Eine ambivalente Bilanz zieht Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) am Beginn der zweiten Woche des Lockdowns zur Eindämmung des Coronavirus. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen seien nach wie vor auf "dramatisch hohem Niveau", sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz. Gleichzeitig sei aber festzustellen, "dass die Maßnahmen zu greifen beginnen". 3145 Corona-Neuinfektionen wurden aktuell registriert. Gleichzetig sind 6267 Menschen genesen.

Die Corona-Zahlen seien vor allem auch niedriger, weil am Sonntag weniger Tests durchgeführt werden. Die Zahl der Toten sei um 71 auf 2459 Todesfälle gestiegen. Die größte Sorge neben der hohen Zahl von 685 Intensivpatienten bei insgesamt insgesamt 4548 Corona-Patienten in den Spitälern bereiten dem Gesundheitsminister die Situation in den Alten- und Pflegeheimen. Dort seien bisher 944 Todesfälle zu beklagen, innerhalb von 24 Stunden seien elf Todesfälle mehr in Alten- und Pflegeheimen zu verzeichnen gewesen. Gleichzeitig gebe es 1914 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Heimen mit einer Corona-Infektion. Positiv sei, dass es bei Mitarbeitern keinen Todesfall gegeben habe.

Appell zum Durchhalten der Maßnahmen

Insgesamt stellt der Gesundheitsminister nach dem seit Dienstag dauernden zweiten Lockdown eine Stabilisierung der Corona-Zahlen auf sehr, sehr hohem Niveau fest. Die nächsten zwei Wochen bis zum Ende des Lockdowns am Sonntag, 6. Dezember, seien entscheidend. "Wir müssen bis zum Ende des Lockdowns noch einen weiten Weg hinuntergehen", appellierte er an die Bevölkerung. Ziel sei es, dass bis zum Ende dieser Woche die hohen Zahlen durch die Lockdown-Maßnahmen gesenkt werden.

Der Gesundheitsminister geht von einem Ende des Lockdowns am 6. Dezember aus. Vizekanzler Grünen-Chef Werner Kogler hatte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" noch erklärt: "Fix ist nix." Anschober sagte, Hauptziel sei während des Lockdowns, den Reproduktionsfaktor auf deutlich unter 0,9 zu drücken. Das bedeutet, ein Corona-Infizierter würde im Schnitt weniger als eine weitere Person anstecken.

Notwendig sei außerdem ein Corona-Schutzkonzept für die Zeit nach dem Ende des Lockdowns. Dafür laufen die Vorbereitungen. Als Schwerpunkte für dieses neue Schutzkonzept nannte er konkret spezielle Schutzmaßnahmen für alle Menschen über 65 Jahren, nicht nur jene in Alten- und Pflegeheimen. Dazu gehöre auch der verstärkte Einsatz der Stopp-Corona-App. Weiters müsse es mehr Personal für die Kontaktnachverfolgung geben und vor allem auch digitale Möglichkeiten dabei mehr genützt werden. Schließlich zählten auch die Massentests, die am 5./6. Dezember mit den Lehrern beginnen, zu diesem Schutzkonzept nach dem Lockdown. (ett)