Barrierefreiheit sowie die Coronakrise stehen im Zentrum der Statements am heutigen Tag der Menschen mit Behinderung. Der Blinden- und Sehbehindertenverband kritisierte, dass in der Corona-Pandemie auf digitale Barrierefreiheit vergessen werde.  "Wir wollen und brauchen Partizipation", betonte Markus Wolf, Präsident des Verbands in einer Aussendung. "Dies bedeutet, in Prozesse eingebunden und nicht übergangen zu werden." Dass nicht alle Maßnahmen gegen eine Verbreitung von Covid-19 barrierefrei umgesetzt wurden, "erschwert die ohnehin verschärfte Situation für Menschen mit Behinderungen zusätzlich", sagt Wolf. So sei die im Frühjahr in Betrieb gegangene "Stopp-Corona"-App auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht für alle, die sie nutzen wollen, barrierefrei bedienbar.

Konzept für Assistenz bei Covid-19 fehlt

Isabella Aigner, Mitarbeiterin der Interessensvertretung ÖZIV für Menschen mit Behinderungen, machte in einem offenen Brief an Bundesminister Rudolf Anschober darauf aufmerksam, dass "kein genaues Konzept vorliegt, wie Menschen mit Behinderungen im Falle von einer Corona-Ansteckung trotzdem in der eigenen Wohnung gut weiterleben können". Als Rollstuhlfahrerin mit einer Mehrfachbehinderung sei sie selbst auf ständige Unterstützung von durch persönliche Assistenz angewiesen. Sich bei einem leichten Verlauf zuhause auskurieren, helfe Betroffenen beim Genesungsprozess und könne "andererseits die Spitäler entlasten". Das Fachpersonal dafür fehle aber, auch eine Telefonberatung wäre sinnvoll, die nicht nur mit den Worten "mit dem Thema sind wir nicht vertraut" beginnt und endet, schreibt Aigner. 

Politische Appelle

Die ÖVP-Bereichssprecherin für Menschen mit Behinderung Kira Grünberg appellierte anlässlich des Tags der Menschen mit Behinderung an das Verständnis und die Toleranz aller in der Corona-Pandemie. Denn Menschen mit Behinderung, denen das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist, können von der Verpflichtung befreit werden. Dies sei in der Öffentlichkeit aber wenig bekannt, denn es komme immer wieder vor, dass Betroffenen der Zutritt verwehrt werde, berichtete Grünberg. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die Menschen mit Behinderung am 3. Dezember bekommen, würde sie sich für jeden Tag wünschen.

Die Grünen wiesen in einer Aussendung am Donnerstag darauf hin, dass Menschen mit Behinderungen durch Krisen wie die aktuelle besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Für die Jahre 2021 und 2022 werden 40 Millionen Euro mehr für Maßnahmen zur beruflichen Inklusion zur Verfügung gestellt. Dadurch können rund 7.000 Menschen mehr an einer Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen, hieß es weiters.

FPÖ-Obmann Norbert Hofer legte das Augenmerk auf die umfassende Barrierefreiheit: "Dabei geht es aber nicht nur um physische Barrierefreiheit wie rollstuhlgerechte Zugänge und Ausstattung, die den meisten Menschen bei diesem Thema überwiegend einfällt. Barrierefreiheit geht viel weiter und umfasst auch soziale, kommunikative, ökonomische und strukturelle Themen."

"Purple Light Up"-Kampagne

In der Nacht auf Freitag werden auch in Österreich im Zuge der globalen Kampagne "Purple Light Up" zahlreiche Gebäude in violettem Licht erstrahlen. Neben dem Parlament und dem Innenministerium sind etwa auch historische Gebäude der Burghauptmannschaft Österreich in Wien und Innsbruck dabei. Mit der Aktion soll ein sichtbares Zeichen für Menschen mit Behinderung gesetzt werden. (apa, red)