Brüssel. Der Plan war ursprünglich, dass sich die EU-Staaten im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf einheitliche und verbindliche Kriterien bei der Verhängung von Einreisebeschränkungen einigen. In der Praxis entscheidet jedoch weiterhin jedes Mitgliedsland nach seiner eigenen Logik. Angesichts der bevorstehenden Feiertage und der gewöhnlich regen Reisetätigkeit haben neben Österreich zahlreiche andere Länder neue Restriktionen in Kraft gesetzt oder bestehende verschärft.

Besonders streng geht Italiens Regierung vor. So soll seinen Bürgern während der Weihnachtsfeiertage das Reisen ins Ausland sowie zwischen Regionen gänzlich verboten werden, wie Gesundheitsminister Roberto Speranza am Mittwoch erklärte. Italienischen Medienberichten zufolge sieht die geplante Corona-Verordnung zudem vor, dass Bürger am 25. und am 26. Dezember sowie am 1. Jänner selbst ihre eigene Wohngemeinde nicht verlassen dürfen. Skifahren wäre ohnehin nicht möglich: Italiens Pisten will Rom während der Feiertage schließen. Anders in Frankreich, wo laut Plan der Regierung zwar die Skigebiete geöffnet sind, die Lifte allerdings bis Jänner geschlossen bleiben.

Kroatien führte bereits am 1. Dezember verschärfte Einreisebeschränkungen ein. Sie gelten vorerst bis Mitte Dezember. Reisende aus EU-Ländern müssen demnach bei der Einreise einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen oder einen PCR-Test in Kroatien machen lassen und das Ergebnis in Selbstisolation abwarten. Ausnahmen gibt es nur für Schüler und Studenten, den grenzüberschreitenden Güterverkehr und im Fall dringender Angelegenheiten. Auflagenfrei ist zudem die Einreise aus einem EU-Land oder einer Region, die auf der Corona-Ampel der EU-Gesundheitsagentur ECDC als grün kategorisiert ist. Nicht-EU-Bürgern ist die Einreise untersagt.

Hingegen ist die Einreise nach Finnland für Bürger des gesamten Schengenraums derzeit weiterhin nahezu unmöglich. In das Land mit den niedrigsten Infektionszahlen in Europa kommt nur, wer aus dem Ausland an seinen Wohnsitz nach Finnland zurückreist, auf Dienstreise ist oder einen anderen wichtigen Grund zur Einreise hat. Sie müssen anschließend für zehn Tage in Quarantäne. Für den Pendlerverkehr im finnischen Grenzgebiet nach Schweden und Norwegen gibt es allerdings gewisse Ausnahmen. Die Bestimmungen gelten vorerst bis zum 13. Dezember, mit einer neuerlichen Verlängerung ist aber zu rechnen, heißt es in Helsinki.

Slowenien hat seine strengen Einreisebestimmungen hingegen Anfang des Monates wieder aufgehoben. Die Maßnahmen - Rückkehrer mussten in Quarantäne oder einen Covid-Test vorlegen - hatten vor allem auf jene knapp 20.000 Staatsbürger abgezielt, die am Wochenende regelmäßig zu ihren Urlaubsdomizilen in Kroatien und den benachbarten Balkanländern reisten. Auch in den baltischen Staaten Litauen und Estland können EU-Bürger wieder ohne Quarantänepflicht reisen, allerdings nur, wenn deren Mitgliedstaaten eine niedrige 7-Tage-Inzidenz aufweisen als 74, Österreich zählt mit 335 nachgewiesenen Infektionen pro 100.000 Einwohnern nicht dazu. In Finnland sind es aktuell 75.