Das erste groß angelegte Screening in Schulen unter rund 10.000 Teilnehmern führte zu 40 positiven Testergebnissen. Das entspricht einer Prävalenz von 0,39 Prozent im Zeitraum von 28 September bis 22. Oktober. Zu beachten ist dabei, dass die Corona-Inzidenz damals deutlich geringer war, als sie heute ist. Ob sich Kinder seltener, gleich oft oder öfter infizieren, kann aus der Studie nicht geschlossen werden, sie bietet aber einen ersten Ansatzpunkt für eine Beantwortung dieser wichtigen Frage.

Das Monitoring wurde vom Bildungsministerium bei den Universitäten Wien und Linz, sowie den MedUnis Graz und Innsbruck in Auftrag gegeben. Getestet wurde an 243 Schulen in ganz Österreich, dabei wurden Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe 1 sowie Lehrkräfte zufällig ausgewählt, die Teilnahme war freiwillig. Wichtig ist, dass nur gesunde Personen getestet wurden. Es handelt sich um eine Dunkelziffer-Untersuchung. Daher ist ein Vergleich mit der Gesamtinzidenz in Österreich im selben Zeitraum, die deutlich darunter lag, nicht seriös.

"Das ist ein Apfel-Birnen-Vergleich", sagt der Mikrobiologe und Studienleiter Michael Wagner von der Uni Wien. Mehr Aussagekraft dürfte die zweite Monitoringrunde liefern, die jetzt gerade an den Schulen läuft, da diese Woche auch eine Dunkelziffer-Untersuchung der Statistik Austria begonnen hat.

Die Wissenschafter fanden in der ersten Runde keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz zwischen den Altersgruppen, aber auch nicht zwischen Schülern und Lehrerinnen. Obwohl mehr als 10.000 Gurgel-Proben genommen wurden, war die Gesamtfallzahl mit 40 positiven Testergebnissen recht gering.

Superspreadings in Klassen wurden nicht untersucht

Die in der Studie ausgewiesene Prävalenz des Lehrpersonals von 0,57 Prozent liegt zwar über jenen der Kinder (0,37), allerdings noch innerhalb der Schwankungsbreite, die gerade bei den Lehrern aufgrund der viel geringeren Zahl an Teilnehmern recht groß ist. Auch hier könnte laut Wagner die zweite Runde zu einer besseren Aussagekraft gelangen, ob es doch nennenswerte Unterschiede zwischen Schülern und Lehrern gibt. Dass es beim zweiten Monitoring höhere Fallzahlen geben wird, ist anzunehmen, da sich erst in den Wochen nach Ende der ersten Runde das expotenzielle Wachstum voll in den Infektionszahlen niedergeschlagen hat.

Wo sich relevante Unterschiede gefunden haben, ist zwischen Schulen mit einem Index hoher sozioökonomischer Benachteiligung und Schulen mit einem Index geringer bzw. moderater Benachteiligung. Die mittlere Prävalenz lag im ersten Fall bei 0,81 Prozent gegenüber 0,23 Prozent bei sozio-ökonomisch bessergestellten Kindern. Die Konfidenzintervalle überlappten dabei nicht. Das Risiko, zu erkranken, ist für sozioökonomisch schlechter gestellte Schüler 3,6 Mal höher.

Ein Aspekt, der nicht untersucht wurde, war die Häufigkeit von Superspreadings. Ohne Präventionskonzepte stellen Klassenräume eine geradezu ideale Umgebung für Massenansteckungen dar, da diese in Innenräumen passieren, wo sich viele Menschen auf engem Raum länger aufhalten und miteinander sprechen.

Auch bei internationalen Studien über die Prävalenz unter Schülern findet sich dieser Aspekt nicht. Wagner hält es für denkbar, dass sich Kinder grundsätzlich nicht so häufig anstecken, dass aber der Klassenraum Infektionen befördert. "Das ist ein Ansteckungssetting", sagt er. Und in der Klasse sitzen nicht nur Kinder. Es gibt bereits nennenswerte Ausfälle aufgrund des Coronavirus von Lehrpersonen.