Zwar sinkt die Zahl der Neuinfektionen weiterhin, doch die Lage sei weiterhin ernst, kommentierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Sonntag die aktuellen Corona-Daten. Es wurden 4.047 Neuerkrankte gemeldet. Falls die Zahlen in den Spitälern nicht weiter steigen, könnten wir das Überschreiten der Kapazitäten verhindern, betonte der Ressortchef. Die Politik setzt nun auf die angekündigten Massentests. Bundeskanzler Sebastian Kurz sieht darin eine "große Chance", einen dritten Lockdown verhindern zu können, wie er in einem Medienbericht betonte. In Wien werden derzeit rund 300 Testlinien errichtet. Der Start erfolgt am 4. Dezember - also zwei Tage später als ursprünglich geplant, gab Gesundheitsstadtrat Peter Hacker am Sonntag bei einem Medienbericht in der Messe Wien bekannt.

Die Aufbauarbeiten in den drei Stationen - der Messe, der Marxhalle und der Stadthalle - sind bereits voll angelaufen. Die großflächigen Testungen sollen in der Bundeshauptstadt bis zum 13. Dezember durchgeführt werden, wobei das Bundesheer dafür federführend verantwortlich ist. Die nötige Infrastruktur wird von der Berufsfeuerwehr Wien aufgebaut. Die Kapazität soll pro Tag für rund 150.000 Tests reichen, hieß es Sonntagmittag. Der Betrieb ist täglich für zehn Stunden, von 8 Uhr bis um 18 Uhr geplant. Die Anmeldung dafür ist ab 2. Dezember möglich.

Kapazität für 1,2 Millionen Menschen

In Wien geht man davon aus, dass maximal 60 Prozent der Bevölkerung das Angebot in Anspruch nehmen. Dies würde bedeuten, dass 1,2 Mio. Menschen getestet werden. Entsprechend seien die Kapazitäten ausgerichtet worden, betonte Hacker. Dass nun zwei Tage weniger als angedacht zur Verfügung stehen, soll hier nicht zu Einschränkungen führen.

Hacker informierte darüber, dass das elektronische Voranmeldesystem des Gesundheitsministeriums bis zum 2. Dezember zur Verfügung stehen soll. Auf der Plattform müssen sich die Interessenten eintragen. Eine derartige Aktion ohne Anmeldung durchzuführen sei "undenkbar", zeigte sich der Ressortchef überzeugt: "Da kann vor der Tür nur Chaos herrschen." Die Warteschlangen sollen so klein wie möglich gehalten werden. Auch eine telefonische Anmeldung könnte es geben.

In der Messe werden 176 Testlinien zur Verfügung stehen, in der Marxhalle 70 und in der Stadthalle 40. Die Antigentest werden vom Bundesheer abgenommen. Kommt es dabei zu einem positiven Test, wird unmittelbar darauf noch in der Halle von den Wiener Gesundheitsbehörden ein PCR-Test durchgeführt.

Hacker geht durchaus davon aus, dass es bei den Schnelltests eine größere Menge falsch positiver Tests geben werde. Darum werde auch die Möglichkeit geschaffen, die Resultate zu überprüfen. Hacker lobte heute den "konstruktiven Austausch" etwa mit dem Bundesheer, dem Gesundheitsministerium sowie den beteiligten Rettungsorganisationen und der Feuerwehr. Es hätten sich auch schon zahlreiche Freiwillige gemeldet, die dabei mitarbeiten wollten, berichtete der Stadtrat.

Spitäler im Fokus

Anschober rückte die Situation in den Spitälern in den Fokus: Eine Überlastung der Intensivstationen wie derzeit kann und darf auch kein Dauerzustand sein, stellte Anschober fest. "Die nun verschobenen Eingriffe müssen rasch nachgeholt werden. Und im Dezember ist der Beginn der Grippewelle mit einer deutlichen Zusatzbelastung der Spitäler zu erwarten", gab der Minister zu bedenken.

Erfreulich sei die Entwicklung des Reproduktionsfaktors, der mit 0,88 nun wieder deutlich unter 1 liegt. Das sei die Voraussetzung für weiter sinkende Neuinfektionszahlen. Anschober: "Die kommende Woche, der letzte Teil des Lockdowns, muss zu einer massiven Verringerung der Neuinfektionszahlen führen. Dazu können und müssen wir alle einen Beitrag leisten."

Ziel sind "vorsichtige Öffnungsschritte"

Kurz dämpfte in der "Kleinen Zeitung" allerdings die Erwartungen auf baldige Lockerungen der Corona-Maßnahmen: "Wir werden nach dem 7. Dezember mit weiteren massiven Einschränkungen leben müssen." Jedenfalls werde es keine "übereilten Öffnungsschritte" geben. Ziel sei es, ab dem 7. Dezember im Handel und für Schulen "vorsichtige Öffnungsschritte" zu setzen. Dies sei aber von den Infektionszahlen abhängig. Je höher diese sind, "desto schwieriger wird es sein, Öffnungsschritte zu setzen", so Kurz.

Informationsschreiben an die Schulen

Unterdessen hat Bildungsminister Heinz Faßmann am Wochenende in einem Schreiben an die Schulen bekanntgegeben, wie die Corona-Massentests für Lehrer am 5. und 6. Dezember ablaufen sollen. Ab Anfang kommender Woche sollen diese per Terminbuchungsplattform einen Testtermin in der Nähe ihres Wohnorts buchen können, bundesweit stehen dafür laut Schreiben 100 Teststationen zur Verfügung. In Wien, Tirol und Vorarlberg werden die Lehrer im Rahmen der allgemeinen Massentests mitgetestet.

Durch Buchung konkreter Termine sollen Wartezeiten vor Ort gering gehalten und Menschenansammlung vermieden werden, heißt es in dem Brief an die Lehrer und das Schulverwaltungspersonal in jenen sechs Bundesländern, in denen die Testung der Mitarbeiter von Schulen und Kindergärten den Auftakt der Massentest markieren (Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Salzburg). Durch die Verbindung von Personaldaten mit einer eindeutigen Nummer eines Testkits sollen Verwechslungen von Testergebnissen ausgeschlossen werden, die Ergebnisse selbst sollen den Lehrern zeitnah etwa per SMS oder Mail übermittelt werden. In einem weiteren Schreiben Beginn kommender Woche sollen die Lehrer über den konkreten Anmeldeprozess informiert werden.

Im Brief an das Wiener Schulpersonal wird auf die allgemeinen Massentests vom 4. bis 13. Dezember in der Messe Wien, der Marx Halle und der Stadthalle verwiesen. Der Ablauf unterscheidet sich nur in einem Punkt: "Zur Qualitätssicherung wird bei positivem Antigen-Test-Ergebnis gleich im Anschluss eine PCR-Testung durchgeführt." In Tirol und Vorarlberg sollen nähere Informationen zu den dortigen flächendeckenden Testungen zwischen 4. und 6. Dezember Anfang kommender Woche folgen.

In dem Schreiben appelliert Faßmann, an den Testungen teilzunehmen. "Sie bekommen nicht nur eine Momentaufnahme über Ihren Infektionsstand, sondern leisten einen wesentlichen Beitrag für einen sicheren Schulbetrieb." (gral/apa)