Die Direktorin der Mittelschule in Wien-Währing bittet um Verständnis, dass sie nur wenig Zeit habe, als sie von der "Wiener Zeitung" am Montag gegen Mittag am Telefon erreicht wird. Erika Tiefenbacher ist eine erfahrene Schulleiterin und hat daher die Rückkehr der Schüler in die Klassen der MS Schopenhauerstraße vorsorglich für 9 Uhr Uhr angesetzt. Damit blieb zuvor in der Früh noch eine Stunde für eine Konferenz, um dort mit Lehrern noch letzte Anpassungen für ersten Präsenz-Schultag an den Pflichtschulen nach dem Lockdown seit Mitte November vorzunehmen.

Nach dem Lockdown wegen der Corona-Epidemie im Frühjahr mit Heimunterricht, nach dem Schulbeginn im September unter erschwerten Corona-Auflagen und nach dem erneuten Lockdown im November haben engagierte Schulleitungen und Lehrer inzwischen eine gewisse Routine entwickelt, wie sie am jeweiligen Schulstandort am besten mit der prekären Situation umgehen. Den ganzen Herbst über kämpften die Schulen damit, dass Lehrer wegen Corona-Infektionen und Heimquarantäne ausgefallen sind und Stunden suppliert werden mussten. So gesehen bildet die Rückkehr der Pflichtschüler an Volks- und Mittelschulen, Sonderschulen und AHS-Unterstufen lediglich die Fortsetzung einer seit März anhaltenden Sondersituation durch die Corona-Krise.

Bedauern wegen fehlendem Schichtbetrieb

"Da sind wir korrekter als korrekt", sagt MS-Direktorin Tiefenbacher. In ihrer Schule wurden Klassen auch auf zwei Räume aufgeteilt, damit nicht bis zu 25 Schüler in einem Klassenzimmer sitzen. Ein Schichtbetrieb wie im Mai nach dem ersten Lockdown wurde von Bildungsminister Heinz Faßmann ab 7. Dezember abgelehnt. Das haben allerdings viele Schuldirektorinnen und -direktoren bedauert. Tiefenbacher hat das schon am Sonntagabend in der "ZiB2" zum Ausdruck gebracht. In der MS Schopenhauerstraße behilft man sich mit Klassenteilungen. Die grundsätzlichen Vorkehrungen hat Tiefenbacher mit ihren Lehrern schon am Donnerstag und Freitag der Vorwoche getroffen, nachdem die türkis-grüne Bundesregierung am Mittwoch der Vorwoche im Ministerrat die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts samt Schutzmaskenpflicht für alle Schüler ab zehn Jahren beschlossen hat.

"Alles im grünen Bereich", schildert ein Direktor einer Mittelschule in Wien-Penzing Montagmittag. Dies vor allem auch deswegen, weil bei den Antigenschnelltests seit Freitag in Wien kein Pädagoge an seiner Schule positiv getestet worden sind. Bundesweit gab es für rund 300 Lehrer einen positiven Corona-Test. Sorgen mache ihm derzeit mehr das IT-System. Aber das sei zu bewältigen.

Gestaffelter Beginn bis 8 Uhr für Volksschüler

In der Volksschule Wulzendorferstraße in der Wiener Donaustadt verweist Direktor Ulrich Gladt ebenfalls darauf, dass man im Umgang mit den Corona-Maßnahmen bereits seit dem Beginn des heurigen Schuljahres Erfahrungen sammeln konnte. "Wir haben das schon seit September geregelt gehabt", betont der Leiter der Schule mit rund 520 Volksschülern. Deswegen ist auch der gestaffelte Schulbeginn in der Früh, wie ihn Bildungsminister Faßmann zur Senkung des Corona-Ansteckungsrisikos empfohlen hat, bei der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts am Montag kein Problem. In der Volksschule Wulzendorferstraße ist der Schulbeginn zwischen 7.15 Uhr und 8.00 Uhr gestaffelt. Das sei auch in Absprache mit den Eltern erfolgt und funktioniere gut, sagt Direktor Gladt.

Mit ganz anderen Problemen als in Ostösterreich kämpfen die Schulverantwortlichen in jenen Teilen Tirols und Oberkärntens, in denen sich seit wenigen Tagen der Schnee häuft und teilweise die höchste Lawinenwarnstufe gilt. Vor allem in Ostirol, aber auch in exponierten Lagen in Nordtirol sowie etwa im Kärntner Lesachtal blieben die Schulen am Montag geschlossen. Das wurde von den Schulbehörden der Länder aus Sicherheitsgründen bereits am Sonntagabend entschieden. Wegen des ohnehin schulfreien Marien-Feiertages am Dienstag verschiebt sich die Rückkehr in die Klassen in den eingeschneiten Regionen für Pflichtschüler zumindest bis auf Mittwoch.

Zum Neustart keine Probleme mit Maskenpflicht

In der Wiener Bildungsdirektion wurde nach Rücksprache mit den Schulqualitätsmanagern, den ehemaligen Schuldirektoren, am Montagnachmittag in einer ersten Reaktion erklärt, dass es bei der Rückkehr in die Schulen grundsätzlich "ruhig" gewesen sei. Schüler ab zehn Jahren müssen nach der Entscheidung der Bundesregierung - abgesehen von Ausnahmefällen - auch im Unterricht Schutzmasken tragen. "Probleme mit Masken hat es nicht in großem Ausmaß gegeben", lautete auf Anfrage der "Wiener Zeitung" die Zwischenbilanz nach dem "ersten" Schultag mit Präsenzunterricht für Pflichtschüler und Maskenpflicht. Auch wegen fehlender Lehrer aufgrund positiver Corona-Tests sei keine Schule an die Bildungsdirektion herangetreten.

Ähnlich zufrieden wurde in der niederösterreichischen Bildungsdirektion eine erste Zwischenbilanz nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht gezogen. "An und für sich gibt es keine Probleme", wurde dazu in St. Pölten erklärt. In Niederösterreich sind am vergangenen Wochenende nur 54 von rund 26.0000 Lehrern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Ausfälle dieser Lehrkräfte konnten jeweils schulintern kompensiert werden. Zur Schutzmaskenpflicht für Über-Zehn-Jährige wird in der Bildungsdirektion Niederösterreichs eingeräumt: "Wir wissen davon, dass es Eltern gibt, die sich dagegen ausgesprochen haben." Allerdings habe man auch diesbezüglich bisher von keinen Problemen gehört, wurde am Montagnachmittag in St. Pölten erläutert.

Noch länger wird es dauern, bis der Präsenzunterricht für Oberstufenschüler bis zur 7. Klasse wieder beginnt. Diese sind bereits seit Anfang November im Heimunterricht. Das bleibt - mit Ausnahme der Maturaklassen - jedenfalls noch bis Weihnachten so. Bildungsminister Heinz Faßmann hat aber am Montag angekündigt, dass auch die Oberstufenschüler nach den Weihnachtsferien in die Klassen in den Schulgebäuden zurückkehren sollen.