In Österreich wird, so wie in der gesamten EU, ab 27. Dezember mit den Corona-Impfungen begonnen. Das bestätigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Donnerstag, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuvor einen EU-weiten Impfstart zu diesem Datum bekanntgegeben hatte. Hierzulande sollen im Laufe des Jänner bereits rund 120.000 Menschen geimpft werden - zunächst Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie das dortige Personal. Damit die Impfung auch im vollen Ausmaß wirksam ist, ist nach der Herstellung vor allem ein Faktor entscheidend: die lückenlose Aufrechterhaltung der Kühlkette.

Die Abwicklung der Logistik zur Verteilung der Impfstoffe übernimmt der Verband der österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler (Phago). Zu ihm haben sich die fünf Pharma-Großhändler Herba Chemosan, Jacoby GM, Kwizda, Phoenix und Richter Pharma zusammengeschlossen. Die Impfstoff-Hersteller liefern ihre Vakzine an die quer über Österreich verteilten 17 Standorte von Phago. Von dort verteilt sie der Großhändler weiter an die einzelnen Impfstellen. Wie aber kommen die Impfdosen überhaupt nach Österreich? Und wie kann eine lückenlose Kühlung gewährleistet werden?

Aus den Werken der Hersteller, aktuell Pfizer und Moderna, werden die Impfstoffe zunächst mit großen Lkw oder Flugzeugen in Distributionszentren in den jeweiligen Abnehmerländern transportiert. Die Dosen werden dabei in großen Kisten zu knapp 5.000 Dosen, sogenannten "Thermal Shippers", verpackt und auf Trockeneis gelagert. Damit ist ausreichende Kühlung für fünf Tage gewährleistet.

Eindeckung mit "Ultra-Tiefkühlschränken"

Angekommen in den österreichischen Distributionszentren nimmt "geschultes Personal mit spezieller Schutzausrüstung" die Vakzine aus den Thermal Shippers, sagt Phago-Generalsekretärin Monika Vögele zur "Wiener Zeitung". Gelagert werden sie dort in sogenannten Ultratiefkühlschränken (ULT). Sie gewährleisten äußerst niedrige Temperaturen von rund -80 Grad. Das Vakzin von Pfizer benötigt nämlich Temperaturen von zumindest -70 Grad, um seine volle Wirksamkeit aufrechtzuerhalten. Der Impfstoff von Pfizers Konkurrent Moderna braucht dagegen nur Lagertemperaturen um die -20 Grad, ein Vertrag mit der EU wird allerdings aktuell noch verhandelt.

"Durch das Medizinproduktegesetz müssen medizinische Kühltruhen die Temperaturen auf plus/minus ein Grad Abweichung genau halten - was bei normalen Hauskühlgeräten ja nicht der Fall ist", sagt Matin Khajooei zu dieser Zeitung. Khajooei arbeitet für das Luxemburger Medizintechnikunternehmen B Medical Systems, das entsprechende Kühlsysteme herstellt, und berät die EU beim Erstellen einer Checkliste für den sicheren Transport der Corona-Impfstoffe.

In Krankenhäusern sind Ultratiefkühlgeräte, in denen etwa auch medizinische Proben aufbewahrt werden, bereits ebenso üblich wie im Pharma-Großhandel. Für die Lagerung der nun enorm großen Impfstoffmengen haben sich weltweit Großhändler und Behörden mit den Ultratiefkühlern eingedeckt. In Österreich ist für die Lagerung aber ausschließlich der Großhändler Phago zuständig, wie der Covid-Sonderbeauftragte im Gesundheitsministerium Clemens Martin Auer gegenüber der "Wiener Zeitung" betont. Die Republik Österreich habe selbst daher keine ULT angeschafft. Die fünf Pharma-Großhändler haben ihre Bestände für die Covid-19-Vakzine dagegen deutlich aufgestockt, wie Vögele von Phago bestätigt. "Das Volumen, um das es aktuell geht, ist natürlich einzigartig", sagt sie. Ebenso wie "das spezielle Handling". Denn im Gegensatz etwa zum jährlichen Grippeimpfstoff ist das Covid-19-Vakzin deutlich empfindlicher.

BVT soll Impfstofflager überwachen

Medizinische Kühlsysteme sind mit einem Alarm ausgestattet. Sollte die nötige Kühltemperatur einmal abweichen, schlägt er an. Aus den Distributionszentren mit ihren Ultratiefkühlern werden die Impfstoffe dann - bereits im auftauenden Zustand - als Arzneimitteltransporte zu den jeweiligen Impfstellen gebracht. Dort kommen sie in normale Kühlschränke bei Temperaturen um die fünf Grad. So ist der Impfstoff noch maximal fünf Tage haltbar. Die Einhaltung der Frist ist entscheidend, weil danach nicht mehr mit der vollen Potenz des Impfstoffs zu rechnen ist.

Weil die Distributionszentren künftig Impfstoffe im hohen Millionenwert aufbewahren werden, versuchen viele Länder, den Standort ihrer Lager geheim zu halten. Möglicherweise aus gutem Grund: Aufgrund der "hohen Dynamik und Emotionalität" beim Thema Corona warnte das deutsche Bundeskriminalamt in einem internen Papier vor einer "abstrakten Gefährdung" für Impfstoffhersteller, Impfzentren, Transport- und Lagerstätten, wie deutsche Medien kürzlich berichteten.

Kritiker der Corona-Maßnahmen könnten demnach versuchen, in die Einrichtungen einzudringen, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. In Österreich wurden die Lagerungsstätten für die Corona-Impfung als kritische Infrastruktur definiert. Ihre genauen Standorte werden zumindest nicht aktiv kommuniziert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) soll nach Informationen der "Wiener Zeitung" für erweiterte Überwachung sorgen. "Wir als Verband werden uns hüten, die Standorte zu nennen", sagt Vögele. Für die Anfangsphase, wo der Impfstoff noch knapp sei, habe Phago eine weitere Sicherheitsmaßnahme getroffen: Die Fahrer der Arzneimitteltransporte sind künftig immer zu zweit unterwegs.