Die Arbeitslosenzahl ist gegenüber der Vorwoche um rund 4.500 auf 409.356 gestiegen. Davon sind 346.068 Personen beim Arbeitsmarktservice vorgemerkt und 63.288 befinden sich in AMS-Schulungen, wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt beträgt das coronabedingte Arbeitslosenplus wie in der Vorwoche noch rund 72.000.

"Die Zahl der krisenbedingten Arbeitslosen ist derzeit recht konstant, dennoch sehen wir erste saisonale Effekte im Vergleich zu Vorwoche", kommentierte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Dienstag die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. "Besonders die von uns gesetzten Maßnahmen im Bereich der Jugendbeschäftigung wirken." Man habe seit April bereits 25.000 junge Menschen wieder in einen Job vermitteln können.

Die Entwicklung bei den Lehrstellen stimmt die Arbeitsministerin optimistisch. Ende September gab es 8.406 Lehrstellensuchende und 8.805 offene Lehrstellen. Die Situation sei aber regional unterschiedlich, in Wien gebe es sieben Lehrstellensuchende pro Lehrstelle, in den meisten anderen Bundesländern herrsche Lehrlingsmangel.

Arbeitsmarktpolitische Ziele werden beschlossen

Zur Phase 3 der Corona-Kurzarbeit, die mit Oktober gestartet ist, gibt es laut Ministerium "derzeit noch keine belastbaren Zahlen". Derzeit würden erst Kurzarbeitsanträge für eine vierstellige Zahl an Mitarbeitern vorliegen. Anträge können bis Anfang November rückwirkend gestellt werden. Ende Oktober erwartet das Arbeitsministerium "ein genaueres Bild" zur Entwicklung der Kurzarbeit.

Der AMS-Verwaltungsrat wird am Dienstag die übergeordneten arbeitsmarktpolitischen Ziele für 2021 beschließen. Zu den fünf Zielen des AMS gehören: Menschen wieder in Beschäftigung bringen, Joboffensive und rasche Vermittlung nach Schulung, Frauen überproportional fördern (+3,5 Prozent im Verhältnis zum Anteil der Frauen an der Arbeitslosigkeit) und offene Stellen besetzen sowie Jugendbeschäftigung.

Ende September 9,1 Prozent weniger Lehrlinge im ersten  Lehrjahr

Unterdessen wurde bekannt, dass es heuer deutlich weniger Jugendliche gibt, die eine Lehre neu anfangen. Ende September waren um 9,1 Prozent weniger Lehrlinge im ersten Lehrjahr als im Vorjahr, teilte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) mit. Allerdings hätten Wirtschaftsforscher einen Rückgang um 20 bis 30 Prozent vorhergesagt, das sei abgewendet worden. Rund die Hälfte aller Lehrlinge war in den letzten Monaten einmal in Kurzarbeit.

Burgenland (-18 Prozent) und Wien (-12,3 Prozent) hatten die stärksten Lehrlingsrückgänge, Kärnten und Oberösterreich (jeweils -6,4 Prozent die geringsten). Den Lehrlingsbonus für die Neueinstellung von Lehrlingen hätten Betriebe stark genutzt, so Schramböck. Bisher wurden aus dem Titel bereits 4,9 Mio. Euro ausbezahlt. Die Summe wird aber sicher noch steigen, denn bisher liegen 8.900 Anträge auf Lehrlingsbonus vor, das ergibt eine Summe in der Größenordnung von 20 Mio. Euro. Insgesamt gibt es im ersten Lehrjahr sogar 29.000 Lehrlinge und außerdem können Betriebe noch bis Ende Oktober Lehrlinge anmelden und den Bonus beantragen - für Lehrlinge in der überbetrieblichen Lehre sogar bis Ende März 2021. Budgetiert sind jedenfalls über 60 Mio. Euro. Der Lehrlingsbonus bringt Unternehmen je nach ihrer Größe 2.000 bis 3.000 Euro pro neu eingestellten Lehrling.

Mario Derntl, Generalsekretär von zukunft.lehre.österreich, verwies in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schramböck und Aschbacher darauf, dass ein Mangel an Vorbildung für Betriebe das größte Hindernis für die Aufnahme von Lehrlingen sei. Dafür zu sorgen, dass Menschen nach dem Abschluss der Pflichtschule fachlich bereit für die Ausbildung sind, sei die größte Priorität. Außerdem erinnerte Derntl an eine Studie, wonach das Lebenseinkommen von Lehrlingen oft gleich hoch bis höher ist als jenes von Akademikern. (APA)