Österreichs Lockdown zur Eindämmung der Covid-19-Infektionen wurde bis 6. Jänner verlängert. Die Lockerungen bis dahin sind sachte, wie die "Wiener Zeitung" berichtete - für die Feiertage sind aber gravierende, weitere Lockerungen vorgesehen, um Feiern im erweiterten Kreis zu ermöglichen. Was viele vermutlich freut, die einem einsamen Weihnachten entgegengebangt hatten, sorgt bei Hygienikern für heftige Kritik. "Je mehr Haushalte, desto größer ist das Risiko einer Infektion", sagt etwa Miranda Suchomel, Leiterin des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie an der MedUni Wien, zur "Wiener Zeitung". Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene an der MedUni Wien, ergänzt: "Wenn man die Rahmenbedingungen wie etwa die Größe der Räume nicht mitbedenkt, ist die Orientierung an der maximal erlaubten Personenzahl keine gute Idee."

Problem vor allem zu Silvester

Konkret sind ab 7. Dezember tagsüber, also von 6 bis 20 Uhr, Treffen zweier Haushalte mit maximal sechs Erwachsenen (plus sechs Kindern, also insgesamt zwölf Personen) gestattet. Davor waren es abseits der eigenen Haushaltszugehörigen nur der Lebenspartner, "einzelne engste Angehörige" oder "einzelne wichtige Bezugspersonen". Die Ausgangsbeschränkungen gelten künftig nur noch in der Nacht. Die Lockerung der Lockerung für die Feiertage, und hier setzt die Kritik an, ist jedoch, dass am 24., 25., 26. und 31. Dezember einander insgesamt zehn Personen treffen dürfen: Bei diesen sind zwar die Kinder schon inkludiert, was eine geringere maximale Gesamtzahl ergibt - die Vorgabe, dass diese aus höchstens zwei Haushalten kommen dürfen, fällt aber gänzlich weg. Während der Feiertage ist somit die Anzahl der Personen von jener der Haushalte losgelöst, und auch die nächtliche Ausgangssperre gilt nicht. Man kann also bis in die frühen Morgenstunden hinein feiern.

"Vor allem zu Silvester, wenn einander Freunde aus vielen unterschiedlichen Haushalten zuhause treffen und Partys feiern, werden die Abstandsregeln zu vorgerückter Stunde wahrscheinlich nicht mehr so genau genommen", sagt Suchomel. "Viele werden auch tiefer ins Glas schauen, wodurch es wilder zugehen wird als beim Familienweihnachtsessen." Und: Da allein der Wiener Silvesterpfad aufgrund der Corona-Krise abgesagt ist, werden sich sämtliche Feiern in die Innenräume verlagern. "Ein, zwei Wochen später werden wir die Rechnung dafür präsentiert bekommen", vermutet Suchomel: "In Form eines Anstiegs der Anzahl der neu infizierten Personen, der noch größer sein wird als jetzt, wenn alle Geschäfte wieder aufsperren."

Umweltmediziner Hutter hält die Ausnahmeregelung für die Feiertage generell für problematisch. "Die Anzahl der Personen ist immer in Relation zu setzen: Wenn man ein sehr kleines Esszimmer hat, können zehn Personen rund um den Tisch den Ein-Meter-Abstand vermutlich schwieriger einhalten, als wenn man über vier Zimmer verteilt feiert", sagt er. Wer also - auch zu Weihnachten - Gäste hat, sollte immer die Größe des Raumes und die Nähe der Personen in Relation zur Anzahl setzen und auch mitbedenken, ob jemand einer Risikogruppe angehört. Selbst bei leichten Krankheitssymptomen sollte man aus Verantwortungsgefühl den anderen gegenüber dieses Jahr aufs Feiern verzichten.

Keine Weihnachtslieder, dafür Maske

Unter den Gästen sei auch die Aktivität essenziell. Wer ruhig am Tisch sitzt und isst und - ohne es zu wissen - Covid-19 hat, reduziere damit das Risiko einer Ansteckung auf andere. Wird allerdings lauthals gefeiert, gelacht und geschrien, steige die Wahrscheinlichkeit, das Virus zu übertragen massiv. Auch singen zählt hier dazu - weshalb Hutter heuer von Weihnachtsliedern vor dem Christbaum abrät.

Das sind alles Maßnahmen, die vor allem mit kleinen Kindern zu Weihnachten vermutlich nicht so leicht einzuhalten sind. Laut Suchomel könnte man daher zum Beispiel beim Auspacken der Geschenke vor dem Christbaum einen Mund-Nasen-Schutz tragen und diesen erst dann abnehmen, wenn sich alle um den Esstisch versammelt haben. Wer zur Risikogruppe zählt, sollte eine partikelfilternde, dicht sitzende Schutzmaske der Klasse FFP2 tragen.

Und dennoch könne man nie ganz verhindern, dass sich, auch wenn man den Abstand einhält, sitzt und sich ruhig unterhält, die Aerosole im Raum verteilen - und mit diesen womöglich Coronaviren. Suchomel und Hutter raten daher dazu, regelmäßig zu lüften. Egal ob zu Weihnachten oder zu Silvester sollte das Fenster alle 30 Minuten zwei bis drei Minuten lang geöffnet, nicht nur gekippt, werden. Je kälter es draußen ist, desto schneller funktioniere der Luftaustausch.

Italien und Belgien strenger

Wer einige Tage vor den Feiern negativ auf das Coronavirus getestet worden ist, habe jedenfalls keinen Freibrief, diesen bedenkenlos beizuwohnen, betont Suchomel: "Schon am Weg vom Test nach Hause kann man sich neu infizieren."

Blickt man in andere Länder, so scheint Österreichs Zugang zum Infektionsrisiko rund um die Feiertage doch ein großzügiger zu sein. Die italienische Regierung zum Beispiel denkt im Kampf gegen die Corona-Pandemie an eine "Ausgangssperre" zwischen 22 und 6 Uhr für die Italiener zu Weihnachten und Silvester. Um die Reisefreiheit einzuschränken, gilt eine Verordnung, laut der die Bevölkerung an den beiden Weihnachtstagen sowie zu Silvester nicht ihre Wohngemeinde verlassen darf, berichteten italienische Medien. Außerdem werden die Italiener dezidiert aufgerufen, keine Nicht-Familienmitglieder zu treffen.

Belgien agiert hier noch restriktiver. Laut Premierminister Alexander De Croo dürfen belgische Haushalte über Weihnachten nur mit einer weiteren Person in engem Kontakt stehen. Menschen, die alleine leben, dürfen zwei weitere treffen.