Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Jänner drastisch senken. "Mein persönlicher Traum wäre es, auf unter 1.000 Fälle pro Tag zu kommen", sagte er im APA-Interview. Nach 2.550 Neuinfektionen am Mittwoch sind am Donnerstag 2.913 Fälle gemeldet worden. Der Anteil positiver Tests lag am Silvestertag weiter bei über zehn Prozent.
In die Impfung setzt Anschober große Hoffnungen, warnt aber vor einem falschen Sicherheitsgefühl: Man müsse weiter vorsichtig sein, Maßnahmen wie die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht werden Österreich noch Monate begleiten. Festhalten will Anschober am geplanten Lockdown-Ende Mitte Jänner.

Der angepeilte Termin für das Auslaufen der derzeit gültigen harten Maßnahmen am 24. bzw. 18. Jänner (für alle, die sich "freitesten") werde aus derzeitiger Sicht halten. "Das ist das erklärte Ziel. Derzeit sieht es ganz danach aus", so Anschober. Zwar rechnet er fix mit Auswirkungen der Weihnachtsfeierlichkeiten auf die Neuinfektionszahlen. "Aber gleichzeitig haben wir die Lockdown-Regelungen seit dem 26.12., und die wird sich stark auswirken. Das heißt: In Summe müsste es eine deutliche Reduktion des Ansteckungsgeschehens geben."

Kurz zu "Freitesten"-Kontrolle

Das "Freitesten" wird laut Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in der Gastronomie durch die Gesundheitsbehörden erfolgen. Im Kultur-, Sport- oder Tourismusbereich werden die Betreiber für die Überprüfung zuständig sein, sagte Kurz am Mittwoch in der "ZiB 2". Die Gastronomie wird man ab 18. Jänner mit einem eine Woche alten Corona-Test nutzen können, für alle anderen Einrichtungen wird der Test maximal 48 Stunden alt sein dürfen.

Für die Stichprobenkontrollen in der Gastronomie werde die Gesundheitsbehörde auch "auf die Hilfe anderer Behörden zurückgreifen können, wie zum Beispiel von der Polizei", so Kurz.

Sieben-Tages-Inzidenz auf unter 100 bringen

Anschobers erklärtes "Mindestziel" sei, die Sieben-Tages-Inzidenz auf unter 100 zu bringen (von derzeit rund 150). Den Reproduktionsfaktor will der Gesundheitsminister bei höchstens 0,8 sehen - "wenn es irgendwie geht noch ein bisschen darunter", wiederholte er seine Ziele. Und die mit Corona-Patienten belegten Intensiv-Betten will er von zuletzt deutlich über 400 in Richtung 200 drücken. "Weil dann hätten wir erstmals seit langem wieder eine relativ 'normale Arbeitssituation' in den ICU (Intensivstationen, Anm.), mit der Möglichkeit, schrittweise aufgeschobene Operationen nachzuholen."

Mit den Mitte Jänner geplanten Gratis-Massentests soll dann "noch einmal die Infektionssituation reduziert werden", indem auch symptomlos Infizierte aus dem Infektionszyklus rausgeholt werden. Die konkreten Regeln zu den Tests will der Minister in der ersten Jännerwoche vorstellen - dann soll auch bereits genau definiert sein, welche Berufsgruppen regelmäßig getestet werden sollen. Im Grundzug stehen diese schon fest, so der Minister: Es gehe um Lehrer, Elementarpädagogen, Friseure, andere körpernahe Dienstleistungen, den Gastronomiebereich und den Handel mit Kundenkontakt, sowie um Beschäftigte im Öffentlichen Verkehr mit unmittelbarem Fahrgastkontakt und Gesundheitsberufe mit "intensiverem Patientenkontakt". Für die Massentests braucht es noch einen Gesetzesbeschluss, dieser soll ebenfalls Anfang Jänner erfolgen.

Trotz Impfung weiter auf Abstand, Handhygiene und Masken achten

Nach den Massentests gelte es, schrittweise weiter in Richtung Impfungen zu gehen. Anschober warnte aber davor, mit dem Impf-Start die gewohnten Schutzmaßnahmen (Abstand, Handhygiene und Masken) über Bord zu werfen: "Die Impfung ist der Schlüssel zur Wende. Dieser muss aber jetzt von der Bevölkerung auch angenommen und umgesetzt werden. Gerade die nächsten Monate während des Ausrollens der Impfung werden nochmals eine sehr schwierige Phase, da werden wir alle nochmals besonders gefordert sein. Die Impfung wird kein Umschalten eines Hebels sein, sondern es wird ein schrittweiser Prozess der Verringerung des Risikos sein." Ziel sei, dass jeder, der sich impfen lassen will, bis in den Sommer hinein auch ein Impfangebot bekommt, wiederholte er. Abhängig sei der Plan von den Terminen der Zulassungen der Impfstoffe und der Lieferungen.

Zurückhaltend blieb der Minister auch bei der Frage, ob Weihnachten 2021 ein "normales" sein könnte: "Ich traue mir da überhaupt keine Prognose zu. Ich hoffe darauf, dass wir in der zweiten Hälfte 2021 ein schrittweise einfacheres Leben haben und die Pandemie uns nicht mehr dominiert, sondern wir die Pandemie auf eine ganz kleine Ebene begrenzt haben." Grundsätzlich zeigte sich Anschober davon überzeugt, "dass die Welt nach der Pandemie nicht mehr so sein wird wie vor der Pandemie". Er rechnet mit einer "Glokalisierung": Zwar brauche es weiterhin dringend die Weltoffenheit auf der einen Seite, mit offenen Grenzen, aber auf der anderen Seite erwartet er auch eine stärkerer Regionalisierung in der Wirtschaft und beim Einkaufsverhalten.

Für die Schulen rechnet Anschober mit einer Rückkehr in den Präsenzunterricht wie geplant ab 18. Jänner. An der derzeit gültigen Regelung, dass in Schulklasse oder Kindergartengruppen Personen mit engen Kontakten zu positiv getesteten Kindern unter zehn Jahren als Kategorie II-Kontakt eingestuft werden und damit weiter die jeweiligen Einrichtungen besuchen können, sind laut Anschober keine Änderungen geplant. Man werde aber Anfang Jänner noch einmal gemeinsam mit dem Bildungsministerium die Rahmenbedingungen für den Schulstart durchgehen - und u.a. auch die Regelungen für die Kinder unter zehn Jahren besprechen. (apa)