Während die Schulen im Corona-Lockdown noch bis zum 7. Dezember auf Heimunterricht für die Schüler umgestiegen sind, hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nun die Regeln für die Zentralmatura im heurigen Schuljahr festgelegt. Damit die Schüler in den Maturaklassen mehr Zeit für die Vorbereitungen haben, werden die schriftlichen Arbeiten zur Reifeprüfung vom 3. Mai 2021 auf 20. Mai 2021 nach hinten verschoben. Das gab Faßmann am Freitag bekannt.

Bei der mündlichen Matura darf eine Einschränkung der Themenbereiche erfolgen - allerdings maximal um ein Drittel. Die Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) findet nicht verpflichtend statt, sondern freiwillig.

Mathematik-Matura am 21. Mai 2021

Die schriftlichen Reifeprüfungen beginnen mit Deutsch am 20. Mai, danach folgt Mathematik am 21. Mai und unter anderem Englisch am 26 Mai. Die schriftliche Matura endet am 31. Mai. Die Dauer der schriftlichen Reifeprüfungen wird um 60 Minuten verlängert. Die mündliche Matura beginnt am 7. Juni.

Bei der Gesamtnote wird wie schon bei der Matura im vergangenen Schuljahr die Jahresnote in dem Fach berücksichtigt. Bei der schriftlichen Matura muss aber ein "Schwellenwert" von 30 Prozent erreicht werden. Damit will Faßmann verhindern, dass jemand bei der schriftlichen Matura bewusst ein "Nicht genügend" in Kauf nimmt, weil er aufgrund der Einbeziehung der Jahresnote die Reifeprüfung ohnehin schafft.

Faßmann begründet die Änderungen bei der Matura mit der Umstellung auf Heimunterricht für Oberstufenschüler seit Anfang November. "Die Abschlussklassen haben ein Recht zu wissen, dass wir die Bedingungen human gestalten", sagte er. "Wir haben auch schon heuer bewiesen, dass wir die Maturaregeln nicht dogmatisch durchziehen, sondern bereit sind, diese situationsbezogen anzupassen."

Die Maturanten hätten eine schwierige Zeit hinter sich. "Das letzte Sommersemester war nicht das, was man sich erwartet hat. Auch jetzt ist der Schulbeginn nach dem Oktober nicht das Optimale, weil die Präsenzlehre dem Distance Learning sicher überlegen ist", betonte Faßmann.

Anders als 2020 soll die mündliche Matura im kommenden Jahr verpflichtend stattfinden - heuer war sie nur optional. Für eine Streichung bestehe derzeit kein Grund, betonte Faßmann. Je nach Infektionslage könnte es aber auch hier noch Änderungen geben: "Wenn das Sommersemester unerfreulich wird, dann ist die mündliche Prüfung etwas, worüber wir noch sprechen können."

AHS-Direktoren gegen "Notamputation"

Zuvor hatten sich Österreichs AHS-Direktoren besorgt gezeigt, weil es Signale für ein "Aufgabenstreichkonzert" bei der kommenden Matura gebe. Man sei für ein Entgegenkommen angesichts der Begleitumstände, es dürfe aber "keine Notamputation" der Matura geben, wird in einer Stellungnahme der AHS-Schulleiter betont.

Isabella Zins, die Vorsitzende der österreichischen Dachorganisation der AHS-Direktorinnen und Direktoren, meint in der Mitteilung, die der "Wiener Zeitung" vorliegt, die Vereinigung halte das für "inakzeptabel". Zuletzt waren vor allem von Schülerplattformen Erleichterungen bei der nächstjährigen Matura gefordert worden. Das Bildungsministerium mit Ressortchef Heinz Faßmann hatte Überlegungen für Erleichterungen der Matura 2021 bestätigt.

Man habe bereits vor Wochen auf die Dringlichkeit von Signalen an Schüler und Eltern hingewiesen, stellt die AHS-Direktorenorganisation fest. Schon zu Schulbeginn hätte es Aussagen zu den Klausurprüfungen geben sollen. Nun scheine eine "Panikreaktion" geplant zu sein mit einer Matura ohne mündliche Elemente.

Für Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit

Dabei mache es die Maturanten seit Jahren zu Recht stolz, das erworbene Wissen in zwei beziehungsweise drei selbst gewählten Fächern vor einer Maturakommission zu präsentieren, meint Zins, die BORG-Direktorin im niederösterreichischen Mistelbach ist.

"Sinnvoll und entlastend sei ein eingeschränkter Stoffumfang durch die nachträgliche Möglichkeit zum Streichen einzelner Stoffgebiete, nicht jedoch der völlige Entfall", schlägt die Dachorganisation der AHS-Direktoren vor. Auch ein Entfall der Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) sei "bedauerlich".

Einer "Matura light" wird daher eine Absage erteilt. Die AHS-Direktorinnen und -Direktoren fordern von den politisch Verantwortlichen "mit Nachdruck ein vernünftiges Entgegenkommen für die heurigen Maturanten bei unbedingter Wahrung eines Mindestqualitätsstandards". Konkret solle die Entscheidung über die mündlichen Teile der Reifeprüfung "erst Anfang des zweiten Semesters getroffen werden, wenn die Infektionslage klarer abschätzbar ist".