"Die Lage ist ernst, sogar sehr ernst": Damit begründen Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) und Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ), dass in Oberösterreich am dem morgigen Dienstag ein Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen verhängt wird. Nach einem Höchststand von zuletzt mehr als 2000 Corona-Neuinfektionen im Bundesland verschärft die Landespolitik mit dem vorerst auf zwei Wochen begrenzten Besuchsverbot in Altenheimen die seit 3. November geltenden Corona-Schutzmaßnahmen der türkis-grünen Bundesregierung. Diese werden Ende der Woche bewertet, ob sie zur Eindämmung der Corona-Ausbrüche reichen oder ob eine weitere bundesweite Verschärfung kommen muss, wie das Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne), der aus Oberösterreich stammt, bereits offen angedroht hat.

Schon am Sonntag haben sich die Gesundheitsreferenten aller Bundesländer in einem dringenden Appell an die Bevölkerung gewandt, die geltenden Corona-Regeln wie die Ausgangsbeschränkungen von 20 Uhr bis 6 Uhr einzuhalten. Österreichweit ist am Samstag mit mehr als 8000 Corona-Neuinfektionen ein neuer Höchstwert erreicht worden. Es dauert im Regelfall rund zwei Wochen, bis neue Corona-Beschränkungen wie sie von ÖVP und Grünen österreichweit zunächst vom 3. November bis 30. November verhängt wurden, eine gewisse Wirkung zeigen.

Das Land Oberösterreich möchte mit dem Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen ab Dienstag die Bewohner der Heime ebenso schützen wie die Beschäftigten. Zuletzt waren in Oberösterreich bei Mitarbeitern wie Heimbewohnern jeweils rund 350 Corona-Infektionen gezählt worden. Gleichzeitig sind nach den am Samstag veröffentlichten Zahlen vor allem hochbetagte Menschen über 75 Jahren an dem Corona-Virus gestorben – alle in Oberösterreich in Verbindung mit Vorerkrankungen. Ausgenommen vom Besuchsverbot in den Heimen sind Besuche in Palliativstationen sowie Seelsorgebesuche. Heimbewohner dürfen selbst jedoch weiterhin die Heime verlassen und nach draußen gehen.

Werben um Verständnis für Verschärfungen

Das Besuchsverbot gilt auch in Oberösterreichs Krankenhäusern ab Dienstag vorläufig für 14 Tage. Ausgenommen davon sind neben Palliativstationen Besuche bei Kindern und die Begleitung von Geburten, wie die beiden Landesrätinnen klarstellen. Man wolle mit diesen Maßnahmen besonders gefährdete Menschen schützen, betonen Haberlander und Gerstorfer. Man bitte um Verständnis, auch wenn man wisse, dass die Beschränkungen "hart" seien.

Gleichzeitig gibt es Irritationen in Oberösterreich um Aussagen der Ärztekammer im Bundesland. Diese fordert einen faktenbasierten und sachlichen Diskurs, es bestehe auf gar keinen Fall ein Grund zur Panik. Es gebe keine zweite Corona-Welle, sondern einen "technischen Labor-Tsunami". Vor allem dürfen angesichts von Viren im Herbst nicht auf andere Krankheiten vergessen werden. "Das soll keine Bagatellisierung sind, wir wollen aber die Angst herausnehmen und aus der Schockstarre holen", meinte Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser.