Nach der geschlagenen Wien-Wahl ist der nächste Schritt die Koalitionsfindung in der Bundeshauptstadt. Bürgermeister Michael Ludwig hat drei Optionen: Die Fortführung der rot-grünen Zusammenarbeit, eine neue Variante mit der ÖVP oder mit den Neos. Die FPÖ hat Ludwig bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Bis zur Entscheidung ist offen, ob es bei den derzeit vier grünen Koalitionsbeteiligungen in den neun Bundesländern bleibt.

Aktuell ist die Ökopartei an vier Landes-Koalitionen in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Wien beteiligt. In Vorarlberg und Tirol gibt es eine Zusammenarbeit zwischen ÖVP und Grünen, in Salzburg eine aus ÖVP, Grünen und Neos. In Wien arbeiten SPÖ und Grüne zusammen.

In der Steiermark und im Burgenland gehören die Grünen - wie auch in Kärnten und Niederösterreich - der Regierung nicht an. Die Steiermark wird von ÖVP und SPÖ regiert, im Burgenland gibt es eine rote Alleinregierung. In Kärnten besteht eine SPÖ-ÖVP-Koalition und in Niederösterreich eine ÖVP-Absolute, wobei wegen des dort gültigen Proporzsystems Vertreter von ÖVP, SPÖ und FPÖ in der Regierung sitzen. In Oberösterreich besteht zwar ein ÖVP-FPÖ-Übereinkommen, dank dem auch dort geltenden Proporz sind aber auch die Grünen in der Regierung vertreten.

Erste Beteiligung 2003

Zu ihrer ersten Regierungsbeteiligung auf Landesebene waren die Grünen im Jahr 2003 gekommen - und zwar in Oberösterreich. 2015 ging dort aber - wegen starker ÖVP-Verluste - die Mehrheit von Schwarz-Grün verloren, ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer regiert seitdem zusammen mit der FPÖ.

In Tirol hingegen hielt 2018 die Koalition trotz Verlusten der Grünen. Angeführt wird sie von ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter und der grünen Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe.

Ähnlich ist die Situation in Salzburg: Dort verlor im gleichen Jahr - wegen starker Einbußen der Grünen - zwar Schwarz-Grün die Landtagsmehrheit, aber Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) wagte das Experiment einer Dreier-Koalition mit den Neos. So konnte die ÖVP die Zusammenarbeit mit den Grünen fortsetzen.

In Vorarlberg blieb nach der Landtagswahl im Oktober 2019 alles beim Alten - zählten doch ÖVP und Grüne (die sogar Zweite wurden) zu den Wahlsiegern. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Grünen-Chef Johannes Rauch setzten ihre Zusammenarbeit mit ausgebauter Mehrheit fort. Die Grünen sind dort seit 2014 Koalitionspartner der Volkspartei.

Grüner Rauswurf und schwarze Absolute

2018 flogen die Grünen im bis dato rot-schwarz-grün regierten Kärnten aus dem Landtag. SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser setzte die Koalition allein mit der ÖVP fort, neben der Steiermark eine der zwei noch verbliebenen Großen Koalitionen.

Die Steiermark wird seit 2015 von Rot-Schwarz regiert. Mit der Wahl im November 2019 drehten sich die Machtverhältnisse zugunsten der ÖVP, die Regierungskonstellation blieb aber die gleiche.

In Niederösterreich ist die Landesregierung dreifärbig, obwohl die ÖVP dort die "Absolute" innehat. ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner schloss 2018 ein Arbeitsübereinkommen mit der SPÖ und FPÖ. Beiden stand dort wegen des Proporzes ein Landesrats-Posten zu. Eine "Absolute" gibt es auch im Burgenland - allerdings eine der SPÖ, die dort seit der für sie erfolgreichen Landtagswahl Anfang 2020 alleine regiert.

In Wien verteidigte die einzige rot-grüne Koalition 2015 ihre Mehrheit - und auch der neue Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) behielt die (2010 von Michael Häupl etablierte) Koalition mit den Grünen bei. Ob das auch nach der nun geschlagenen Gemeinderatswahl weiterhin so bleibt, ist offen. (apa)