Die Zahl der Corona-Infektionen steigen offenbar unaufhaltsam. Am Donnerstag gab es in Österreich mit 2435 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden abermals einen neuen Rekordwert - mit einem erneut deutlichen Anstieg, wie aus den Zahlen des Innenministeriums hervorgeht.

In Wien, Nieder- und Oberösterreich sowie in Tirol hat es noch nie so viele Neuinfektionen gegeben, wie innerhalb eines Tages bis Donnerstagvormittag. Allein in Wien sind 659 neue positive Fälle dazugekommen. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte auf mehr als 1000 gestiegen, davon 161 in Intensivstationen, um 14 mehr als am Mittwoch.

Wie sehr sich das Infektionsgeschehen ausgeweitet hat, lässt sich auch an der Corona-Ampel ablesen. Nach der Sitzung der Ampel-Kommission am Donnerstagabend sind nun bereits 21 Bezirke beziehungsweise Regionen rot. Auf die höchste Stufe gesetzt wurden unter anderem Neusiedl am See, St. Pölten Stadt, Amstetten, Bruck an der Leitha, Mödling und Tulln, Gmunden, Salzburg Umgebung, Zell am See, Leoben und Imst.

Wieder einmal Warten auf eine Corona-Verordnung des Gesundheitsministeriums hieß es dennoch am Donnerstag. Zwar hat die türkis-grüne Bundesregierung bereits am Montag ab Freitag null Uhr Verschärfungen wie eine Obergrenze für Treffen in Räumen mit sechs Personen und im Freien von zehn Personen angekündigt, keine zwölf Stunden davor war aber die entsprechende Verordnung mit den Details immer noch ausständig. Am Donnerstagabend wurde dann schließlich angekündigt, dass die neuen Maßnahmen erst ab Sonntag in Kraft treten werden. Fix ist aber, dass Plastik-Visiere mit einer Übergangsfrist als Corona-Schutz verboten werden, wie Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) am Vormittag vor Journalisten bestätigte. Auch der Ein-Meter-Abstand im öffentlichen Raum wird ähnlich wie im Frühjahr wieder rechtsverbindlich eingeführt.

Gesichtsvisiere beziehungsweise Gesichtsschilde sind bisher vor allem neben dem Mund-Nasenschutz in Form von Masken in der Gastronomie bei Angestellten im Einsatz gewesen. Studien haben, wie auch die "Wiener Zeitung" berichtet hat, inzwischen belegt, dass solche Plastik-Visiere kaum Schutz vor einer Corona-Ansteckung bieten, weil Coronaviren dann seitlich oder nach oben und unten freigesetzt werden. Dazu trifft umso mehr zu, weil diese Visiere teilweise auch immer kleiner wurden und nur mehr den unmittelbaren Mundbereich bedecken.

Der Gesundheitsminister sicherte aber zu, dass es für das Verbot der Visiere eine Übergangsfrist geben werde. Weitere Details waren vor dem Vorliegen der einschlägigen Verordnung offen. Ausnahmen von dem Visier-Verbot wird es für Menschen geben, die aus gesundheitlichen Gründen keine Corona-Schutzmaske tragen können.

Regelung für Ausschank und Bewirtung

Gemäß der montägigen Ankündigung durch die Regierungsspitze werden mit den neuen Verschärfungen auch die Ausschank von Getränken und die Bewirtung mit Speisen bei öffentlichen Veranstaltungen, die nach Genehmigung durch die Behörden weiter zulässig sind, geben. Das betrifft Sport- und Kulturveranstaltungen bis zu 1000 Besuchern in Räumen und bis zu 1500 Besuchern im Freien. Kopfzerbrechen bereitete aber bis zuletzt bis dieser Regelung, wie dennoch sichergestellt werden kann, dass Gäste bei mehrstündigen Veranstaltungen, etwa bei Opernaufführungen, trinken können. In Gaststätten und Lokalen dürfen Getränke und Speisen nur konsumiert werden, wenn die Gäste an Tischen sitzen.

Ebenfalls neu geregelt werden Proben und Aufführungen von Chören und Musikkapellen. Im Amateurbereich dürfen künftig nur noch sechs Personen indoor und zwölf Personen outdoor teilnehmen. Außerdem wird es eine Maskenpflicht auch für Bewohner in Seniorenheimen sowie in Fußgänger-Passagen geben.

Kurz warnt vor Friedhofsbesuchen zu Allerheiligen

Bundeskanzler Sebastian Kurz und Kulturministerin Susanne Raab appellierten an die Bevölkerung, angesichts der Coronakrise zu Allerheiligen und Allerseelen auf gemeinsame Friedhofsbesuche zu verzichten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, zeigt dafür Verständnis. Auch von Familienfeiern am Allerheiligen-Wochenende wird in einer Aussendung abgeraten.

Kurz und Raab äußern "großes Verständnis" dafür, dass gerade Allerheiligen und Allerseelen wichtige Feste seien und den Menschen momentan große Opfer abverlangt würden. Gerade in diesem Jahr habe das Wochenende für jene eine besondere Bedeutung, die sich bei Todesfällen während der ersten Corona-Welle nicht bei Angehörigen oder Freunden verabschieden hatten können.

Doch leider sei es in diesem Jahr wichtig, aus Rücksicht aufeinander und aus Umsicht für die Gesundheit und die Arbeitsplätze in Österreich dieses Fest anders zu begehen als gewohnt. Raab appelliert daher, die Gräber nur mit jenen Menschen zu besuchen, mit denen man im gemeinsamen Haushalt lebe. Dieses Anliegen sei auch am Dienstag bei einem Gespräch mit Franz Lackner, dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz besprochen worden.

Der Salzburger Erzbischof bedauert, dass sich die Situation in den vergangenen Wochen derart zugespitzt habe und nun hinsichtlich der gemeinsamen Friedhofsfeiern Regelungen getroffen werden müssen: "Als katholische Kirche wollen wir wie bisher verantwortungsvoll mit der schwierigen Situation umgehen und daher dem Ersuchen der Regierung und der Landeshauptleute nachkommen, dass das christliche Totengedenken heuer nur im kleinsten Rahmen stattfinden soll."