Die Unzufriedenheit von Eltern, Lehrern und Direktoren vor allem an den Volks- und Mittelschulen in Wien wegen der nach wie vor chaotischen Zustände bei den Corona-Tests wird nun auch der Personalvertretung und den Pflichtschullehrergewerkschaftern zu bunt. "Ich weiß, es ist Zeit ist, dass Maßnahmen in Betracht gezogen werden", sagt Thomas Krebs, der Vorsitzende des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrer. Protestmaßnahmen können aber nur von der Gewerkschaft beschlossen werden.  Einen Monat nach dem Schulbeginn ortet auch Krebs eine besondere Belastung für Direktorinnen und Direktoren: "Dass Leiter aus dem letzten Loch pfeifen, das kann ich bestätigen."

In den vergangenen Schulwochen hat sich die Kritik an den Schulen und das Unverständnis der Eltern über lange Wartezeiten auf Corona-Tests und Ergebnisse gehäuft. Während der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bereits von einer Verbesserung durch die Umstellung auf Gurgeltests spricht, wird speziell in Pflichtschulen auch diese Woche weiter über lasche und untätige Schul- und Gesundheitsbehörden bei Verdachtsfällen geklagt. So wurde der "Wiener Zeitung" geschildert, dass in einer Wiener Schule am Montag nach dem positiven Test eines Lehrers den ganzen Tag über keine Anweisungen über das weitere Vorgehen kamen. Die Schulleiter sind gleichzeitig von der Wiener Bildungssdirektion angewiesen, nicht eigenmächtig zu entscheiden.

Mittlerweile gibt es von Lehrerseite auch bereits Unmut über teils fehlende Unterstützung von Personalvertretung und Pflichtschullehrergewerkschaft. Der oberste Personalvertreter, Krebs, lässt das so nicht gelten. So habe man etwa erreicht, dass Lehrer auch dann nicht Präsenzunterricht in den Schulen ausüben müssen, wenn ein Angehöriger Risikopatient ist: "Das ist erweitert worden." Zuvor sei das in Wien nur vorgesehen gewesen, wenn der Pädagoge selbst Risikopatient ist. Er verweist zwar darauf, dass Kampf- und Protestmaßnahmen Entscheidung der Gewerkschaft seien. Gleichzeitig warnt er die Bildungsdirektion und die Stadt Wien: "Unsere Geduld ist endenwollend."

"Die Bildungsdirektion ist nicht gut aufgestellt"

Der Hauptkritikpunkt des obersten Pflichtschullehrer-Personalvertreters betrifft aber die starke Belastung der Schulen und Schulleitungen durch Organisations- und Verwaltungsaufgaben, während gleichzeitig Betroffene in der täglichen Arbeit mit lästigen Probleme kein Gehör finden. Das zielt in erster Linie auf die Wiener Bildungsdirektion mit Präsident Heinrich Himmer. Die Schwierigkeit sei, dass für eine funktionierende Verwaltung der Schulen "uns ganz konkret die Ansprechpartner fehlen", prangert Krebs an: "Die Bildungsdirektion ist hier einfach nicht gut aufgestellt."

Mit welchen Problemen sich Direktoren und Lehrer herumschlagen müssen, statt sich um den Unterricht der Schüler kümmern zu können, illustriert er mit dem Hinweis auf die Probleme, die durch unterschiedliche, nicht kompatible oder unfertige Computer-Verwaltungsprogramme von Wien und Bundesseite entstehen. Die Schulleitungen sind dadurch genervt und müssen unnötige Mehrarbeit leisten. "Wir brauchen Fachleute, die uns in bestimmten Situationen weiterhelfen", schildert Krebs, der damit wichtige, aber hilfreiche Wünsche der Schulen weitergibt. "Das sind Dinge, die dringend gelöst werden müssen."

Zwei Schulen, 69 Klassen in Quarantäne

Derzeit sind laut Bildungsministerium in Österreich zwei Schulen und 69 Klassen in Quarantäne. Insgesamt gibt es in Österreich 6.000 Schulen und 55.000 Klassen.

Eine erste Bilanz gibt es mittlerweile zu den seit rund zwei Wochen im Einsatz befindlichen mobilen Teams des Bildungsministeriums in Wien: Bei ihren rund 100 Einsätzen wurden bisher 2.700 Schüler und Lehrer per Gurgeltest auf das Coronavirus getestet, 30 davon (rund 1,1 Prozent) waren positiv.