Schon in der ersten Welle der Pandemie wurde eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Je mehr Infektionen auftreten, desto schwieriger ist es, Pflegeheime vor einem Eintrag mit dem Virus zu schützen. Und wenn dies passiert, nimmt auch die Zahl der Covid-Toten massiv zu. In Spanien waren 66 Prozent aller an dieser Erkrankung Gestorbenen in einem Pflegeheim gemeldet.

In Österreich, wo es gelungen ist, die Gesamtzahl der Infizierten vergleichsweise gering zu halten, gab auch es auch relativ gesehen weniger Todesfälle in Pflegeeinrichtungen. Etwa ein Drittel der offiziellen Covid-Toten im Frühling wohnte in einem Pflegeheim. Die Entwicklung seit Oktober, als die zweite Welle Fahrt aufnahm, deutet nun daraufhin, dass sich dieser Wert nach oben verändern wird. Bis zum 12. November ist der Anteil auf 38 Prozent angewachsen, von den bis zur Vorwoche insgesamt 607 Covid-Sterbefällen in Pflegeheimen starben 323 seit Oktober. Das geht aus einer parlamentarischen Beantwortung des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Neos im Budgetausschuss hervor.

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"Es ist offensichtlich, dass mehr für Schutzmaßnahmen in den Pflegeheimen getan werden muss", sagt Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker. Die Einrichtungen sind heute besser ausgerüstet als im März, es gibt Schutzbekleidung, deren Anwendung über den Sommer auch geschult wurde. Und das ist wichtig, da bei falscher Handhabung das Risiko von Infektionen besteht.

Eines der Grundprobleme in der Pflege konnte aber nicht behoben werden. Die personellen Ressourcen sind zu knapp und durch Erkrankungen und Quarantäne werden sie noch knapper, wie Markus Mattersberger, Vorstand des Pflege-Dachverbandes "Lebensweltheim" erklärt. Er berichtet auch, dass es immer mehr Mitarbeiter gibt, "die es körperlich nicht mehr schaffen" würden. Pflege in Zeiten von Covid ist noch aufwendiger und anstrengender, als sie ohnehin ist.

"Man muss die Heime mehr unterstützen", sagt Gesundheitswissenschafter Martin Sprenger, der sich intensiv mit dem Pflegebereich beschäftigt. Dem Coronavirus bescheinigt er "nosokomialen Charakter" (Krankenhausinfektion). Umso bedeutender sind die Hygienekonzepte dort.

Präventionskonzepte und
eigene Testambulanz

Die Geriatrischen Gesundheitszentren Graz (GGZ) haben ihre bereits im März angepasst, dazu ein Handbuch für die Mitarbeiterinnen verfasst, eine Testambulanz eingerichtet und Kooperationen mit Labors geschlossen, um möglichst schnell Testergebnisse zu erhalten. Präventionskonzepte für Besuche und Veranstaltungen wurden verfasst, etwa ein "Balkonturnen" organisiert, um direkte Kontakte zu reduzieren. "Man muss kreativ sein", sagt Martina Pojer, Bereichsleiterin der Pflegewohnheime der GGZ, die gleich zweimal von der Plattform Patientensicherheit für ihre Hygienekonzepte ausgezeichnet wurden, wie GGZ-Leiter Gerd Hartinger sagt. Relevante Ausbrüche sind in den insgesamt vier Heimen und zwei Kliniken erspart geblieben.

Doch es gibt auch viele kleine Einrichtungen, verteilt im Land, in peripheren Gemeinden, die einen solchen Aufwand nicht stemmen können. Deshalb auch die Forderung Sprengers nach mehr Unterstützung. Der Gesundheitswissenschafter hofft aber auch auf den Einsatz der Antigentests. Insgesamt sind drei Millionen solcher Schnelltests für Alten- und Pflegeheime vorgesehen, die erste Tranche wurde bereits geliefert.

In der Covid-19-Notverordnung des Ministeriums wurde auch festgelegt, dass die Beschäftigten in den Heimen jede Woche einmal getestet werden müssen. Bisher wurden die Mitarbeiterinnen zwar in Screenings auch abseits von Verdachtsfällen getestet, allerdings bei weitem nicht im Wochenrhythmus. Die Antigentests haben jedoch auch Limitierungen. Das Zeitfenster, in dem diese Schnelltests eine Infektion anzeigen, ist deutlich kürzer, da sie nur hohe Virusmengen erkennen. Verlässliche Sicherheit bieten auch sie nicht. "Der beste Schutz, ist ein niedriges Infektionsgeschehen", sagt Sprenger. Dafür soll der Lockdown sorgen - wie auch im Frühjahr.