Sein Auftreten erinnert ein bisschen an einen Prediger. Franz Ruf, 51jähriger Jurist und seit Anfang Juli Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, berichtete auch Mittwochnachmittag mit dem Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl an der Seite von Innenminister Karl Nehammer über den Stand der Ermittlungen zum Terroranschlag in Wien. Betont ruhig, besonnen und damit das Kontrastprogramm zu der stets zackig-akkuraten Sprechweise des ÖVP-Ressortschefs.

Österreichs oberster Polizist kommt aus der kleinen Landgemeinde Weißpriach im Bezirk Tamsweg tief im Salzburger Lungau. Er vermittelt als ehemaliger Gendarm, so hießen die Polizisten am Land bis zur Fusion mit der Polizei Anfang der 2000er Jahre, den Eindruck des gemütlich-menschlichen Exekutivbeamten. Kein Hardliner, kein Django. Daran, dass die Aufklärung des Attentats nach wenigen Monaten im Amt die erste große Bewährungsprobe von Ruf ist, ändert das allerdings nichts.

Für BVT-Reform nach Wien geholt

Der am 16. Dezember 1968 in Tamsweg geborene, verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder und frühere Salzburger Landespolizeidirektor ist doppelt gefordert. Denn Ruf wurde von Nehammer schon zuvor für die Reform des ramponierten Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämfung (BVT) heuer nach Wien berufen, die bis Ende des Jahres fertig sein soll. Das BVT und dessen Rolle bei der Beobachtung von potenziellen Staatsgefährdern und Dschihadisten rücken jetzt auch bei den Ermittlungen in den Mittelpunkt. Ruf wird ein menschlicher Umgang mit den rund 30.000 Beamte zählenden Exekutivbeamten attestiert, jetzt könnte bei den Verfassungsschützern auch eine härtere Hand notwendig sein

Die Besetzungskommission hat Ruf als höchst geeigneten für die Funktion eingestuft. Karriere bei der Polizei hat er unter ÖVP-Ministern gemacht. Schon unter Ernst Strasser schnupperte er Anfang der 2000er-Jahre im Kabinett im Innenministerium in die Arbeit in Wien hinein. Ex-Innenminister Günther Platter brachte ihn für die Führungsposition in der Salzburger Polizei in Stellung, was zunächst noch am Widerstand von Ex-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) scheiterte. Ab 2012 war er Salzburger Sicherheitsdirektor, bevor ihn ÖVP-Minister Nehammer für größere Aufgaben nach Wien holte.

Vier Jahre im Menschenrechtsbeirat

Weder der Doktortitel als Jurist noch der Beruf als Polizist waren Ruf in die Wiege gelegt. Nach einer Tischlerlehre war er Zeitsoldat beim Bundesheer, bevor er mit der Gendarmie-Ausbildung begann. Seinen ersten Posten nahm er in Hallein ein, bevor er mit dem Jusstudium begann. Weniger bekannt ist, dass er auch im Menschenrechtsbeirat des Innenministeriums vier Jahre lang tätig war. Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger hofft, dass Ruf auch die "Baustellen" in der Exekutive erkannt hat und setzt auf die "ausgleichende Art" des obersten Polizisten.

Polizeiarbeit nicht nur Strafrecht

Sein Amtsverständnis hat Ruf nicht zuletzt in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" skizziert: Bei der Polizei dürfe es "nicht nur um das Strafrecht" gehen, betonte er. So sehr sein menschlicher Umgang geschätzt wird, so fragen sich manche im Sicherheitsapparat, ob Ruf auch die notwendige Härte beim Durchgreifen mitbringen wird. Aus Salzburg wird berichtet, dass ihm dort interne Reibereien als Landespolizeidirektor zu schaffen gemacht haben.

Für Musik wird der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit in den kommenden Tagen und Wochen wenig Zeit haben. Seit Jahren spielt er selbst Trompete. Zumindest da hat er schon den einen oder anderen Marsch geblasen. Ausgleich von der aufreibenden, zum Teil auch menschlch ernüchternden Polizeiarbeit bietet dem obersten Polizisten das Skilanglaufen. Auch dafür wird nicht zuletzt wegen der geplanten Umsetzung der Neuordnung des Bundesamts für Terrorismusbekämpfung auch weniger Zeit bleiben für den Salzburger Ex-Gendarm.