Die Volkshilfe hat die Bundesregierung am Sonntag wegen der Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern auf Lesbos zum Handeln aufgefordert. Volkshilfe-Präsident Ewald Sacher bezeichnete die dortigen Umstände als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". An Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) appellierte er, "seine Haltung zu ändern, Menschlichkeit zu zeigen und den verzweifelten Menschen in Griechenland zu helfen." Scharfe Kritik an der ÖVP übten die Salzburger Grünen.

Die Zustände in den Lagern seien "unerträglich", sagte Sacher in einer Aussendung. "Welche hässlichen Bilder über die menschenunwürdigen Zustände in den Lagern müssen uns denn noch erreichen, wie viele Meldungen von vergewaltigen Dreijährigen braucht es denn noch, bis die österreichische Bundesregierung endlich handelt?", fragte er in einer Aussendung. "Niemand, der ein Herz hat, kann hier länger zuschauen. Beten und das Weihnachtsfest feiern und die Menschen und die vielen Kinder dort in der Nässe und Kälte liegen lassen, das passt nicht zusammen. Da helfen auch keine Alibiaktionen", so Sacher mit Blick auf den am Vortag von der Regierung angekündigten Plan, mit dem SOS Kinderdorf eine Tagesbetreuungsstätte für rund 500 Kinder auf der griechischen Insel zu schaffen.

"In der Volkshilfe stehen viele Plätze zur Betreuung von schutzsuchenden Menschen leer, gibt es jede Menge Know-how und ein dichtes Netzwerk an bereitwilligen Menschen, die helfen wollen", sagte Sacher.

Salzburg hat 270 Grundversorgungsplätze

Harsche Kritik am Plan der Bundes-ÖVP, Hilfe ausschließlich vor Ort zu geben, kam in einer Presseaussendung auch von den Salzburger Grünen. "Die Zustände im Lager sind katastrophal", sagte Landessprecher Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn. Gemeinsam mit der Salzburger Stadträtin und Parteikollegin Martina Berthold forderte er die Aufnahme von Geflüchteten aus dem Lager Kara Tepe auf Lesbos. Sie verwiesen dabei auf 270 Grundversorgungsplätze, die in Salzburg aktuell leer stehen würden. "Bald wird die Weihnachtsgeschichte vom Neugeborenen, das auf Stroh gebettet wurde, wieder erzählt. Und gleichzeitig liegen im griechischen Lager Kara Tepe Neugeborene in den Notzelten auf dem kalten, nassen Erdboden", wird Berthold zitiert.

Und auch der niederösterreichische SPÖ-Vorsitzende, Landeshauptfrau-Stellverteter Franz Schnabl, griff das Thema auf und richtete einen "dramatischen Appell" an die ÖVP Niederösterreich: "Holen wir die Kinder raus", so seine Forderung. "Niederösterreich darf nicht zusehen und sich mitschuldig machen. Setzen wir 'gemeinsam' ein Zeichen der Menschlichkeit und geben wir zumindest 100 Kindern eine sichere und menschenwürdige Unterkunft in unserem Bundesland", pochte Schnabl darauf, sich nicht der humanitären Verantwortung zu entziehen.

"Wir müssen sie aus dieser Hölle befreien. Die Zelte sind nicht winterfest und nach fürchterlichen Regenfällen liegen die Kinder am kalten, nassen Boden", betonte auch er. Zudem berichteten vor Ort im Einsatz befindliche Ärzte, dass die am häufigsten zu versorgenden Verletzungen Rattenbisse seien, weil Kinder im Schlaf angebissen werden würden", unterstrich Schnabl die Dringlichkeit, kurz vor dem "Fest der Nächstenliebe" auch "Menschenliebe" zu zeigen. (apa)