"Wir haben in ganz Europa eine sehr ernste Lage", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz im Sozialministerium gemeinsam mit Daniela Schmid von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zur aktuellen Schaltung der Corona-Ampel.

Bereits am Donnerstagabend war nach der der Sitzung der Ampel-Kommission bekannt geworden, dass nun insgesamt 21 Bezirke beziehungsweise Regionen auf der Ampelfarbe Rot stehen. Auf die höchste Stufe gesetzt wurden unter anderem Neusiedl am See, St. Pölten Stadt, Amstetten, Bruck an der Leitha, Mödling und Tulln, Gmunden, Salzburg Umgebung, Zell am See, Leoben und Imst. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden waren österreichweit 2.571 Neuinfektionen hinzugekommen, die Zahl der aktiven Fälle stieg am Freitag auf 18.266.

Die schlechte Nachricht sei: "Der Trend geht nach oben." Die gute Nachricht sei dagegen: Bei der Auslastung der Intensivbetten habe Österreich noch einiges an Luft nach oben, sagte Anschober bei der Pressekonferenz am Freitag. Der Gesundheitsminister appellierte gleichzeitig, zu Allerheiligen zurückhaltend mit Familienfeiern zu sein, ebenso wie zu Halloween heuer nicht "die Post abgehen" zu lassen. Neuerlich appellierte Anschober zudem, die Stopp-Corona-App des Roten Kreuzes zu nutzen.

"Überschaubare Steigerung"

Hinsichtlich der Herbstferien in der kommenden Woche mahnte der Minister zu Vorsicht: "Wenn es irgendwie geht, bleiben Sie zuhause." 27 Prozent der Menschen in Österreich lebten mittlerweile in einem der 25 Gebiete mit Rotschaltung, "Grund zur Panik" sei das allerdings nicht - die Auslastung bei Intensivbetten sei aktuell kein Thema, ein Lockdown verhinderbar.

Die Gesamtkapazität liege bei etwa 2.000 intensivmedizinischen Betten. Am 15. Oktober waren sechs Prozent belegt, eine Woche danach, am Donnerstag, waren es acht Prozent. Das sei eine "überschaubare Steigerung", sagte der Gesundheitsminister. Die Zwei-Wochen-Prognose der Gesundheit Österreich (GÖG) sieht die Auslastung für den 4. November bei zwölf Prozent

Einschränkung sozialer Kontakte "wo immer möglich"

Daniela Schmid, leitendende Epidemiologin bei der AGES und Sprecherin der Corona-Kommission, verwies darauf, dass die Einschränkung sozialer Kontakte "wo immer möglich" nach wie vor die entscheidende Maßnahme sei, um die Ausbreitung des Infektionsgeschehens einzudämmen. Bei Familienfeiern sei es sinnvoll, die Anzahl der Personen auf ein Minimum zu reduzieren.

Ziel sei, dadurch die Verbreitungsgeschwindigkeit zu reduzieren. Kritisch sah Schmid die Zunahme von Fällen, in denen das Covid-19-Virus in den Gesundheitsbereich "hineingetragen" wurde. Es habe auch steigende Fallzahlen im Bereich der Altenpflege gegeben, wodurch das Risiko für schwere Krankheitsverläufe steige.

"Für mich ist entscheidend, dass die Maßnahmen wirken, nicht ob sie am Mittwoch oder am Donnerstag in Kraft treten", sagte Anschober zudem zur Kritik an der neuerlich langen Dauer zwischen der Ankündigung verschärfter Maßnahmen und der Veröffentlichung der entsprechenden Verordnung.