Nun gibt es - wie bei anderen Outdoor-Veranstaltungen - Regeln für Weihnachtsmärkte im heurigen Advent. Es braucht ein Präventionskonzept und es soll möglichst Abstand gehalten werden. Bei der Genehmigung soll auf die aktuelle Coronalage in der Region Rücksicht genommen werden. Bei  Weihnachtsfeiern im heurigen Jahr stellt das Gesundheitsministerium explizit klar,  dass in Innenräumen nicht mehr als zehn Personen erlaubt sind.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) stellten am Freitag für Montag zwar auch bundesweite Verschärfungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Aussicht. Derzeit setze man aber den "absoluten Fokus auf die regionalen Maßnahmen", diese seien "punktgenau", sagte Anschober am Donnerstag. Erstmals seit dem Frühjahr wurde wieder eine Gemeinde unter Quarantäne gestellt, nämlich Kuchl im nun roten Bezirk Hallein in Hallein. In Salzburg und Tirol gibt es zahlreiche weitere Einschränkungen. In Oberösterreich gibt es nun ebenfalls die Gastro-Registierung, die Schulen bleiben Geld. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi schloss weitere Maßnahmen in der Stadt nicht aus.

1.163 Neuinfektionen, die meisten in Oberösterreich

Bis Freitagvormittag (9.30 Uhr) sind 1.163 neue Coronavirus-Fälle in Österreich innerhalb der vergangenen 24 Stunden gemeldet worden. Das waren deutlich weniger als der Rekord von 1.552 vom Vortag, geht aus dem täglichen Update von Innen- und Gesundheitsministerium hervor. Die meisten Ansteckungen kamen mit 238 in Oberösterreich hinzu, für Wien wurden 230 ausgewiesen und für Tirol 206. Nach den drei Bundesländern mit mehr als 200 neuen positiven Testergebnissen folgten Salzburg mit 165 Neuinfektionen und die Steiermark mit 145. In Vorarlberg gab es 76 weitere Fälle, in Niederösterreich 53 und in Kärnten sowie im Burgenland je 25.

Der Sieben-Tages-Schnitt bei den Neuinfektionen ist im Vergleich zum Vortag mit 1.171 annähernd stabil geblieben (1.167). Die Zahl der aktiven Fälle stieg österreichweit auf 12.887, die Opferzahl der mit dem Virus Verstorbenen auf 882. Von den 700 Hospitalisierten lagen 124 auf Intensivstationen, das waren fünf mehr als am Donnerstagvormittag.

Über drei Entwicklungen zeigte sich Gesundheitsminister Anschober besorgt: Das Durchschnittsalter der Getesteten steige wieder an und liege bereits bei über 40 Jahren. Im August lag es noch bei 34 Jahren. Zweitens: Die Zahl der Hospitalisierungen stieg in den vergangenen sieben Tagen um 37 Prozent, die Zahl der Patienten mit intensivmedizinischem Betreuungsbedarf um 20 Prozent. "Und drittens ist es in den vergangenen Tagen erstmals seit vielen Wochen wieder zu etlichen Infektionsfällen in einigen Altenheimen gekommen", so Anschober am Freitag in einer Aussendung des Ministeriums.

Für mehr als 250 Gäste ist ein Präventionskonzept einzureichen

 Was die Weihnachtsmärkte angeht, bringt die für einschlägige Veranstaltungen ab 13. November geltende Verordnung eine Präzisierung, was unter Gelegenheitsmärkten zu verstehen ist - nämlich "Verkaufsveranstaltungen, zu denen saisonal oder nicht regelmäßig an einem bestimmten Platz Händler, Betreiber von Gastgewerben oder Schaustellerbetrieben zusammenkommen, um Waren, Speisen oder Getränke zu verkaufen oder Dienstleistungen anzubieten". Unter nicht regelmäßig versteht das Ministerium Märkte, die in größeren Abständen als einmal monatlich und nicht länger als zehn Wochen stattfinden.

Werden 250 Personen auf einmal erwartet, ist ein Präventionskonzept einzureichen. Bei der Bewilligung durch die Bezirksverwaltungsbehörde sind auch die epidemiologische Lage im Einzugsgebiet des Gelegenheitsmarktes und die Kapazitäten der örtlich zuständigen Gesundheitsbehörde im Falle einer notwendigen Kontaktpersonennachverfolgung aufgrund eines Verdachts- oder Erkrankungsfalls zu berücksichtigen. Angeregt werden etwa Entzerrungsmaßnahmen, wie beispielsweise Abstände zwischen den Ständen, Absperrungen oder Bodenmarkierungen. Das Covid-19-Präventionskonzept kann auch "ein datenschutzkonformes System zur Nachvollziehbarkeit von Kontakten wie beispielsweise ein System zur Erfassung von Anwesenheiten auf freiwilliger Basis der Besucher" beinhalten.

Schon bisher galt in der entsprechenden Maßnahmenverordnung, dass bei Veranstaltungen ohne zugewiesene und gekennzeichnete Plätze nur zehn Gäste in geschlossenen Räumen und maximal 100 im Freien erlaubt sind. Nun werden explizit Weihnachtsfeiern, Hochzeits- und Geburtstagsfeiern angeführt, um klar zu stellen, dass diese mit gemeint sind.

Regeln beim Essen wie in der Gastronomie

Was die Verköstigung auf diesen Märkten angeht, gelten die selben Regelungen wie in der Gastronomie, auch was die Sperrstunden angeht. Manches könnte auf den traditionell dicht gedrängten Weihnachtsmärkten schwierig werden. So steht in der geltenden Verordnung etwa, dass der Betreiber sicherzustellen hat, dass die Konsumation von Speisen und Getränken nicht in unmittelbarer Nähe der Ausgabestelle erfolgt. Auch sind Verabreichungsplätze so einzurichten, dass zwischen den Besuchergruppen ein Abstand von mindestens einem Meter besteht.

Konkretisiert werden in der Verordnung auch die Regeln zum Spitzensport. Zugelassen sind - abgesehen vom Publikum - bis zu 100 Sportler in Hallen und 200 Sportler im Freien zuzüglich der Trainer, Betreuer und sonstigen Personen, die für die Durchführung der Veranstaltung erforderlich sind. Für diese Personen ist ein Präventionskonzept auszuarbeiten.

Bund schärft am Montag Regeln nach

Nach den neuen Höchstwerten bei Neuinfektionen in Österreich und dem erstmaligen Stellen der Corona-Ampel auf rot, hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Donnerstagabend im Interview mit der "ZiB 2" auch baldige bundesweite Verschärfungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Aussicht gestellt. Man erarbeite diese zur Zeit, sagte er: "Ich würde nicht ausschließen, dass das schon in den kommenden Tagen sein könnte." Es komme dabei "auf den richtigen Zeitpunkt" an.

Der ist offenbar am Montag: Da findet eine Videokonferenz zwischen Bund und Ländern statt. Sie soll dazu dienen, "dass wir gemeinsam die nächsten Schritte besprechen und die richtigen Maßnahmen im Bund und in den Ländern setzen", erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegenüber der APA. Er betonte, dass man nur durch die Reduktion von sozialen Kontakten, "was natürlich von uns allen Verzicht bedeutet", den Anstieg der Infektionszahlen stoppen könne.

Einen "Lockdown" gelte es zu verhindern, betonte der Minister einmal mehr: Es sei gesetzlich verankert, dass es einen Lockdown nur geben könnte, wenn der Hauptausschuss des Nationalrates zustimmt und ein Zusammenbruch des österreichischen Gesundheitssystems droht. "Wir erarbeiten jetzt die Maßnahmen, beobachten die Zahlen. Jetzt sind einmal die Regionalmaßnahmen am Zug, dann werden wir weitere Maßnahmen setzen." Diese neuen regionalen Maßnahmen in Tirol und Salzburg seien "punktegenau", auch in anderen Bundesländern erwarte er Verschärfungen, so werde etwa Oberösterreich "noch einmal regional nachschärfen", so der Minister. Das Entscheidende sei, "dass die Bevölkerung mitmacht", sagte Anschober auch mit Blick auf Berichte aus Hallein, wo sich Einzelne nicht an die Vorgaben gehalten hätten.

Gastroregistrierung und mehr Sicherheit in Heimen in Oberösterreich

Oberösterreich hat am Freitag wie erwartet die verpflichtende Gäste-Registrierung in der Gastronomie beschlossen. Zudem sollen die Schutzbestimmungen in Alters- und Pflegeheimen erhöht werden. Die am Dienstag in Kraft tretende Verordnung schreibt etwa das Tragen von Masken von Besuchern, Fiebermessen beim Eingang und Erfassung der Kontaktdaten vor. Pro Bewohner oder Bewohnerin sind pro Tag höchstens zwei Besucher erlaubt.

"Nicht jeder, der mit Corona infiziert ist, wird auch tatsächlich krank. Fakt ist: Wir wollen jene, die krank werden, bestmöglich schützen und eine Überlastung unserer Intensivstationen verhindern", begründete Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) die am Freitag beschlossenen Maßnahmen.

Schulen bleiben unabhängig von der Ampelfarbe der Bezirke weiterhin gelb. In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden wurde festgelegt, dass dies auch für die orangen Bezirke und das rote Wels gelte. Einerseits seien die Schulen aktuell nicht die Infektionsherde. Andererseits wollen man "Kindern und Jugendlichen Bildung so lange wie möglich in der Schule ermöglichen sowie die Eltern entlasten", teilte Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) mit.

Die Gesamtzahl der Schüler der Sekundarstufe II beträgt knapp 8.990. Rund 40 Prozent dieser Schülerinnen und Schüler kommen nicht aus dem Einzugsgebiet der Stadt Wels. An Welser Schulen sind mit heutigem Stand acht Schüler dieser Altersklasse mit Covid-19 infiziert. An den Pflichtschulen der Stadt sind zusätzliche 13 Schülerinnen und Schüler an vier Standorten erkrankt. "In Kenntnis dieser Zahlen ist in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden eine Umstellung auf Distance-Learning oder ein Schichtbetrieb derzeit nicht notwendig", so Haberlander in der Presseaussendung. Insgesamt verteilen sich die 254 Fälle an Schulen auf 131 Standorte. Bis auf Weiteres heißt es an allen Schulen: Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes außerhalb der Klassen- und Gruppenräume ist Pflicht, während des Unterrichts soll gelüftet werden. Und: Abstand sowie Handhygiene sind weiter einzuhalten.

Tirol setzt auf Registrierungspflicht und in "roten" Bezirken auf Distance Learning

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte am Donnerstagabend strengere Corona-Maßnahmen im Bundesland verkündet. Unter anderem wird eine Registrierungspflicht für Gastronomiebetriebe eingeführt und die Sperrstunde um 22.00 Uhr bleibt bestehen. In Ampel-Orangen und "roten" Bezirken wird die Schulampel auf orange gestellt und damit ab der neunten Schulstufe auf Distance Learning umgestellt. Auch an Fachhochschulen und Universitäten wird das Distance Learning ausgeweitet. Publikumsveranstaltungen dürfen nur mehr mit zugeteilten Sitzplätzen mit maximal 250 Personen abgehalten werden, der Getränke-Ausschank wird untersagt. Zudem dürfen nur mehr 100 Menschen an Beerdigungen teilnehmen. Vereinsaktivitäten werden auf den "eigentlichen Vereinszweck" beschränkt - damit muss etwa die Kantine nach einem Fußballspiel geschlossen bleiben.

In besonders sensiblen Bereichen wie Alters- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und der Kinder- und Jugendhilfe sind lediglich zwei Besucher pro Tag erlaubt. Zusätzlich werden die Hygienebestimmungen erhöht. Die Maßnahmen gelten ab Freitagabend, die Gastro-Registrierungspflicht und die neuen Schulregelungen gelten ab Montag.

Mit der roten Einstufung der Corona-Ampel für Innsbruck wird seit Donnerstagabend erstmals eine Landeshauptstadt in Österreich "mit hohem Risiko" bewertet. Für Bürgermeister Georg Willi (Grüne) sei das "bedauerlich", sagte er in einer Pressekonferenz am Freitag. Zugleich warnte er aber: Sollten die Zahlen weiter steigen, könnten weitere Maßnahmen folgen. Zudem könne er eine Ausgangssperre zwar "derzeit" ausschließen, nicht jedoch für die Zukunft. In der "Schublade" des Bürgermeisters seien "zu diskutierende, verschärfende Maßnahmen", welche die Sozialkontakte weiter einschränken, berichtete Willi über mögliche weitere Schritte der Stadt. Er werde sich jetzt aber "die nächsten Tage" anschauen. Man müsse sich "von Mal zu Mal anschauen, was vertretbar ist". Wiederholt appellierte er an die Innsbrucker Bevölkerung, sich an die nun geltenden Regeln zu halten. "Jeder hat eine Gesamtverantwortung für die große Gruppe", meinte er.

Seit dem Sommer gab es einen Anstieg in drei Wellen, mit Stand Freitagvormittag waren 453 Menschen mit dem Virus infiziert. Der Bürgermeister wies zudem auf einen Cluster in einem Altersheim im Stadtteil Saggen hin, der problematisch sei. Zudem kündigte der Stadtchef an, dass Mitarbeiter der Stadt - wie auch Landesbedienstete - nach Möglichkeit ins Home-Office wechseln. Auch der Parteienverkehr im Rathaus wird, wie bereits im Frühjahr, durch drei zentrale Schalter gelenkt.

Salzburg: Kuchl unter Quarantäne und Verbote privater Feiern

Im Land Salzburg ist die Gemeinde Kuchl im Tennengau (Bezirk Hallein) am härtesten von den neuen Maßnahmen betroffen. Sie wird unter Quarantäne gestellt, die Ein- und Ausreise untersagt, Ausnahmen gibt es nur mehr für die Versorgung mit Lebensmitteln oder Heizmaterial, für Einsatzfahrzeuge und für Pendler, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Innerhalb der Gemeinde müssen Gastronomie und Hotellerie zusperren. Handels- und Dienstleistungsgeschäfte bleiben für Gemeindebürger offen. Zudem gelten Ausgangsbeschränkungen wie beim Lockdown im Frühjahr - mit den bekannten Ausnahmen Bewegung im Freien, Nachbarschaftshilfe und Einkäufe.Aber auch in den anderen Bezirken des Landes gelten ab kommenden Samstag zum Teil erhebliche Einschränkungen. Das erst am Dienstag im Tennengau in Kraft getretene Verbot privater Feiern außerhalb des eigenen Wohnraums wird auf das ganze Bundesland ausgedehnt. In ganz Salzburg wird zudem eine Registrierungspflicht für die Gastronomie eingeführt - eine Maßnahme die das Land vor wenigen Wochen noch aus Datenschutzgründen abgelehnt hatte. Die Sperrstunde um 22.00 Uhr bleibt aufrecht, ausgenommen sind weiterhin Gäste in der Hotellerie. Zudem dürfen landesweit nicht mehr als 100 Personen zu Begräbnissen kommen.

Das Land führt weiters ein Veranstaltungsverbot ein, wenn es keine zugewiesenen Sitzplatze gibt - egal ob Indoor oder Outdoor. Die Verabreichung von Speisen und Getränken bei Veranstaltungen wird dabei verboten. Im Tennengau, Flachgau, Pongau und in der Stadt Salzburg werden alle Schüler ab der neunten Schulstufe auf Home Schooling umgestellt. Das sieht laut Haslauer die Bildungsampel so vor, die heute auf Orange gestellt werden wird. Auch die beiden Fachhochschulen in Kuchl und Puch stellen auf "Distance Learning" um. Die Maßnahmen werden ab Samstag, 17. Oktober, 0.00 Uhr bis vorerst bis 1. November, 24.00 Uhr, gelten. "Die Entwicklung ist dramatisch", sagte Landeshauptmann Wilfred Haslauer am Donnerstag: "Wir sehen die unbedingte Notwendigkeit Maßnahmen zu setzen, um nicht in einen weiteren Lockdown zu gehen".

Neue Regeln im orangen St.Veit/Glan in Kärnten

Das Land Kärnten hat am Freitag verschärfte Maßnahmen für den von der Ampelkommission auf orange gestellten Bezirk St. Veit/Glan beschlossen. Ab Montag gelten in St. Veiter Pflegeheimen eingeschränkte Besuchszeiten, und zwar von 10.00 bis 17.00 Uhr. Es müssen spezielle Orte definiert werden, wo die Besuche stattfinden, dazu herrscht Maskenpflicht. Für Heimbewohner wird zudem der Besuch externer Veranstaltungen untersagt. Verschärfungen gibt es auch im Sportbereich, so müssen Kantinen auf Sportplätzen mit dem Schlusspfiff eines Spiels schließen. Ohne fixe Platzzuweisung dürfen in geschlossenen Räumen maximal zehn Besucher teilnehmen, im Freien 40. Mit fixen Plätzen sind es 500 bzw. 1.000 im Freien. Die Verordnung tritt am Montag in Kraft und gilt vorerst für zwei Wochen, danach wird evaluiert. Mit dem Wechsel auf Orange werden die Schulen im Bezirk automatisch auf gelb gesetzt.

Darüber hinaus werden die Testkapazitäten in Kärnten erweitert, am Montag eröffnet eine fixe Teststation in Wolfsberg, danach eine in Hermagor. In Völkermarkt und Feldkirchen werden Teststraßen des Roten Kreuzes in den kommenden Wochen eingerichtet. Das Land hat zudem einen Vertrag mit einem privaten Analyseinstitut in Oberkärnten abgeschlossen, das auch an Wochenenden analysiert. Dazu laufen laut Kurath Gespräche mit dem Bundesheer bezüglich einer möglichen Unterstützung beim Contact Tracing. (apa)