Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus haben am Donnerstag in Österreich einen neuen Höchstwert erreicht. Mit Stand 9.30 Uhr wurden binnen 24 Stunden 1.552 Personen positiv auf Covid-19 getestet. 480 der Fälle wurden in Wien registriert, berichtete das Innenministerium in einer Aussendung. Am Donnerstag der vergangenen Woche waren es noch 1.209 bestätigte Neuinfektionen.

Die Neuinfektionen teilen sich auf die Bundesländer Österreichs wie folgt auf: Burgenland: 35, Kärnten: 22, Niederösterreich: 242, Oberösterreich: 224, Salzburg: 66, Steiermark: 119, Tirol: 295, Vorarlberg: 69 und Wien: 480.

Bisher gab es in Österreich 60.224 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand sind österreichweit 877 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 46.798 sind wieder genesen. Derzeit befinden sich 664 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung und davon 119 der Erkrankten auf Intensivstationen.

Land Salzburg stellt Kuchl unter Quarantäne

Unterdessen setzt das Land Salzburg angesichts der stark steigenden Neuinfektionen im Bundesland weitere Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Im Tennengau (Bezirk Hallein) wird die Gemeinde Kuchl unter Quarantäne gestellt, das erst am Dienstag in Kraft getretene Verbot privater Feiern und Zusammenkünfte im Bezirk wird auf das ganze Bundesland ausgedehnt.

Im Tennengau, Flachgau, Pongau und in der Stadt Salzburg werden alle Schüler ab der 9. Schulstufe auf Home Schooling umgestellt, im ganzen Bundesland wird eine Registrierungspflicht für die Gastronomie eingeführt. Zudem gilt in ganz Salzburg ein Veranstaltungsverbot, wenn es keine zugewiesenen Sitzplätze gibt - egal ob Indoor oder Outdoor. Zudem wird die Verabreichung von Speisen und Getränken verboten. Die Maßnahmen werden ab Samstag, 17. Oktober, 0.00 Uhr bis vorerst 1. November, 24.00 Uhr, gelten.

Schulen in NÖ auch bei roter Ampel offen bleiben

Schulen in Niederösterreich sollen indessen auch offen bleiben, falls die Corona-Ampel auf rot schaltet. Sie könnten also "gelb oder orange bleiben", weil Bezirke oft so groß seien, "dass es keinen Sinn macht, mit der Bezirksfarbe mitzugehen", erklärte Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) am Donnerstag in einem Pressegespräch. Es sei zur Entlastung der Eltern besonders wichtig, dass die Kinder in die Schulen gehen können.

Auch Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) betonte, dass die Einrichtungen geöffnet bleiben müssten, um "niemanden im Bereich der Bildung zurückzulassen. Beim ersten Lockdown waren wir alle nicht darauf vorbereitet", räumte sie ein. Die nötige Unterstützung für einige Eltern und Kinder sei nicht überall gegeben gewesen.

Im Schulbereich werde man sich deshalb nicht nach der Ampel des Bundes richten. Sollten ein Bezirk oder eine Stadt rot gefärbt werden, wird laut Teschl-Hofmeister in Rücksprache mit dem Bildungsministerium und den Gesundheitsbehörden entscheiden, ob die Maßnahmen dort auch in den Schulen umgesetzt werden sollen.

Die Coronavirus-Infektionen in den Bildungseinrichtungen im Bundesland stiegen derzeit "moderat". Teschl-Hofmeister zufolge sind in den mehr als 1.000 Schulen mit knapp 200.000 Schülern in dieser Woche 73 Neuerkrankungen bei Mädchen und Burschen sowie acht beim Lehrpersonal vermeldet worden.

Kurz an Länder: Verschärfungen dringend notwendig

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte sich am Donnerstag angesichts der österreichweit steigenden Infektionen mit einem schriftlichen Appell an die Bundesländer gewandt. In mehreren davon hätten die Zahlen ein "sehr besorgniserregendes Ausmaß" erreicht. Verschärfte Maßnahmen seien dort dringend notwendig.

"Derzeit sehen wir in einigen Städten und Ländern Europas eine massive Ausbreitung des Virus, die es notwendig macht, mit sehr drastischen Maßnahmen dagegen zu kämpfen", so der Bundeskanzler. "Es muss allen im Land klar sein: Die Lage ist ernst." Eine Neuinfektionsrate wie etwa im Nachbarland Tschechien führe zu fatalen Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Unternehmen, bringe das Gesundheitssystem an die Kapazitätsgrenzen und verursache de facto einen zweiten Lockdown.

"Nun geht es darum, dass die besonders betroffenen Bundesländer gezielt in den Regionen Verschärfungen vornehmen, da ab einem gewissen Zeitpunkt weder schnelle Tests, noch gezieltes Kontakt-Tracing für die Behörden in den betroffenen Bundesländern noch möglich sein werden", betonte Kurz.

Auch an die Bevölkerung wandte er sich: "Ich appelliere an alle Menschen, im Land die Lage ernst zunehmen und die Maßnahmen mitzutragen." Die kommenden Wochen würden entscheiden, ob man die Ausbreitung des Virus verlangsamen und eindämmen könne, oder ob die Corona-Pandemie noch viel größere Schäden für das Gesundheitssystem, die Arbeitsplätze und die Unternehmen im Land verursachen werde.

WHO erwartet in Europa längere Welle ohne große Spitze

Europa erwartet in der Coronakrise nun eine längere Welle ohne große Spitze. Davon geht das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO aus, wie Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag bei einem Online-Statement in Kopenhagen erläuterte. Er rief dazu auf, gezielte, regional und zeitlich limitierte Maßnahmen zu setzen, um einen "Kollateralschaden" an Gesundheit und Gesellschaft zu vermeiden. "Die Pandemie wird nicht von allein stoppen, aber wir können es tun", sagte er.

Kluge betonte, dass weiterhin lokale "Lockdowns" nötig seien. Diese hätten jedoch nichts mehr mit dem kompletten "Shutdown" von März zu tun, der in vielen europäischen Ländern verhängt wurde, "weil wir überrascht wurden", sagte der WHO-Europadirektor. "Wir sollten alles in unsere Macht Stehende tun, um die Schulen offen zu halten."

Die beginnende "Winter-Welle" steht laut Kluge in Zusammenhang mit mehr Sozialkontakten in Innenräumen. Es gebe "nicht so optimistische Modellrechnungen", erläuterte er. Aber berücksichtigte einfache Maßnahmen wie generelles Maskentragen und strikte Kontrollen zur Verhinderung von Menschenansammlungen würden schon starke Verbesserungen in den Berechnungen zeigen. "Diese Maßnahmen sollen uns helfen, der Kurve voraus zu sein und sie abzuflachen", appellierte Kluge an die Regierungen und Menschen in Europa. (apa)