Für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) dürfen Schulschließungen nur die "ultima ratio" sein, betonte er auch am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz. Als einzelner Fachminister könne er aber keine Garantien abgeben, dass nach den Oberstufen nicht weitere Schulen zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen werden. Dies sei "nicht eine Angelegenheit des Bildungsministers, sondern eine Sache des Gesundheitsministers in Zusammenarbeit mit der Regierungsspitze", betonte er.

Die Entscheidung werde sich orientieren an den Neuinfektionen, den Kapazitätsgrenzen in den Krankenhäusern vor allem im intensivmedizinischen Bereich und daran, ob der seit einer Woche wirksame Lockdown schon eine Veränderung der Dynamik bei den Infektionszahlen bewirkt habe. Die aktuelle Entwicklung sei jedenfalls besorgniserregend und man sehe auch, dass manche Verhaltensmaßnahmen nicht so eingehalten werden wie im Frühjahr. Ende der Woche müsse man wissen, wie es weitergeht - auch um entsprechende Planungsschritte setzen zu können.

Faßmann schloss nicht aus, dass am Freitag die Schließung weiterer Schulen bereits ab Montag beschlossen werden könnte. "Das ist nicht meine Entscheidung alleine. Aber ich würde dafür plädieren, dass wir eine gewisse Vorbereitungszeit brauchen, sowohl im Sinne der Eltern als auch im Sinne des Bildungssystems." Sollte es zu weiteren Schulschließungen kommen, müssten diese jedenfalls eingebettet sein in weitere Maßnahmen. Es mache keinen Sinn, nur die Schulen zu schließen, "weil dann haben wir das Treffen irgendwann, irgendwo, ohne weitere Kontrolle".

Aus Faßmanns Sicht müsse jedenfalls diskutiert werden, ob man die Schulen etwa nur für die Zehn- bis 14-Jährigen schließe und die Volksschulen offen lasse oder ob auch alle gelinderen Mittel wie ein Ausdünnen der Klassen, gestaffelter Schulbeginn oder verstärkter Mund-Nasen-Schutz als Maßnahme ausreichen könnten. "Das ist alles Teil eines derzeitigen Diskussionsprozesses."

Ob eine mögliche Schließung eher zwei Wochen oder zwei Monate dauern würde, könne man im Voraus schwer beantworten, da die Wirksamkeit nur anhand von Indikatoren wie den Infektionszahlen beobachtet werden könne. Auch ob die Oberstufenschüler vor Weihnachten noch einmal in ihre Klassen zurückkehren, ist deshalb für Faßmann nur schwer abzuschätzen. Er selbst plädiert allerdings für die "Rückkehr zu einer gewissen Form der Präsenzlehre", eventuell auch als Mischung aus Präsenzunterricht und Distance Learning.

Wenn die Schüler zu lange weg seien, könne man auch schlechter Lernprozesse "kontrollierend begleiten". Außerdem habe man im Sommersemester gesehen, dass vor allem Schüler aus bildungsfernen Familien eher verloren gingen. Man müsse darauf achten, dass die Bildungsschere nicht aufgehe. (apa)