Einer 49jährigen Lehrerin wurde von einer Bank ein Kredit trotz Besicherung durch ihren Lebenspartner verwehrt. Es sind Fälle, wie dieser, die die Obfrau des ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec, anstacheln. Wegen Altersdiskriminierung älterer Bankkunden gibt es zwar inzwischen eine freiwillige Abmachung mit dem Bankenverband, um derartige Benachteilungen abzustellen. Seither ist zwar die Zahl der Fälle rückläufig, Altersdiskriminierung von Bankkunden kommt aber immer noch vor. Daher hat es bereits mit Justizministerin Alma Zadic und den für Konsumentschutz zuständigen Sozialminister Rudi Anschober (beide Grüne) gegeben, um notfalls mit einer eigenen gesetzlichen Regelung dagegen vorzugehen, kündigt Korosec mit Blick auf das neue Jahr an.

Die ÖVP-Seniorenobfrau, die am 22. November 80 Jahre alt geworden ist, streicht hervor, dass es um die Diskriminierung von Bankkunden nur aus Altersgründen geht. Also nicht um Fälle, in denen nicht genug finanzielle Sicherheiten vorhanden sind. Die Seniorenvertretung der Kanzlerpartei will nicht mehr hinnehmen, dass ältere Menschen durch Diskriminierung von aktiven Leben ausgeschlossen werden. So dürfe es nicht sein, dass älteren Menschen nur aus Altersgründen keine Kreditkarte mehr bekommen oder nur wegen des Alters ein geringeres Limit bei Kreditkarten bekommen.

Korosec kündigt an, dass man die Gespräche mit Banken diesbezüglich fortsetzen werde. Gleiches gilt im Übrigen für Versicherungen. Funktioniert das nicht, soll die Gleichstellung mittels Gesetz gesichert werden, um Altersdiskriminierung durch Banken zu verhindern.

"Arbeitsmarkt für Ältere muss beackert werden"

Eine andere Form von Altersdiskriminierung beklagt die Chefin des ÖVP-Seniorenbundes auch auf dem Arbeitsmarkt. Über-50-Jährige "werden abgeschoben", kritisiert Korosec. Dagegen müsse mehr gemacht werden. Zwar nennt sie in diesem Zusammenhang Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher mit keinem Wort und schon gar nicht namentlich. Neben den Unternehmen, die Vorbehalte gegen die Einstellung von Menschen über 50 Jahren haben, trifft die Kritik an den Problemen für Ältere am Arbeitsmarkt aber in erster Linie die zuständige ÖVP-Ressortchefin.

Korosec formuliert es offensiv: "Der Arbeitsmarkt für Ältere ist in Österreich ein Feld, das beackert werden muss." Ihrer Ansicht nach ist dafür ein Bündel an Maßnahmen notwendig. So solle es eine bessere Form der Altersteilzeit geben, die derzeit geltende sei "nicht vernünftig". Auch das ressortiert zu Arbeitsministerin Aschbacher. Demnach müssten verstärkt Lohnsubventionen für Betriebe genützt werden, damit Ältere Beschäftigung bekommen. Einmal mehr fordert sie auch eine Abflachung der Lohnkurven, weil derzeit langgediente, ältere Mitarbeiter für Unternehmen zu teurer sind.

8,6 Milliarden Euro an unbezahlten Tätigkeiten

Generell geht der ÖVP-Seniorenchefin gegen den Strich, dass Pensionisten und die ältere Generation von Politik und Medien nur als "Kostenfaktor" gesehen und als "klapprig" dargestellt würden. Tatsächlich bringt der Bund rund 20 Milliarden Euro pro Jahr für den Bundesbeitrag zu den Pensionen und die Beamtenpensionen aus dem Budget auf. Korosecs Partei, die ÖVP hat freilich zuletzt Ende November die begünstigte, abschlagsfreie Hacklerregelung ab 62 und auch die volle Pensionserhöhung schon im ersten Jahr nach dem Pensionsantritt auch mit dem Hinweis auf  die hohen Kosten im Eilzugstempo ohne jede Begutachtung im Nationalrat ab 2022 abgeschafft.

Korosec hält den Kosten mit Nachdruck Berechnungen entgegen, dass die ältere Generation ein "Wirtschaftsfaktor" mit Milliarden-Effekten sei. Als einen wichtigen Punkt nennt sie in diesem Zusammenhang die Leistungen älterer Menschen über 60 Jahren durch ehrenamtliche Tätigkeiten und durch informelle Pflege von Angehörigen. So würden 42 Prozent der Über-60-Jährigen unbezahlte Arbeit leisten: für ihre Kinder, für karitative Organisationen und auch im Hospizwesen. Allein diese Tätigkeiten hätten einen Wert von 2,5 Milliarden Euro im Jahr.

Fast so viel wie das Bildungsbudget

Noch größer ist die Bedeutung im Pflegebereich. Viele pflege- und betreuungsbedürftigte Menschen - in Österrreich gibt es rund 460.000 Bezieher von Pflegegeld - werden durch Angehörige betreut, die selbst bereits älter sind. Bei einem Aufwand von durchschnittlich 13 Stunden pro Woche ergebe das in Summe 600 Millionen Stunden unbezahlter Arbeit im Jahr. Das entspreche einem Wert von 6,1 Milliarden Euro durch ältere Menschen im Jahr, rechnet der ÖVP-Seniorenbund vor. Beides zusammengerechnet ergibt in Summe 8,6 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspreche, wie Korosec hervorstreicht, fast der Summe des so wichtigen Bildungsbudgets pro Jahr.

Dazu kommen noch die Einnahmen aus Steuern und Abgaben. 2,3 Millionen Menschen in Österreich oder rund ein Viertel der Bevölkerung ist älter als 60 Jahre. Diese Gruppe leistet Zahlungen in Form von Abgaben und Steuern von 17 Milliarden Euro pro Jahr an den Staat: den Großteil durch Lohn- und Einkommenssteuer sowie Sozialabgaben mit 12 Milliarden Euro sowie fünf Milliarden Euro durch Umsatzsteuern.