Die Fahrt aus dem ersten Lockdown dauerte Wochen. Sie war eine Fahrt ins Ungewisse, führte über zehn Stationen - und endete in der zweiten Welle. Kommende Woche wird auch der zweite Lockdown verlassen, schon am Mittwoch stellt die Regierung ihren Fahrplan für die Öffnungen vor.

Wie im Frühling wird es auch diesmal kein abruptes Ende des Lockdown geben. Doch der Druck auf die Politik, gewisse Bereiche wieder zu öffnen, ist ungleich höher als im April. Das betrifft besonders die Schulen, aufgrund der Jahreszeit aber auch den Handel. Öffnungsschritte in diesen Bereichen gelten als fix, und wurden im Fall der Schulen auch dezidiert für den 7. Dezember versprochen. Details wollte Bildungsminister Heinz Faßmann aber am Dienstag nicht nennen, etwa ob alle Schüler und Schülerinnen in den Präsenzunterricht zurückkehren werden oder, wie vor dem vollen Lockdown, die Oberstufe weiterhin Fernunterricht erhält.

Laut "Kurier" sollen die Volksschulen ab Montag wieder den Präsenzunterricht aufnehmen. Allerdings werden der Zeitung zufolge noch Pläne erstellt, "ob die Öffnungszeiten und die Schulstunden gestaffelt werden". Eine kürzlich publizierte Studie aus der Schweiz fand heraus, dass die Lernfortschritte bei Volksschülern vor den Schulschließungen im März zweimal so groß waren wie im Lockdown. Bei Älteren gab es keinen nennenswerten Effekt. Auch in der Sekundarstufe I (Gymnasiumunterstufe und Mittelschule) wird es laut "Kurier" wieder Präsenzunterricht geben, zu gestaffelten Beginnzeiten.

Infektionsniveau sinkt, aber weiterhin nur langsam

Detailfragen sind auch im Handel noch offen, etwa bei Weihnachtsmärkten, die in normalen Jahren ein Amalgam aus Einkaufen und Gastronomie sind, ebenso Einkaufszentren. Die Gastronomie war im Frühsommer einer der letzten Bereiche, der öffnen durfte. Am Tag, als die Lokale aufsperrten (15. Mai), gab es 84 neue Infektionsfälle und insgesamt 1.642 offiziell aktive Corona-Fälle. Diesmal liegt der Durchschnitt der Neuinfektionen bei mehr 4.000 pro Tag, und das Dashboard der Ages zählt nach wie vor deutlich über 100.000 aktiv Infizierte.

Die Fallzahlen sinken stabil seit drei Wochen, aber nur langsam. Auch das ist anders als im Frühling, als die Menschen die Regeln noch übererfüllten und auch das Virus in der Fläche noch nicht ganz so verbreitet war.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner mahnt zu "allergrößter Vorsicht" bei den Lockerungen, wie sie sagt. "Für Einkaufsrausch und Hüttengaudi ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt." Rendi-Wagner wies daraufhin, dass sich der volle Lockdown aufgrund der Latenzzeit noch nicht in den Infektionszahlen niederschlagen würde. Ob der Effekt allerdings bedeutsam sein wird, ist fraglich. Das Mobilitätsverhalten der Menschen hat sich laut den anonymisierten Daten von Google seit dem Teil-Lockdown nicht dramatisch verändert.

Es ist daher zu erwarten, dass Lokale und Hotels über Weihnachten hinaus geschlossen bleiben werden, zumal Schulen, Handel und Weihnachtsfeste nicht gerade bremsend auf das Infektionsgeschehen wirken. Auch Gastronom und Neos-Mandatar Sepp Schellhorn schreibt die Ferien ab, nicht aber den ganzen Winter. Er fordert von der Regierung eine "Freeze"-Lösung, die volle Übernahme der Kosten während der Sperre. Ein Umsatzersatz käme zu teuer für den Staat.

Über Kompensationen, aber auch über Präventiv- und Kommunikationskonzepte muss die Regierung Auskunft geben. Dass die Maskenpflicht im Sommer komplett aufgehoben wurde, war im Rückblick ein Fehler. Auch der Simulationsexperte Niki Popper sagt, wichtiger als das "Was" sei das "Wie" der Öffnungen, also etwa wie das Einkaufen in Covid-Zeiten gestaltet sein soll. Eine Maßnahme hat die Regierung bereits am Dienstag verlautbart. Alle Personen über 65 Jahre werden per Post je zehn FFP2-Masken erhalten, um den Selbstschutz zu erhöhen. Kosten dieser Postwurfsendung: 24 Millionen Euro.