Nach dem Terroranschlag in Wien Montagabend hat die Regierung in ihrer Sondersitzung eine dreitägige "Staatstrauer" beschlossen. Bis inklusive Donnerstag werden die öffentlichen Gebäude mit Trauerbeflaggung versehen. Um 12.00 Uhr werden in ganz Wien die Kirchenglocken im Gedenken an die Opfer des Anschlags läuten, wie Kardinal Christoph Schönborn gegenüber Kathpress erklärte. Auch die Pummerin des Stephansdoms werde schlagen, wie Dompfarrer Toni Faber bestätigte. 

Außerdem soll es am Dienstag um 12 Uhr eine Schweigeminute geben. Die Schulen sollen zu Unterrichtsbeginn am Mittwoch der Todesopfer gedenken, geht aus dem Ministerratsvortrag hervor.

"Die Republik Österreich war, ist und wird immer eine Nation der Vielfalt, des Dialoges und des Respektes füreinander sein, umso mehr haben die Ereignisse vom 2. November 2020 unser Land schwer erschüttert und betroffen gemacht", heißt es in dem Regierungsbeschluss. Mit der Staatstrauer werden die Flaggen an Bundesgebäuden auf Halbmast gesetzt und die Landeshauptleute aufgefordert, dies auch in ihrem Bereich zu veranlassen.

Außerdem soll am Dienstag um 12 Uhr eine "Minute des stillen Gedenkens" eingehalten werden. Auch die Schulen sollen zu Beginn des Unterrichts am Mittwoch eine Gedenkminute einhalten. Noch am Dienstag ist zudem eine Kranzniederlegung durch den Bundespräsidenten, die Regierung, die Nationalratspräsidenten sowie Klubobleuten der Parlamentsparteien und den Bürgermeister in der Wiener Innenstadt geplant.

Das Attentat bezeichnet die Regierung als "Anschlag auf die Freiheit und Demokratie". Die Regierung werde mit allen verfügbaren Kräften an der weiteren Aufklärung der Situation arbeiten. Und: "Die Republik Österreich und wir als Bundesregierung werden die Freiheit, die Demokratie und die Werte unseres Zusammenlebens entschlossen und mit allen gebotenen Mitteln verteidigen. Darüber hinaus werden wir mit unseren internationalen Partnern und Freunden gemeinsam gegen Terrorismus und Extremismus ankämpfen."

Zuletzt herrschte eine offizielle, damals viertägige Staatstrauer nach dem Tod von Bundespräsident Thomas Klestil im Jahr 2004. Klestil war kurz vor der Amtsübergabe an seinen bereits gewählten Nachfolger Heinz Fischer verstorben.

"Liberale Demokratie bleibt standhaft"

Die Präsidialkonferenz mit allen Parlamentsfraktionen hat sich in einer gemeinsamen Erklärung "tief betroffen" über den "brutalen islamistischen Terrorakt" in der Wiener Innenstadt gezeigt: "Was wir heute und jetzt tun können, ist dem Terror und der Gewalt an sich eine klare Absage zu erteilen." Gerade die Willkür in der Auswahl der Opfer ziele darauf ab, die Freiheit an sich zu treffen: "Das ist menschenverachtend und das ist feige."

"Was auch immer die Täter bezwecken wollten, unsere liberale Demokratie bleibt standhaft. Wenn das Ziel des Terrorismus darin liegt, unsere Gesellschaft zu spalten, dann erreicht er damit genau das Gegenteil", schreiben die fünf Parlamentsfraktionen.

"Jeder extremistischen und totalitären Gesinnung erteilen wir eine Absage und treten mit aller Kraft dagegen auf", heißt es in der Erklärung. Es sei Sache des Staates, solchen Gesinnungen für alle Zukunft den Nährboden zu entziehen.

In den laufenden Ermittlungen der Behörden zeigten sich Hinweise auf eine dem Anschlag zugrunde liegende verblendete, menschenverachtende Gewaltideologie. Es sei Sache der Ermittlungsbehörden und der Gerichte, das restlos aufzuklären, Verbindungen offenzulegen und Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Ihre Anteilnahme entrichten die Parlamentarier den Angehörigen der Opfer. Ihr Dank gilt den Einsatzkräften von Polizei, Bundesheer und Rettung. Auch bedankt sich die Präsidiale bei allen Menschen, die sich in den schweren Stunden solidarisch gezeigt hätten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen haben und helfen.

Synagogen geschlossen

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat alle Synagogen in Österreich geschlossen. Betroffen seien in Wien zudem sämtliche Einrichtungen, wie koschere Restaurants, Supermärkte und Schulen, sagte Erich Nuler, Sprecher des Krisenstabs, zur APA. Zudem seien die Sicherheitsvorkehrungen österreichweit verstärkt worden. Gemeindemitglieder wurden weiterhin dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Man sei in enger Abstimmung mit den ermittelnden Behörden, wie Landespolizeidirektion und dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT).

Fahnen auf Halbmast vor der Präsidentschaftskanzlei am Dienstag, 3. November 2020, in Wien. Bei dem Anschlag Montagabend in der Wiener Innenstadt sind vier Menschen ums Leben gekommen.  - © APAweb / Helmuth Fohringer
Fahnen auf Halbmast vor der Präsidentschaftskanzlei am Dienstag, 3. November 2020, in Wien. Bei dem Anschlag Montagabend in der Wiener Innenstadt sind vier Menschen ums Leben gekommen.  - © APAweb / Helmuth Fohringer

Nicht nur in Wien, auch in anderen Städten wie etwa Graz wurden die Einrichtungen der IKG zumindest für Dienstag geschlossen, hieß es weiter. Auch das psychosoziale Zentrum der IKG ist derzeit verstärkt im Einsatz. Dabei gehe es vor allem darum, Kindern näher zu bringen zu erklären, was sich Montagabend ereignet hat.

IGGÖ will mit Behörden kooperieren

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat  uneingeschränkte Kooperation mit den Sicherheitsbehörden angeboten. Man wisse über den oder die Täter auch nicht mehr, als das Innenministerium am Dienstag bekannt gegeben hat, sagte eine Sprecherin zur APA. Die Polizei könne auch jederzeit in Kontakt mit den Extremismus-Präventionsexperten der Glaubensgemeinschaft treten.

Die IGGÖ werde noch am Dienstag mehrere Gremiensitzungen einberufen, kündigte die Glaubensgemeinschaft an. Dabei werde es auch darum gehen, ob der Täter überhaupt in die Gemeinschaft eingebunden gewesen oder aufgefallen sei. "Für uns ist es auch wichtig, ob es ein Zufall war, dass der Anschlag vor der Synagoge stattgefunden hat", sagte die Sprecherin zudem. Seit dem Abend des Anschlags sei man in ständigem Kontakt mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG).

Trauergottesdienst im Stephansdom

Der katholische Kardinal Christoph Schönborn hat dazu aufgerufen, auf den Terroranschlag vom Montag nicht mit Hass zu antworten. "Der Hass kann auf keinen Fall die Antwort sein. Hass schürt Hass", sagte Schönborn im ORF. Man müsse weiter den Weg der Solidarität, der Gemeinschaft und der Rücksichtnahme gehen. Für den heutigen Dienstag überlegt die katholische Kirche seinen Angaben zufolge einen Trauergottesdienst im Stephansdom.

Betroffenheit bei Religionsgemeinschaften

"Tiefe Betroffenheit" haben Vertreter der Evangelischen Kirche in Österreich nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt geäußert. "Wenn die Worte versagen, bleibt mir nur das stille Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen und die Helferinnen und Helfer", äußerte sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka in sozialen Medien. "Wien hält zusammen für das Leben in dieser Stadt. Terror darf den Zusammenhalt nicht spalten!"

Auch die Orthodoxe Kirche in Österreich hat den Terroranschlag in Wien verurteilt. Man sei tief betroffen, teilte Metropolit Arsenios Kardamakis am Dienstag laut "Kathpress" mit. Sein Gebet sei bei den Opfern und den Einsatzkräften. Der Metropolit dankte zudem der österreichischen Regierung und den Sicherheitsbehörden für ihr "konsequentes Einschreiten". In einer solch schwierigen Situation gelte es zusammenzustehen, denn: "Österreich ist stark." (apa)