Zwei Tote, mehr als Dutzend Verletzte - das war die Bilanz eines Terroranschlags in der Wiener Innenstadt am Montagabend. Ein Täter befand sich in der Nacht noch immer auf der Flucht, wie Innenminister Karl Nehammer sagte. Er appellierte daher an die Wiener: "Wenn es möglich ist, bleiben sie zu Hause!" Die Innenstadt solle gemieden werden. Die Schulpflicht in der Bundeshauptstadt wurde am Dienstag ausgesetzt. Wenn Eltern die Kinder nicht betreuen können, können sie sie in die Bildungseinrichtung bringen.

Nehammer sprach vom "schwersten Tag für Österreich seit sehr vielen Jahren" und einem Terroranschlag, dessen Heftigkeit es zum Glück schon lange nicht mehr gegeben habe. "Wer einen von uns angreift, greift uns alle an", sagte der Innenminister. "Es ist eine schwere Situation für alle, die wir gemeinsam stemmen können, wenn wir uns diszipliniert verhalten", meinte Nehammer.

Laut Polizei gab es sechs Tatorte. Zumindest zwei Passanten wurden getötet und mehr als zehn zum Teil schwer verletzt. Die Vorfälle seien aber noch nicht "differenziert aufgearbeitet", sagte Gerhard Pürstl, Landespolizeipräsident in Wien. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde ein Täter getötet. Laut Exekutive hatte der Mann einen Gürtel getragen, dieser konnte aber nicht als Sprengstoffgürtel verifiziert werden, sagte Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums.

Dass ein Täter flüchtig war, wurde bestätigt. Die Sicherheitsbehörden konnten aber nicht ausschließen, dass es mehr als zwei Täter gab und somit mehr auf der Flucht waren.

Auch in den Nachtstunden lief der Großeinsatz der Exekutive weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen. Weitere Schäden müssen hintangehalten werden, sagte Pürstl.

 

Islamistischer Hintergrund wird geprüft

Laut dem Polizeipräsidenten war nach 20 Uhr am Notruf gemeldet worden, dass ein Mann mit einer Schrotflinte schießt. Daraufhin wurden die Einsatzkräfte Richtung Seitenstettengasse, nahe einer Synagoge, beordert. Dort kam es zu einem Schusswechsel, "bei dem ein Kollege schwer verletzt wurde", berichtete Pürstl. Der Polizist "befindet sich im Krankenhaus und wird operiert", sagte der Polizeipräsident. "Unseren Spezialeinheiten ist es gelungen, einen schwer bewaffneten Terroristen - ausgestattet mit einem automatischen Sturmgewehr - auszuschalten", sagte Nehammer.

In den weiteren Nachtstunden sei es herausfordernd gewesen, "die Straßen von den Menschen möglichst leer zu bekommen", sagte Pürstl. "Wir waren laufend damit konfrontiert, Sachverhalte am Notruf zu überprüfen", sagte Sörös. Es werde jedem Ermittlungshinweis nachgegangen. Auch komme es in den Nachtstunden noch vor, dass Personen in Lokalen eingeschlossen sind und anrufen. Die Polizei prüfe dann, ob ein Verlassen der Lokalitäten sicher ist. Die Wiener Innenstadt wurde jedenfalls zur "roten Zone" erklärt. Diese sei nach internationalen Erfahrungen am anfälligsten für weitere Taten, erläuterte der Sprecher.

Das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site hat auf seiner Homepage einen Jihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag in Wien zitiert: "Jihadist sagt, der Angriff in Wien ist 'Teil der Rechnung' für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition", heißt es dort in einem Satz. Beigestellt ist ein Bild aus der Wiener Innenstadt. Diesbezüglich werden erst Ermittlungsschritte gesetzt, sagte Sörös. (apa)