Ibiza zeigte Wirkung: Die Staats- und Regierungskrise 2019 führte in Österreich zu einem Anstieg autoritärer Einstellungen in der Bevölkerung. Die Coronakrise 2020 ließ das Vertrauen in die Demokratie dagegen wieder wachsen. Das geht aus dem Demokratiemonitor 2020 des Sora-Instituts hervor, der am Mittwoch präsentiert wurde.

Allerdings: Das ökonomisch schwächste Drittel findet sich im demokratischen System immer weniger wieder. In diesem Segment fühlen sich nur noch 44 Prozent der Demokratie zugehörig. Denn eine sozioökonomisch unsichere Situation fördert sinkende Vertrauenswerte in das demokratische System, so die Erklärung der Sora-Forscher.

Durch die Corona-Pandemie geht die soziale Schere weiter auf. Während sich die finanzielle Lage im obersten ökonomischen Drittel nur bei 12 Prozent, die psychische Gesundheit bei 16 Prozent verschlechtert hat, sind es im untersten Drittel 64 bzw. 53 Prozent. Sorgen über ihre Lebensplanung machen sich im obersten Segment 19, im mittleren 38, im untersten Segment dagegen 60 Prozent.

Massive soziale Kluft

Der sozioökonomische Status steht nicht nur in direktem Zusammenhang mit dem Ausmaß der Betroffenheit von der Coronakrise, sondern auch mit der Einstellung gegenüber der Demokratie. "Wenn sich die finanzielle oder psychische Situation verschlechtert hat, sinkt auch das Vertrauen in die Demokratie", sagt Sora-Studienleiterin Martina Zandonella.

So ist eine starke Verunsicherung im untersten Einkommensdrittel und in Teilen der Mitte zu beobachten: Während im obersten Drittel 94 Prozent der Aussage "Die Demokratie ist die beste Regierungsform" sehr oder ziemlich zustimmen und im mittleren Drittel 89 Prozent, sind es im untersten Drittel nur noch 73 Prozent. Im untersten Drittel hat sich die Zustimmung zur Demokratie damit seit der Vorjahreserhebung ein weiteres Mal verschlechtert - diesmal um sechs Prozentpunkte.

Finanzielle Unsicherheit und Abwertungserfahrungen

Im ökonomisch stärksten Drittel ist das demokratische Selbstverständnis dagegen gestiegen. Während sich im Vorjahr noch 23 Prozent in dieser Gruppe einen "starken Führer" wünschten, der sich nicht um Parlament und Wahlen kümmern muss, sind es heuer nur noch 17 Prozent.

Die massive soziale Kluft in der Zustimmung zur Demokratie erklärt Zandonella auch mit den negativen Erfahrungen, die Menschen in unteren ökonomischen Lagen machen. Ihr Alltag sei geprägt von finanzieller Unsicherheit und Abwertungserlebnissen. Rund drei Viertel im untersten Drittel fühlen sich sehr oder ziemlich als Menschen zweiter Klasse behandelt. Das betrifft etwa den Zugang zu Bildung, Arbeit und Wohnen. Wenn die Demokratie einem am Herzen liege, müsse man daran etwas ändern, sagt Zandonella.

Für den Demokratiemonitor befragten die Forscher von Mitte August bis Mitte Oktober 2.188 Personen. Die Schwankungsbreite liegt bei +/- 2,1 Prozent.