Am Sonntag um 9.00 Uhr wird zum ersten Mal in Österreich eine Impfung gegen das Coronavirus verabreicht. Durchgeführt wird sie von Ursula Wiedermann-Schmid, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie und dem Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer Thomas Szekeres an der MedUni Wien, gab Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei einer Pressekonferenz bekannt. "Mit der Impfung ist der Anfang für den Sieg gegen die Pandemie eingeleitet", so Kurz.

Es sei "ein Grund zur Freude. Der Tag wird in die Geschichte eingehen", erklärte der Bundeskanzler. Rund eine Million Dosen von Hersteller Biontech/Pfizer sind für Österreich bestimmt. Die ersten Lieferungen kommen am 26. Dezember bei Passau über die Grenze. Im Jänner stehen 240.000 Dosen, im Februar, 332.000 und im März 375.000 Dosen zur Verfügung. Danach hoffe man auf weitere Impfstoffe anderer Anbieter, sagte Kurz. Die Tranchen werden möglichst gerecht auf ganz Österreich verteilt, um ein gleichmäßiges Verimpfen der Dosen zu garantieren.

Erste Probanden sind Risikopatienten

Die ersten Menschen, die in Österreich den Impfstoff gegen das Coronavirus verabreicht bekommen sind Risikopatienten einer Spezialambulanz. Es handelt sich um fünf Personen über 80 Jahre, sagte Ursula Wiedermann-Schmid, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie, die die erste Impfung durchführen wird. Alle fünf Probanden hätten sich freiwillig gemeldet.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte, dass die Sterblichkeit bei über 75-Jährigen, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, bei zehn Prozent liege. Bei über 85-Jährige würde jeder Vierte eine Infektion nicht überleben.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von einer "ganz großen Chance". Herausforderung ist die Kühlung des Impfstoffes. Am gestrigen Dienstag habe eine erste Generalprobe zur Logistik stattgefunden, berichtete Anschober.

Die Neos zeigten sich über den angekündigten Start der Corona-Impfung in Österreich erfreut. Sie forderten aber einen "klaren" Impfplan für 2021. Die Regierung müsse nun sicherstellen, dass bis Sommer genügend Impfstoff für die breite Masse zur Verfügung steht, so Gesundheitssprecher Gerald Loacker.

Ziel müsse eine ehrliche Kommunikation seitens der Bundesregierung sein, so Loacker: "Klar ist nämlich auch, dass es selbst, wenn alles glatt läuft, noch weit in das Jahr 2021 hinein dauern wird, bis viele geimpft sind." Türkis-Grün dürfe daher nicht alle anderen Maßnahmen außer Acht lassen. "Auch wie das Leben mit dem Virus 2021 aussehen wird, bis breitflächig geimpft werden kann, muss in einem Plan nachvollziehbar sein", forderte der Abgeordnete.

Schutzeffekt sieben Tage nach Impfung

Österreich steht unmittelbar vor der Lieferung des ersten Covid-19-Vakzins von Pfizer-BioNTech mit 26. Dezember. "Es kommen 9.750 Dosen. Die Belieferung erfolgt gleich an alle Bundesländer. Einen Tag später kann mit dem Verimpfen begonnen werden", sagte Pfizer-Austria-Chef Robin Rumler. Österreich könnte zunächst bis zu 3,5 Millionen Dosen der Vakzine beziehen. Ein gewisser Schutzeffekt ist schon sieben Tage nach der ersten Teilimpfung gegeben.

"Wir freuen uns riesig, dass wir das nach der Riesenanstrengung in den vergangenen Monaten hingekriegt und die erste Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs unter Auflagen erhalten haben. Pfizer hat sich verpflichtet, im kommenden Jahr weltweit 1,3 Milliarden Dosen bereitzustellen. Die EU hat bisher 200 Millionen Dosen bestellt und eine Option auf weitere hundert Millionen", sagte Rumler.

Österreich hätte damit vorerst die Möglichkeit, aus dem EU-Kontingent rund 3,5 Millionen Dosen abzurufen. Das wäre genug der mRNA-Vakzine für 1,75 Millionen Menschen bei zwei notwendigen Teilimpfungen. Mit dem Ziehen der Option auf die zusätzlichen hundert Millionen Dosen durch die EU könnte man theoretisch in Österreich insgesamt auf an die drei Millionen Durchimpfungen mit dem Pfizer-BioNTech-Vakzin kommen. "Ab Ende dieses Jahres wird der Impfstoff wöchentlich nach Österreich geliefert. Er wird immer sofort auf ganz Österreich verteilt. Hier ist auch das Bundesheer eingebunden", erklärte Rumler.

"Österreich hat im internationalen Vergleich bereits eine gut ausgearbeitete Covid-19-Impfstrategie. Wir beliefern den pharmazeutischen Großhandel, der die Ultrafreezer (bis zu minus 80 Grad Celsius Langzeit-Lagertemperatur; Anm.) hat. Es kann dadurch sehr engmaschig bestellt werden. Bei zwei bis acht Grad sind die Vakzine dann fünf Tage lang lagerfähig. Nadeln, Spritzen und alles, was zur Dokumentation gehört, wird mitgeliefert. Jeder Immunisierte bekommt eine Impfkarte", sagte Renee Gallo-Daniel, leitende Mangerin für den Impfstoffbereich bei Pfizer Austria und Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Schutz von 95 Prozent

Die für die Zulassung der Vakzine in den USA und der EU mit fast 43.500 Probanden (die Hälfte in der Placebogruppe nach zufälliger Zuteilung und verblindet) durchgeführte Studie der Phase III auf Wirksamkeit und Sicherheit des mRNA-Covid-19-Impfstoffs war laut Sylvia Nanz, Leiterin der medizinischen Abteilung von Pfizer Austria, sehr breit angelegt und so groß, dass man bereits recht hohe Sicherheit bezüglich der Aussagen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit über die Altersgruppen hinweg habe: "58 Prozent der Probanden waren unter 55 Jahre alt, 21 Prozent zum Beispiel über 65 Jahre, immerhin noch vier Prozent über 75 Jahre." Teilnehmen konnten Menschen ab 16 Jahren.

Aus zahlenmäßig nur acht Erkrankungsfällen in der Gruppe der wirklich Immunisierten und 162 Fällen in der Placebogruppe (beide Gruppen fast gleich groß) ließ sich nach den zwei Teilimpfungen eine Schutzwirkung von 95 Prozent bei Probanden ableiten. Aber laut der in der weltweit angesehensten medizinischen Fachzeitschrift, im "New England Journal of Medicine", publizierten Studie ergaben sich auch bereits sieben Tage nach der ersten Teilimpfung Hinweise auf eine Schutzwirkung von 52 Prozent gegen das Auftreten einer Covid-19-Erkrankung. Damit müsste relativ bald ein Effekt der Immunisierungen auf die Erkrankungsraten, zum Beispiel Anfangs präferenziell in Altersheimen, einstellen. "Es sind aber auf jeden Fall die zwei vorgesehenen Teilimpfungen notwendig", sagte die Expertin. (apa)