Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen auf verstärkte Beratung und Aufklärung. Man werde die Beratungsstellen ausbauen, sagte Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) am Dienstag nach einem zweitägigen "Gewaltschutzgipfel" der Regierung. Auch startet noch diese Woche eine Informationskampagne, Frauen sollen wissen, dass es Schutz-Angebote gibt. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verwies auf die geplanten verpflichtenden Beratungskurse für Gefährder.

Ziel des Gewaltschutzgipfels sei es gewesen, Lücken bei den Angeboten zu finden und Verbesserungen zu schaffen. Man habe nach dem Austausch mit rund 400 Teilnehmern mehrere Maßnahmen beschlossen, die in erster Linie auf Beratung abzielen. Dazu sollen die bereits existierenden Beratungsstellen für Betroffene von sexualisierter Gewalt budgetär aufgestockt werden, in jedem Bundesland soll es derartige Beratungsstelle geben. Konkrete Budgetzahlen zu den einzelnen Maßnahmen lagen vorerst noch nicht vor.

Aufklärung im Fokus

Einen starken Fokus will die Regierung auf das Thema Aufklärung richten. Dazu startet noch diese Woche eine Informationskampagne in Printmedien - mit Slogans wie "Stopp der Gewalt", "Du bist nicht alleine", "Es ist nicht deine Schuld" oder "Es gibt immer einen Ausweg". Es müsse jede Frau in Österreich wissen, dass es einen Zufluchtsort (etwa die 15 Frauenhäuser in Österreich) gibt, betonte Raab. Außerdem liegen bereits seit vergangener Woche rund 400.000 Flyer in Apotheken, Arztpraxen und in Supermärkten auf, die auf die Angebote hinweisen sollen.

Innenminister Nehammer verwies auf die ab 1. Juli 2021 startende verpflichtende Beratung für Gefährder. Bisher habe man sich um die Täter nicht weiter gekümmert, so der Ressortchef. Da es aber immer wieder zu Wiederholungstaten komme, sei das Begleiten des Täters ein wichtiger Schritt. "Dieser begleitende Prozess wird jetzt verpflichtend eingeführt, wenn es zu Betretungs- und Annäherungsverboten gekommen ist." Bei Nicht-Einhaltung dieser Maßnahme drohen den Betroffenen Strafen, so der Innenminister. Der Kostenpunkt für diese Beratungen betrage für vier Jahre rund 10,6 Millionen Euro.