Der Wiener Stadtsenat hat am Mittwoch in einer Sondersitzung im Rathaus der Terror-Opfer von Montagabend gedacht. An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Bürgermeister Michael Ludwig alle amtsführenden und nicht amtsführenden Stadträte, die Klubobleute, die Präsidenten des Landtags, die Vorsitzenden des Gemeinderats und der Magistratsdirektor teil.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betonte, dass sein Mitgefühl den Angehören der getöteten Menschen sowie den Verletzten gelte. "Wir werden deutlich machen, dass wir uns von diesem Terrorakt nicht in die Knie zwingen lassen", betonte Ludwig. Viele Menschen in der Stadt seien davon überzeugt gewesen, dass schreckliche Terrorakte, wie etwa vor kurzem in Frankreich, in Wien nicht stattfinden können. "Diese Hoffnung ist seit diesem Abend zerstört", sagte Ludwig. Der Anschlag am Montag sei auch ein Anschlag auf das demokratische und humanistische Zusammenleben gewesen. "Worte vermögen nicht auszudrücken, wie schwer der Verlust jener vier Frauen und Männer ist, die ihr Leben verloren haben durch diesen Terrorakt." Aber den Feinden der humanistischen Werte werde man "keinen Millimeter" einräumen, versprach den Bürgermeister. Und er bedankte sich im Namen aller politischen Verantwortlichen bei den Einsatzkräften. Die Polizei sei sehr schnell eingeschritten und habe den Terroristen innerhalb weniger Minuten aus dem Verkehr gezogen. Die Rettung und andere Organisationen hätten die Polizei in jener Nacht unterstützt. Und die Mitarbeiter der Wiener Linien seien weitergefahren, um jene Menschen, die sich noch in der Innenstadt aufgehalten haben, sicher nach Hause zu bringen - ohne zu wissen, ob ihre eigene Sicherheit gewährleistet war.

Ludwig hob auch die Solidarität hervor, die sowohl aus den Bundesländern als auch international bekundet worden sei. Viele Städte, mit denen man eng verbunden sei, hätten sich sofort gemeldet und auch Hilfe angeboten. Der Bürgermeister nannte hier etwa Bratislava, Budapest, Prag, Warschau, Krakau, Lubljana, Belgrad, Sofia, Laibach, Krakau, Warschau, Barcelona, Madrid, Athen, London, Paris, Berlin, Ankara oder Tel Aviv. Auch die UNO und die Europäische Union sowie die OPEC hätten sich geäußert.

Der Stadtchef erinnerte daran, dass die OPEC 1975 ebenfalls Ziel eines Anschlags in Wien geworden sei. Auch auf die Ermordung des Stadtrats Heinz Nittel 1981, den Anschlag auf die Synagoge und den Terrorakt am Flughafen 1985 ging Ludwig ein. Bei letzterem sei eine Lehrerin von ihm vor dem Schalter der Fluglinie El Al erschossen worden, berichtete Ludwig. Sie hatte den Sieg über eine Krebserkrankung mit der Reise ins heilige Land feiern wollen. Auch an die Briefbombenattentate 1993 erinnerte er - wobei Ludwig seine Rede unter dem Porträt des prominentesten Opfers, Helmut Zilk, hielt. Das Porträt des damaligen Bürgermeisters hängt im Stadtsenatssitzungssaal. Die Künstlerin Maria Lassnig habe Zilk dort mit gesunder Hand verewigt, die auf dem Gemälde noch dazu sehr groß erscheine. Die starke Hand sollte ein Symbol dafür sein, dass Terrorakte die Stadt Wien nicht in die Knie zwingen werden, erläuterte Ludwig: "Das hat für damals gegolten, und das gilt auch für heute."

"Jetzt Gemeinsames vor Trennendes rücken"

Terror wolle destabilisieren. Aber die Solidarität der Bevölkerung und der Politik über die Parteigrenzen hinweg zeige, dass dies nicht gelingen werde, betonte Ludwig. Wichtig sei nun, das Gemeinsame vor das Trennende zu rücken und zu betonen, dass das Miteinander in Wien ganz besonders im Vordergrund stehe - "und dass wir besonders viel Wert legen auf Demokratie, die Gleichheit der Menschen und auf vieles, das wir uns in den vergangenen Jahrzehnten hart erkämpft haben. Wir sind eine friedliebende Metropole, die zeigen wird, dass es möglich ist, gegen terroristische Gruppen aufzutreten", so Ludwig.

Zum Schluss der Sondersitzung folgte eine Schweigeminute, nach der Bundes- und Europahymne abgespielt wurden. Anschließend trugen sich alle Teilnehmer in ein Kondolenzbuch ein.(rös)