Die dramatische Situation in den Spitälern wegen der Corona-Pandemie hat Österreich in einen zweiten harten "Lockdown" geführt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verkündete Samstagnachmittag, dass ab Dienstag Handel und persönliche Dienstleister wie Friseure bis inklusive 6. Dezember schließen müssen. Die Schulen stellen komplett auf Fernunterricht um. Die Opposition gab der Regierung die Schuld an der Situation. Die ist tatsächlich dramatisch. Denn gemessen an der Einwohnerzahl hat Österreich derzeit die höchste Rate an bekannten Covid-Neuinfektionen weltweit, wie eine Auswertung am Samstag ergab.

Auch wenn am Samstag die Infektionszahlen mit gut 7.000 gegenüber den vergangenen Tagen ein wenig zurückgingen, blieb die Lage kritisch. Die Zahl der Intensivpatienten stieg, dabei gab es 85 Todesfälle während der vergangenen Stunden. Gelinge keine Trendumkehr, gebe es "in den nächsten Tagen die Situation einer Triage", erklärte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin Klaus Markstaller in einer Pressekonferenz. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) berichtete, dass schon jetzt erste Engpässe entstanden seien: "Das österreichische Gesundheitssystem ist ein sehr starkes, aber es kommt jetzt an seine Grenzen.

Allzu große Auswirkungen dürfte der weiche "Lockdown" mit Schließung von Gastronomie und Hotellerie nicht gehabt haben. Denn fast 14 Tage nach Beginn rechnet Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich, damit, dass die Zahl der Infizierten auch kommende Woche steigen wird. Kurz nannte das als Grund, warum man nun nachschärfen müsse.

Dass auch die Schulen gegen alle Widerstände - selbst innerhalb der eigenen Regierung - de facto geschlossen werden, begründete der Kanzler damit, dass man mittlerweile gar nicht mehr wisse, wo sich Menschen anstecken. In 77 Prozent der Fälle sei die Infektionsquelle nicht mehr identifizierbar.

Schulen sollen als erste öffnen

Immerhin versicherte der Kanzler, dass Handel und Schulen als erste wieder öffnen würden. Sein Ziel ist, das Weihnachtsfest und die Zeit davor noch zu retten. Dafür sollten die Menschen möglichst nur noch eine Person außerhalb ihres Haushalts treffen. An sich gelten die Ausgangsbeschränkungen, die derzeit nur in der Nacht wirksam sind, ab Dienstag 0 Uhr rund um die Uhr, was am Sonntag noch der Hauptausschuss des Nationalrats beschließen muss. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) versprach, dass die Exekutive bei Zuwiderhandeln vor Strafen zunächst in einen Dialog treten werde.

Ausnahmen sind definiert, etwa der Weg zur Arbeit, Spaziergänge oder Sport ohne Körperkontakt. Letzteres empfahl Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) explizit: "Bleiben sie in Bewegung." Spazieren oder Laufen helfe, die Spannung abzubauen.

Entsprechende Spannung wird es wohl auch in so manchem Haushalt geben, wenn die Schulen auf Fernlernen umstellen, wobei allerdings im Regelfall kein neuer Lernstoff vermittelt werden soll. Immerhin versicherte Kanzler Kurz, dass die Bildungsanstalten quasi einen Notbetrieb vor Ort anbieten werden. So bleiben auch die Kindergärten offen. Verpflichtend ist der Besuch jedoch auch im letzten Kindergartenjahr nicht mehr.

Kirche verzichtet auf Gottesdienste

Auch die katholische Kirche setzt während des neuen "Lockdowns" die öffentlichen Gottesdienste befristet aus. Das kündigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, in der "Kathpress" an. Die näheren Details sollen nach Gesprächen mit den anderen Kirchen und Religionsgesellschaften festgelegt werden, die am Montag stattfinden sollen. Diesen Sonntag werden Messen noch zelebriert.

Für das persönliche Gebet werden die Kirchen auch im "Lockdown" weiter offen bleiben. Gottesdienste können hingegen wie im Frühjahr nur in verschlossenen Räumen und im kleinsten Kreis stellvertretend für die Gemeinde gefeiert werden. Damit sei gesichert, dass die Eucharistiefeier stattfinde und man über die Medien mitfeiern könne. Darüber hinaus sei auch im "Lockdown" die seelsorgliche Begleitung von Kranken und Sterbenden weiterhin möglich, wie auch aus der Verordnung der Bundesregierung hervorgeht. (apa)