Es sind scharfe Worte, welche die Gerichtsdolmetscher gegen das Justizministerium richten. Man fühle sich vom Ressort "verkauft und verraten", hält der Gerichtsdolmetscher-Verband in einer Aussendung fest. Zwar bekomme das Justizressort für das Budget des kommenden Jahres 65 Millionen Euro zusätzlich, Gebührenerhöhungen für die Dolmetscher seien aber keine vorgesehen, wird bemängelt. Wieder einmal sei man vom Justizministerium "aufs Abstellgleis geparkt" worden.

Die Gerichtsdolmetscher warnen vor ihrem Aussterben. Grund dafür sei die schlechte Bezahlung. Die Tarife nach dem Gebührenanspruchsgesetz wurden für Dolmetscher seit 2007 nicht mehr erhöht. Zugleich ist die Zahl der gerichtlich zertifizierten Dolmetscher seit 2006 um fast die Hälfte auf rund 730 gesunken. Das Durchschnittsalter der Dolmetscher liege bei mehr als 60 Jahren, so der Verband. Bei manchen Sprachen besteht bereits jetzt ein enormer Mangel: Für Dari und
Pashtu gibt es laut Gerichtsdolmetscherliste österreichweit etwa nur
einen Übersetzer.

"Man muss also nur mehr etwa zehn Jahre warten, dann werden auch diese zumeist freiberuflich tätigen Personen wegfallen und ein Berufsstand ausgestorben beziehungsweise ausgehungert sein", schreibt der Gerichtsdolmetscher-Verband. Er warnt davor, dass statt professionell ausgebildeter Übersetzer ungeschulte Laien zum Zug kommen werden.

Warnung vor Laienübersetzern

Diese Laienübersetzer müssen im Gegensatz zu professionellen Dolmetschern keine Prüfung ablegen. Immer wieder machen in Justizkreisen Geschichten von fatalen Fehlern die Runde: In Graz musste bereits einmal ein Strafprozess wegen des Fehlers eines Laienübersetzers wiederholt werden. Fehler eines Übersetzers dürfte es auch bei einem Prozess gegeben haben, bei dem der Richter den Zeugen aufforderte, "aufmerksam dem Gang der Verhandlung zu folgen". Der Zeuge erhob sich und wollte auf den Gang gehen.

Gerichtsdolmetscher bekommen derzeit einen Stundenlohn von rund 25 Euro brutto. Davon bleibe nach der Steuer und den Beiträgen zur Sozialversicherung nur mehr die Hälfte über, bemängeln die Übersetzer. "Bestqualifizierte Dolmetscher" würden sich nach ihrem Studienabschluss daher beruflich anderswo umsehen.

Es bestehe seitens der Justiz dringender Handlungsbedarf – gerade von Justizministerin Alma Zadic (Grüne) habe man sich mehr erwartet. Nun sei der Bogen überspannt, schreibt der Gerichtsdolmetscher-Verband. Er stellt einen Streik in Aussicht, die "lang strapazierte Geduld der Dolmetscher ist endgültig erschöpft".

Im Kabinett von Justizministerin Zadic wird betont, dass bei den Sachverständigen und Gerichtsdolmetschern eine finanzielle Aufwertung notwendig sei. Mit dem Budget 2021 habe man einen ersten Schritt gesetzt und die Gebühren für psychiatrische Sachverständige erhöht. Man sei zuversichtlich, dass es demnächst auch eine Lösung für die Gerichtsdolmetscher geben werde.