Mit einem Dreifach-Appell hat sich Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) vor dem Nationalfeiertag an die Bevölkerung gewandt: "Bitte bleiben Sie dieses Mal zu Hause." Das bedeute: jetzt in den Herbstferien daheimbleiben, keine zu engen Familienkontakte zu Allerheiligen und auch keine Halloween-Feiern. Anlass war die neue Ampelschaltung, nach der die Zahl der Bezirke in Österreich mit Rot auf der Corona-Ampel sprunghaft um 21 auf nun 25 steigt. Mit 3.614 Corona-Neuinfektionen wurde am Samstag erneut ein Rekordwert verzeichnet.

Trotz seiner Appelle hat der Minister den Österreichern eine zwei Tage längere Schonfrist bis zu den verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus eingeräumt. Statt seit Freitag gelten die strengeren Auflagen, darunter die niedrigere Obergrenze für Treffen von Privatpersonen mit sechs Erwachsenen in Innenräumen und zwölf Personen im Freien, erst ab diesem Sonntag, null Uhr.

Zwei Tage späterer Start nach verzögerter Verordnung

Der Grund für den Aufschub ist, dass das Gesundheitsressort die notwendige Verordnung erst am Donnerstagabend herausgegeben hat. Das war nur rund dreieinhalb Stunden vor dem ursprünglich von der Regierung bereits am Montag angekündigten Starttermin in der Nacht auf Freitag.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Welche Corona-Regeln gelten nun ab Sonntag österreichsweit? Der Ein-Meter-Abstand zu anderen Personen in der Öffentlichkeit gilt nun wieder wie im Frühjahr bundesweit rechtsverbindlich. Die Verordnung bringt vor allem die niedrigere Personenobergrenze für Treffen von Privatpersonen und für die Gastronomie weitere Erschwernisse. Lokale mit insgesamt mehr als 50 Sitzplätzen müssen ab Anfang November einen eigenen Corona-Beauftragten haben sowie ein Corona-Präventionskonzept. Teil dessen "kann" auch eine mit dem Datenschutz konforme Gästeliste sein, wie es sie in Wien schon gibt.

Die neue Verordnung schreibt Lokalbetreibern außerdem vor, dass dieses Corona-Präventionskonzept basierend auf einer Risikoanalyse ein "dem Stand der Wissenschaft entsprechendes" Regulativ sein muss. Angesichts der fortschreitenden Erkenntnisse zum Coronavirus bedeutet das logischerweise, dass das Präventionskonzept in Lokalen jeweils angepasst werden muss.

Wirte und andere Lokalbetreiber werden sich noch aus einem anderen Grund umstellen müssen. Beschäftigte in der Gastronomie haben besonders häufig Gesichtsschutzschilder in Form von Plastikvisieren getragen. Damit wird bald Schluss sein, nachdem internationale Studien gezeigt haben, dass speziell kleinere Visiere die Verbreitung von Coronaviren nur wenig reduzieren. Der Gesichtsschutz muss künftig "eng" anliegen, was Visiere ausschließt. Für die Umstellung bleibt eine Frist bis 7. November.

Ausnahme für Punschstände und Weihnachtsmärkte

Eine weitere Einschränkung betrifft den Alkoholkonsum. Nach der Sperrstunde darf österreichweit im Umkreis von 50 Metern von Lokalen, aber etwa auch bei Tankstellenshops, kein Alkohol konsumiert werden. Für Weihnachtsmärkte wird es trotz der Einschränkung des Ausschanks und der Bewirtung mit Speisen bei Kultur- und Sportveranstaltungen eine Möglichkeit zur Konsumation geben. Während sonst Speisen und Getränken an Tischen im Sitzen konsumiert werden müssen, gibt es Ausnahmen für Würstel- und Kebabstände, aber auch für Punschstände und Gastronomiestände auf Märkten und Gelegenheitsmärkten. Dort darf laut Verordnung "auch im Stehen konsumiert werden".

Neu ist, dass es für Bewohner von Pflegeheimen eine Maskenpflicht in öffentlichen Bereichen des Heimes gilt. Ausnahmen sind zulässig, wenn dies aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist, etwa bei Atemproblemen.

In Salzburg gilt schon ab Samstag in den Bezirken Salzburg-Umgebung, Hallein, St. Johann und Zell/See ein komplettes Veranstaltungsverbot.