Das Wochenende ist in Österreich im Zeichen der ersten großen Coronavirus-Massentests gestanden. Vor den Lockerungen am Montag starteten am Freitag die Tests in Vorarlberg, Tirol und Wien. In den sechs anderen Bundesländern wurde vor der Wiedereröffnung der Pflichtschulen das Personal in Schulen und Kindergärten getestet.

Die Zwischenbilanz fiel gemischt aus. Insbesondere in Wien und Tirol war der Andrang nur mäßig. Die Vorarlberger dürften hochgerechnet auf eine Testquote von etwas über 30 Prozent kommen. In Tirol gab es bis Sonntagnachmittag etwas mehr als 183.000 Getestete. Allerdings haben einige Gemeinden vor allem in Osttirol wegen der starken Schneefälle ihre Testreihen auf Dienstag verschoben. In Vorarlberg und Tirol sollten die Massentests an sich mit Sonntag abgeschlossen sein.

In Wien, wo die Aktion bis 13. Dezember weiterläuft, war das Testaufkommen am Sonntag schwach. Weniger als 20.000 Menschen waren am Sonntag angemeldet - bei einer Kapazität, die auf bis zu 150.000 Menschen ausgelegt war. Laut vorläufigen Zwischenstand wurden an den ersten beiden Testtagen am Freitag und Samstag - durch PCR-Tests verifizierte - 79 positive Fälle gefunden.

Höhere Teilnahme bei Pädagogen

Anders stellte sich die Situation beim Schul- und Kindergartenpersonal dar, wo die vom Bundesheer organisierten Massentests in den sechs anderen Bundesländern über die Bühne gingen. Von einer Teilnehmerquote von an die zwei Drittel der Berechtigten gingen die Verantwortlichen praktisch überall aus.

Dementsprechend positiv fiel eine Zwischenbilanz von Bildungsminister Heinz Faßmann und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (beide ÖVP) aus. Bei den bisher absolvierten Tests habe es eine Positivrate von 0,3 Prozent gegeben. Die Positivrate lag sowohl bei den Pädagogen- als auch bei den allgemeinen Massentests praktisch überall unter 0,5 Prozent. Kärnten war mit einer Positivrate von etwa 0,7 Prozent ein kleiner Ausreißer.

Lockerungen ab Montag

Mit Montag befindet sich Österreich wieder im Teil-Lockdown. Der Handel sowie "körpernahe Dienstleistungen", gemeint sind vor allem Haareschneiden, Kosmetik und Massage, sind wieder möglich. Das Verlassen des eigenen Wohnbereichs ist zwischen 6 und 20 Uhr wieder ausnahmslos gestattet, die Ausgangsbeschränkungen gelten am Montag nur mehr in der Nacht.

Im Freien gilt weiterhin ein Mindestabstand von einem Meter zu Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben. In den Begründungen zur Verordnung wird auch explizit auf "zahlreiche Studien" verwiesen und auf den "Stand der Wissenschaft". Tatsächlich aber geht die Wissenschaft mittlerweile davon aus, dass der Ein-Meter-Abstand in vielen Situationen zu gering sein dürfte.
Ansammlungen in Einkaufszentren sollen vermieden werden

Beim Betreten öffentlicher Orte in geschlossenen Räumen besteht weiterhin Maskenpflicht. Der Mund-Nasen-Schutz muss beim Einkaufen sowie auch beim Friseur getragen werden. Das Einkaufen in kleinen Geschäften wird sich nicht wesentlich von der Normalität unterscheiden, allerdings gilt überall eine Beschränkung von zehn Quadratmetern pro Kunde. Vor den Einkaufszentren ist ein Verweilen nicht möglich, auch die Konsumation von Speisen und Getränken ist verboten.

Die Gastro bleibt noch zu, man darf aber weiterhin (bis 19 Uhr) Speisen sowie "alkoholfreie sowie in handelsüblich verschlossenen Gefäßen abgefüllte alkoholische Getränke" abholen, Punsch und Glühwein zum Mitnehmen sind ab Montag nicht mehr erlaubt. Die Speisen und Getränke dürfen auch nicht im Umkreis von 50 Metern um die Betriebsstätte konsumiert werden.
Museen und Bibliotheken dürfen wieder öffnen, die Tiergärten erst am Heiligen Abend.

Sinkende Zahlen, hohes Niveau

Die Tendenz der Zahlen wies am Wochenende auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass am Samstag und Sonntag traditionell weniger Ergebnisse eingemeldet werden als an Werktagen, weiter nach unten - wenn auch auf noch immer hohem Niveau. Am Samstag überschritt die Zahl der Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie erstmals 300.000, es kamen 3.444 Neuinfektionen dazu. Am Sonntag waren es 2.741 Neuinfektionen. An beiden Tagen waren die Zahlen der Genesenen in 24 Stunden höher als die Zahlen der Infektionen. Die relevanten Werte wiesen ebenfalls nach unten.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wertete dementsprechend die sinkenden Werte als Beleg dafür, dass der Lockdown wirkt. Die Zahl der aktiven Fälle sei in den vergangenen sieben Tagen um 23 Prozent, die Zahl der Hospitalisierungen um fast zehn Prozent, die Zahl der Personen in Intensivbetreuung um sechs Prozent gesunken. Anschober wies aber darauf hin, dass "die Einkaufstage und die Feiertage (...) nach dem Ende des Lockdowns ein Risiko" seien. (apa/red)