Mehr als 1.100 Sars-CoV-2-Neuinfektionen und über 10.000 aktive Fälle hat es am Freitag in Österreich gegeben. Im Schnitt der vergangenen Woche kamen täglich 973 Neuinfektionen hinzu. Diese Zahlen bezeichnete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Freitag als "zu hoch". Derzeit liege der Schwerpunkt auf "regionalen Maßnahmen", betonte der Minister. Allerdings habe man "verschiedene Maßnahmen in der Schublade". Mögliche Schulschließungen oder Verlängerung der Herbstferien wollte er nicht kommentieren.

Welche Maßnahmen die Regierung in petto habe, sagte Anschober nicht. "Ich kann und will diese Schublade nicht öffnen", meinte er vielmehr. Allerdings gebe es Szenarien für dynamische Entwicklungen. So könne es auch sein, dass in zwei, drei Wochen bundesweit nachgeschärft werde, sagte der Gesundheitsminister. Entschieden sei "in der jetzigen Situation" noch nichts.

Verlängerung der Herbstferien bleibt bislang ein "Gerücht"

Zuletzt gab es am Freitag Spekulationen über mögliche Schulschließungen oder eine Verlängerung der Herbstferien. "Ich lasse mich auf dieses Spiel grundsätzlich nicht ein, Gerüchte, die da transportiert werden, werden von mir nicht kommentiert", konstatierte Anschober. Im Bildungsministerium hieß es auf Apa-Anfrage, dass die Frage einer Verlängerung der Herbstferien vom Krisenstab noch nicht an das Ressort herangetragen worden sei. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt dezidiert gegen generelle Schulschließungen ausgesprochen. Die Oppositionsparteien lehnten in Aussendungen längere Herbstferien ab.

Ampel: 29 Bezirke orange, 30 Gelb, keiner auf rot

Die Ampel-Kommission hat am Donnerstag ihre neue Schaltung bekanntgegeben. Nunmehr sind in Österreich 29 Bezirke orange, 30 gelb und weiterhin keiner auf rot geschaltet. Eine Sondersitzung der Ampel-Kommission nach der Wien-Wahl am Sonntag wurde dezidiert ausgeschlossen. Der Gesundheitsminister betonte, dass die derzeitigen Zahlen nicht mit jenen vom Frühling vergleichbar sind - weil jetzt mehr getestet wird - 18.575 Tests kamen in den vergangenen 24 Stunden hinzu. Bei den aktiven Fällen gab es im Wochenvergleich ein plus von 23 Prozent - bei jenen der Patienten im Spital eines von acht und Covid-19-Erkrankten auf Intensivstationen einen Zuwachs von drei Prozent.

Der Altersschnitt der Infizierten liegt derzeit bei 37 Jahren - im April waren es noch 59 Jahre, erläuterte der Gesundheitsminister. Er warnte insbesondere junge Menschen davor zu glauben, dass sie nicht betroffen sind. "Das ist ein Irrtum, es gibt auch schwere Fälle bei jungen Menschen". Außerdem betonte Anschober, dass sich die "steigende Fallzahlen erst mit etwas Verspätung in den Intensivstationen niederschlagen können".

Orange bedeutet "die Ärmel hochzukrempeln"

Bei den orange geschalteten Bezirken gehe es darum, regionale Maßnahmen zu setzten. "Orange zu sein bedeutet die Ärmel hochzukrempeln und den Arbeitsprozess im Bezirk zu starten", sagte Anschober. Das werde von den betroffenen Bezirken auch umgesetzt. Diese regionalen Maßnahmen seien "die zweite Schiene zusätzlich zu den Bundesmaßnahmen", meinte der Gesundheitsminister. Diesbezüglich gebe es am Freitag - am Tag nach der Ampelschaltung - auch immer Konferenzen mit den betroffenen Bezirken. Da finde dann "gegenseitiges befruchten" statt, sagte Kommissionsleiter Ulrich Herzog. "Der eine Bezirkshauptmann sieht, was der andere getan hat".

Nunmehr sollen fünf Bereiche bezüglich des Verhaltens in den Mittelpunkt gestellt werden, um die Zahlen einzudämmen. Das Ziel ist, dass "möglichst viele Bewohner unseres schönen Landes dazu zu bringen, voll und ganz mitzumachen". So sollen insbesondere am kommenden Wochenende Menschenansammlungen gemieden und Abstand gehalten werden. Als weiteren Punkt führte Anschober "Zusammenhalt leben" und Rücksicht nehmen an. Treffen sollten ins Freie verlegt werden, "man kann mit Freunden genauso gut einen Spaziergang machen, man muss nicht ins Kaffeehaus oder sich zu Hause treffen", riet der Gesundheitsminister. Außerdem sei die "Stopp Corona"-App "das Gebot der Stunde, sie kann uns entlasten und unterstützen, was das Kontaktpersonenmanagement betrifft", meinte Anschober.

Haushalten, Freizeit und Arbeit sind die häufigsten Cluster

Der Vorsitzende der Ampel-Kommission Herzog, erläuterte, wie die Kommission zu ihrer derzeitigen Schaltung kam. Ein wichtiger Part sei die Clusteranalyse der Ages. Die meisten Fälle treten demnach in den Bereichen Haushalt, Freizeit und Arbeit auf. Herzog betonte, dass nicht belegt werden kann, dass sich Kinder und Jugendliche in der Schule anstecken. "Gerade bei den Jüngeren sehen wir, dass die Hauptquelle unter 15 Jahren das Haushaltssetting ist", sagte Herzog. Im Bildungsbereich sei es so, dass überwiegend Pädagogen und Lehrer das Coronavirus in die Schulen bringen. "Wir müssen alle mitmachen", forderte der Experte. "Die Clustersetting zeigen sehr deutlich, dass es zu Übertragungen im eigenverantwortlichen und Privatbereich kommen", sagte Herzog.

Anschober nannte bei der Pressekonferenz am Freitag auch zwei neue Mitglieder der Kommission. Zwei Mitglieder hatten ja das Expertengremium verlassen - die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl und der Tiroler Infektiologen Günter Weiss. Ihnen folgen Franz X. Heinz, von der MedUni Wien sowie der Infektionologe Marton Szell nach.

Die Einstufung der Bezirke erfolge nicht immer einstimmig, erläuterte Herzog. Er erklärte auch, wie die Kommission zu ihrer derzeitigen Schaltung gekommen ist. Ein Teil wird auf die neueste Cluster-Analyse der AGES zurückgeführt. Österreichweit gibt es derzeit drei große Bereiche, in denen Neuinfektionen verzeichnet wurden: Haushalt, Freizeit und Arbeit. (apa)