Im Zuge der deutlich verschärften Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie gilt zwar grundsätzlich an den Oberstufen in Schulen wie schon im Frühjahr Heimunterricht. Pflichtschulen – also Volks- und Mittelschulen sowie AHS-Unterstufen – bleiben hingegen nach den mit dem Allerseelentag endenden Herbstferien offen. Allerdings wird den Direktorinnen und Direktoren an den einzelnen Schulstandorten an Pflichtschulen auch die Gelegenheit gelassen, autonom abweichende Maßnahmen anzuordnen. Konkret wird in einem Informationsschreiben des Bildungsministeriums, das der "Wiener Zeitung" vorliegt, wie von der türkis-grünen Bundesregierung angekündigt, die Fortsetzung des Schulbetriebs in Pflichtschlen mit Anwesenheit in der Schule, in Oberstufen mit Heimunterricht festgelegt. 

Wenn es die Situation erfordere könne an Pflichtschulen "für einen oder mehrere Tage" Heimunterricht angeordnet werden, teilt das Ministerium mit. Dies sei bei mehreren Corona-Fällen an der betroffenen Schule, wenn die "Abklärung durch die Gesundheitsbehörde offen" sei und der Vollbetrieb an der Schule gefährdet wäre, heißt es in den Papier. Am Montagvormittag begründete Bildungsminister Heinz Faßmann in einer Pressekonferenz dann die Maßnahmen, mit denen der Schulbetrieb weiter funktionieren soll: "Es ist klar, dass wir nicht sagen können, einfach weiter so." Auf Nachfrage sagte der Minister, dass die Schulen nach der Corona-Ampel nun auf Orange statt bisher bundesweit auf Gelb seien, was in den Schulen neue Frage anwirft.

An den Oberstufen gilt Heimunterricht mit Ausnahmen. Eine wichtige Änderung für die Schüler verkündete Faßmann bei seiner Pressekonferenz. Demnach müssen Schularbeiten, die in der zweiten Novemberhälfte geplant waren, auf den Dezember verschoben werden. In der ersten Novemberhälfte sollen Schularbeiten in den Oberstufen weiter in den Schulen stattfinden, sofern genügend Raum für Mindestabstände vorhanden ist. Generell meinte der Bildungsminister zu den Maßnahmen: "Es geht um einen Monat, hoffentlich nicht um mehr."

Zustimmung auch des Ministeriums ist nötig

Einem Heimunterricht an Pflichtschulen wird noch eine Doppelhürde vorgeschoben. Es ist nämlich sowohl die Zustimmung der Bildungsdirektion im jeweiligen Bundesland als auch des Bildungsministeriums selbst notwendig. Bildungsminister Heinz Faßmann hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er für die Fortsetzung des Präsenzunterrichts an Schulen ist und diesen auch an den Oberstufen der Schulen bevorzugt hätte. In den Pflichtschulen kann die Schulleitung auch das Tragen von Mund-Nasenschutz auch in einzelnen Schulstufen oder Klassen – beispielsweise bei "älteren" Schülern, das wären 13- oder 14-Jährige, anordnen, teilt das Bildungsministerium in dem Schreiben, das mit 1. November datiert ist, mit.

Masken für Lehrer werden verteilt

Den Lehrern werden FFP2-Masken zur Verfügung gestellt, die auch freiwillig von Pädagogen im Unterricht getragen werden können. Damit wird Forderungen von Lehrergewerkschaftern nach einem besseren Schutz der Pädagogen gegen Corona-Ansteckung nachgekommen. Für die Verteilung der Kontingenten an Schutzmasken sind die Bildungsdirektionen zuständig.

Während des Corona-Lockdowns bis Ende November sind in Pflichtschulen Schulveranstaltungen und Exkursionen verboten. Ausflüge in Parks sind jedoch weiter erlaubt. Externe Personen, etwa Lesepaten, dürfen nicht mehr in die Schulen kommen. Die Lehrerkonferenzen müssen online abgehalten werden.

An den AHS-Oberstufen und an Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen wird jetzt nach den Herbstferien Heimunterricht vom Bildungsministerium verfügt. Der jeweilige Stundenplan soll dabei digital abgewickelt werden. "Er soll eine schulische Struktur trotz Distanz gewährleisten und damit eine zeitliche Ordnung vermitteln", wird in dem Papier des Ministeriums vorgegeben. Es gelte, auch neuen Lernstoff zu vermitteln.

Die Tür für Unterricht mit Präsenz in den Schulen bleibt aber auch in den Oberstufen der Schulen offen. Die Vermittlung neuen Stoffs sei ein "schwieriges Unterfangen", räumt das Bildungsressort ein. Daher könne bei Bedarf schulautonom ein Unterricht in Gruppen mit Anwesenheit in der Schule durchgeführt werden. Dies sei dann der Fall, "wenn das Risiko besteht, Schüler zu verlieren", wird recht allgemein in dem Schreiben dargelegt. Dieser Gruppenunterricht solle aber je Gegenstand nicht öfter als einmal in der Woche bis Ende November stattfinden. Entsprechende Kleingruppen sollten außerdem maximal neun Schülerinnen und Schüler umfassen, wird als Vorgabe angeordnet.

Größere Gruppen bei Schularbeiten zulässig

Alternativ könnten auch größere Gruppen in der Schule anwesend sein, zum Beispiel für Schularbeiten. Das wird aber vom Bildungsministerium an drei Bedingungen geknüpft: es müsse einen Mindestabstand von zwei Metern geben; von der Schulleitung müsse für diesen Zeitraum generell eine Maskenpflicht angeordnet werden und es dürften insgesamt nicht mehr 25 Prozent der Schüler der Sekundarstufe II an dem Schulstandort sein.

Der 3. November, also der Dienstag, dieser Woche gilt laut Bildungsressort als "Übergangstag". Es können daher auch noch notwendige Materialien in den den Schulen abgeholt werden. Schüler an der Oberstufe sollten in die Stunde des Klassenvorstandes kommen, eventuell mit Mund-Nasenschutz. Die Klassenvorstände sollen dann mitteilen, wie die Phase des Heimunterrichts gestaltet wird und wie die Kommunikation in dieser Zeit erfolgt, heißt es in dem Informationsschreiben des Ministeriums. An den Universitäten erfolgt wie im heurigen Sommersemester wieder ausschließlich Fernlehre.

Bei der Entscheidung, Kindergärten und Volksschulen offen zu halten, wurde der Bildungsminister von der Infektiologin Petra Apfalter unterstützt. Aus infektionsepidemologischer Sicht sei es gut und richtig, Kindergärten und Schulen für jüngere Kinder offen zu halten, meinte Apfalter. Es sei nicht die Schule, die der "Treiber" für die Ausbreitung von Corona-Infektionen sei.