auf Wien. In der Bundeshauptstadt wurde mit Abstand auch am meisten getestet: 146.043 Mal, das sind 34 Prozent aller Tests. Rund die Hälfte der Gesamtfälle lässt sich laut der Agentur für Ernährungssicherheit Clustern zuordnen. "Die Haushaltscluster dominieren noch immer", so Epidemiologin Schmid.

Zu beobachten war in den vergangenen Tagen ein Anstieg bei den Intensivpatienten: Am Freitag waren es 100 Patienten, eine Woche zuvor waren es noch 78 gewesen. Insgesamt werden 472 Infizierte in Spitälern behandelt. "Wir sind derzeit in einer Situation, wo wir deutlich von den Kapazitätsgrenzen entfernt sind", sagte Anschober.

Sechs neue Bezirke auf Orange

Die viel kritisierte und infrage gestellte Corona-Ampel sieht der Gesundheitsminister auf einem "sehr guten Weg": "Sie wird uns noch sehr helfen in den nächsten Wochen." Am Donnerstagabend hatte die Corona-Kommission Kufstein in Tirol von Orange auf Gelb herabgestuft. Der Bezirk Gmünd und die Stadt Krems sind nur knapp an Rot vorbeigeschrammt. Sechs neue Bezirke wurden auf Orange gestellt. Darunter die Kärntner Region Hermagor, in der im Zuge der Feier eines Almabtriebs ein Infektionsherd entstanden ist.

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sah die Schaltung als "Warnung". Er verkündete, dass in mehreren Gemeinden eine Maskenpflicht an öffentlichen Orten verhängt wird. Auch werden in dem Bezirk keine Fußballspiele mehr stattfinden.

Schärfere Maßnahmen greifen auch in Niederösterreich. Ab Montag wird es in Regionen mit Ampelfarbe Orange eine Registrierungspflicht in Gastrobetrieben geben. Dadurch soll eine Corona-bedingte Vorverlegung der Sperrstunde vermieden werden. Zu schaffen macht den niederösterreichischen Behörden ein Infektionsherd in einem Unternehmen im Bezirk Mödling: 52 Fälle wurden mit Stand Freitag verzeichnet. (apa/dab)