Der mit Dienstag bis 6. Dezember beginnende zweite Lockdown zur Eindämmung der Corona-Epidemie versetzte am Montag Bildungsverantwortliche, Direktoren an Pflichtschulen, Eltern und Kinder in Stress. Zwar haben die bereits installierten Corona-Krisenteams im Bildungsministerium und an den Schulen bereits Vorbereitungen getroffen. Die Eltern mussten aber am Montag den Schulleitungen mitteilen, welche Kinder an Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen trotz der Umstellung auf Heimunterricht mangels Betreuungsmöglichkeiten zu Hause weiter in die Schulgebäude kommen werden.

Das war je nach Schulstandort unterschiedlich, im Regelfall waren die Anmeldungen in Volksschulen vor allem in Wien am häufigsten. In der Wiener Bildungsdirektion wurde nach einer vorläufigen Schätzung mit deutlich mehr Kindern in der Schule als während des ersten Corona-Lockdowns im Frühling gerechnet. 20 bis 30 Prozent der rund 242.000 Wiener Schüler würden anwesend sein, wurde vorsichtig prognostiziert.

Allerdings gab es nicht zuletzt auch wegen Sprachproblemen bei den vielen Eltern mit Migrationshintergrund, wo Mütter und Väter nicht gut Deutsch können, und weil Eltern berufstätig sind, Schwierigkeiten mit einer rechtzeitigen Rückmeldung an die Schulleitungen noch am Montag. Deswegen wurde in Wien damit gerechnet, dass Erziehungsberechtigte auch erst am Dienstag die Direktoren informieren werden, ob ihre Kinder digital im Heimunterricht lernen wollen oder zur Betreuung in die Schulen kommen. In den einzelnen Bundesländern gab es je nach Standort und Schultyp stark differierende Zahlen, wie viele Schüler in die Schulen kommen. Im Regelfall wurde mit weniger anwesenden Schülern in Gymnasien gerechnet, mit deutlich mehr in Volksschulen, teilweise auch in Mittelschulen.

Kleingruppen in "vertretbarer" Größe

Im Unterschied zum Frühjahr, als nur wenige Kinder von wenigen Lehrern als Aufsichtspersonen betreut werden mussten, hatte jetzt Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ausdrücklich die Möglichkeit eröffnet, dass in Kleingruppen in Schulen unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen trotz des Lockdowns unterrichtet werden kann. In der Vorwoche war vonseiten des Bildungsministeriums noch von Kleingruppen bis zu neun Schülern die Rede gewesen. Am Montag war in Schulen von der Anweisung zu hören, die Lerngruppen, in denen nicht nur Betreuung erfolgt, sollten eine "vertretbare" Größe aufweisen. Den Schulen blieb damit auch diese Entscheidung.

Hofrat Edwin Scheiber, Direktor am Gymnasium am Wiedner Gürtel, wollte allerdings sicherstellen, dass nicht so viele Schüler in die Klassen kommen, dass der Zweck des Lockdowns – die Reduktion sozialer Kontakte – völlig in Frage gestellt wird. "Das wäre ja kontraproduktiv", erklärte er der "Wiener Zeitung". Kritik übte er einmal mehr daran, dass die Informationen zuerst an die Medien und dann erst an die Betroffenen in den Schulen ergangen seien.

Damit das IT-System für den Heimunterricht über digitale Geräte für die Schüler klappt, hat seine Schule mit einem abgekoppelten System mit eigenem Server vorgebaut. Damit Lehrer in der Schule Betreuung übernehmen und zu anderen Zeiten Distanz-Unterricht machen können, werden in der Direktion des Gymnasiums Laptops für die Pädagogen ausgegeben.

Kopfzerbrechen um Überstunden

Die Frage etwaiger Überstunden sorgte in den Schulen für Kopfzerbrechen. Faßmann hat eine Abgeltung der Überstunden ausdrücklich am Sonntagabend in der "ZiB2" zugesagt, ebenso etwaige notwendige Unterstützung durch 1800 Lehramtsstudenten. Genaue Anweisungen zu Überstunden und zur Kombination von Betreuung und Heimunterricht wurden jedoch in Schulen am Montag vermisst. Lehrer wandten sich diesbezüglich auch an Personalvertreter und Gewerkschafter.

Thomas Bulant, oberster roter Lehrergewerkschafter, machte nicht nur deswegen seinem Unmut Luft: "Das Ganze ist Lug und Trug. Man lässt die Schulen schon wieder im Stich." Letztlich müsse jeder Schulstandort allein damit fertig werden, weil etwa nicht genau vorgegeben sei, was man unter "vertretbare Größe" für den Unterricht in einer Kleingruppe einer Schule verstehe: "Man lässt die Verantwortung bei den Schulleitern picken." Nach seinen Informationen gebe es Schulen, in denen während des Lockdowns mehr als 50 Prozent der Schüler anwesend sein würden. Schulleiter berichteten von Anrufen von Eltern, dass ihre Kinder so gern in die Schule gehen möchten.

Ministerin rät zu Vereinbarung mit Arbeitgeber

Mit ein Grund für die stärkere Anwesenheit könnte der Umstand sein, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" betont hat, es gebe während des Lockdowns keinen Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit für berufstätige Eltern, wenn eine Schule auch nur zur Betreuung offen sei. Der von der türkis-grünen Koalition rückwirkend mit 1. November geltende Rechtsanspruch auf bis zu vier Wochen Betreuungszeit ist damit auf Fälle geschrumpft, in denen tatsächlich keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit für Kinder besteht, was wiederum für Verärgerung beim Gewerkschaftsbund sorgte.

Die Regelung wird diese Woche im Nationalrat beschlossen. Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher (ÖVP) hat im Ö1-Mittagsjournal hingewiesen, bei Einvernehmen mit dem Arbeitgeber könne auch mit Beschäftigten eine Sonderbetreuungszeit vereinbart werden. Der Staat trägt dann bis zu 100 Prozent der Kosten des Dienstgebers.