Der Container steht einige Meter hinter den Absperrungen. Vor diesen hat sich eine kurze Schlange von Menschen gebildet, die aber nur rund eine Viertelstunde auf den Corona-Schnelltest warten müssen. In Container direkt vor dem Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater hat Anna Zabinsky ihren Laptop im Auge. Sie ist Teamleiterin des Samariterbundes bei der Teststation Stadion und schon seit Monaten tätig, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

"Es macht unfassbar Spaß, mit dem Team zu arbeiten", schildert Zabinsky der "Wiener Zeitung". Auch am 24. Dezember sind Sanitäter und Betreuer des Samariterbundes im Einsatz. Knapp zwei Dutzend sind es im Schichtbetrieb zu Weihnachten, während viele Wiener die letzten Erledigungen für den Heiligen Abend machen und Kinder das Christkind kaum mehr erwarten können.

Aufatmen über negatives Testergebnis

Die Stadt Wien hat zu Weihnachten noch weitere Testtermine eingeschoben, um den Andrang rund um die Festtage zu bewältigen. Die Helfer des Samariterbundes klären die Testwilligen auf und nehmen die Abstriche für die Corona-Tests vor. Zigtausende sind es insgesamt in Wien. Das Team unter Zabinsky Leitung organisiert beim Stadion alles so, dass es für die Menschen möglichst reibungslos abläuft. "Das Berührendste ist, die Erleichterung in den Augen zu sehen, wenn das Testergebnis negativ ist", sagt die Leiterin des Test-Teams beim Happel-Stadion.

Sie ist der Meinung: Jeder, der könne, solle bei der Bewältigung der Corona-Epidemie helfen. Zabinsky nimmt sich die Zeit, kurz mit der "Wiener Zeitung" zu sprechen, um vor allem zu illustrieren, wie die Männer und Frauen des Samariterbundes seit Tagen und Wochen meist abseits des medialen Blitzlichtgewitters helfen, die größte Gesundheitskrise der Zweiten Republik zu bewältigen und zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.

Im Fokus der laufenden Kameras und der Fotoapparate stehen andere: die verantwortlichen Wiener Stadtpolitiker und die in Pressekonferenzen allgegenwärtige türkis-grüne Bundesregierung. Diese hat vor allem in Gestalt von Gesundheitsminister Rudi Anschober meist das Rote Kreuz mit ihrem Bundesrettungskommandanten Gerry Foitik wegen der Corona-App stärker in den Vordergrund gestellt.

Beruhigt zur Weihnachtsfeier mit der Tochter

Wer den Corona-Test beim Stadion hinter sich hat, ist zufrieden – und dank negativem Testergebnis – auch erleichtert. Eine ältere Frau, die sich auf einen Stock stützen muss, hat sich mit dem Testgebnis in der Hand zum Ausruhen nach der Prozedur an eines der Absperrgitter gelehnt.

Sie hat sich innerhalb einer guten Woche ein zweites Mal einem Schnelltest unterzogen, um gemeinsam mit der Tochter einigermaßen beruhigt Weihnachten feiern zu können. Denn die Botschaft der Gesundheitsexperten, dass der Corona-Test nur eine Momentaufnahme darstelle, ist bei der Pensionistin angekommen. Deswegen hat sie sich unmittelbar vor dem Heiligen Abend nun ein zweites Mal testen lassen. Viele denjenigen, die einen Schnell-Test machen, wollen während der Feiertage ihre Eltern oder Großeltern in Pflege- und Seniorenheimen besuchen können, so die Erfahrung der Helfer beim Stadion.

Eine junge Frau stapft schon eiligen Schrittes zurück zur nahen U-Bahn-Station. Auch bei ihr ist alles klaglos beim Corona-Test abgelaufen, erzählt sie. Rund eine Viertelstunde habe sie nur warten müssen. Nun freut sie sich wirklich auf das Weihnachtsfest gemeinsam mit Eltern und Geschwistern. Von der anderen Seite rollen Menschen in ihren Autos heran, um die Drive-In-Testmöglichkeit zu nützen. Statt Fast-Food einmal Schnell-Test. Lange müssen die Autofahrer bei der Teststation jedenfalls nicht auf den Abstrich warten.

Ganz ohne Schwierigkeiten laufen die Untersuchungen Hunderter Menschen dennoch nicht immer ab. Das liegt allerdings weniger an der Organisation als vielmehr daran, dass speziell manche Kinder, aber auch der eine oder andere Erwachsene, Angst vor dem Corona-Test hat. Bei diesen bemühen sich die Mitarbeiter des Samariterbundes, ihnen mit ein bisschen Humor und Feingefühl diese Angst zu nehmen.

Ein siebenjähriges Kind habe ganz besonders viel Angst vor dem Rachenabstrich gehabt. Da seien dann auch Tränen geflossen, aber am Ende sei der Test durchgeführt worden, ohne dass das Kind es richtig gemerkt habe, schildert Zabinsky eines der berührendsten Erlebnisse bei der Teststation. Sie verhehlt allerdings nach der Dauertesterei nicht, dass schon die Hoffnung mitschwingt, die "Normalität" möge zurückzubekommen.

630 Jahre müsste ein Einzelner arbeiten

Eine Sondersituation stellten die vergangenen Tage und Wochen mit den Massentests seit 4. Dezember in den Bundesländern vor allem auch für das Bundesheer dar. Knapp tausend Soldaten habe man mit Stand vom 23. Dezember im Assistenzeinsatz für die Gesundheitsbehörden bei der Nachverfolgung der Kontakte und bei der Unterstützung der Teststationen im Einsatz, referiert der allzeit bereite und kundige Pressesprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat zuletzt besonders stolz Zwischenbilanz gezogen, weil das Heer "so gefragt wie schon lange nicht" sei. 229.837 Personentage seien heuer von Grundwehrdienern als Assistenzleistung zur Bekämpfung der Corona-Epidemie geleistet worden, betont die erste weibliche Chefin des Heeresressorts in der Zweiten Republik, die seit fast einem Jahr im Amt ist. Ein einzelner Heeresangehöriger hätte dafür 630 Jahre arbeiten müssen, bedeutet das umgerechnet.

Bei den Budgetverhandlungen müssen sich Verteidigungsminister in Österreich meist weit hinten anstellen, auch wenn die aus dem Mostviertel kommende Bauernbündlerin Tanner nicht zuletzt dank des politischen Gewichts der niederösterreichischen ÖVP für 2021 etliche Millionen zusätzlich herausschlagen konnte. Angesichts der Abfuhr der Justiz bei der Untersuchung der Eurofighter-Anschaffung 2002/03 ist auch eine Online-Befragung des Ministeriums, wonach zwischen 95 und knapp 100 Prozent der Befragten die Hilfsleistung der Soldaten und Heeresbediensteten in der Corona-Krise zu schätzen weiß, eine Art Weihnachtsgeschenk für die Ressortchefin und die Militärs. Beim Aufbauen von Corona-Teststationen, bei der Unterstützung der Gesundheitsbehörden sind Grundwehrdiener und militärisches Kaderpersonal genauso gern gesehen wie sonst im Katastrophenfall bei Hochwasser oder bei einer Notaktion wie vor kurzem zur Aufrechterhaltung des Betriebs in einem Pflegeheim im steirischen Mürztal.

Mitarbeiter des Samariterbundes und des Bundesheeres, die im Alltag sonst mitunter wenig wahrgenommen werden, sind über die Weihnachtsfeiertage im Einsatz. Die nächste Großaktion wird nicht lange auf sich warten lassen. Denn für den Jänner hat die türkis-grüne Bundesregierung in Absprache mit den Landeshauptleuten eine zweite Runde der Corona-Massentests der Bevölkerung angekündigt. Wohl im Wissen, dass auch dann wieder auf Unterstützung von Samariterbund und Bundesheer Verlass sein wird.