Es ist sein viertes Antreten, und der Stadtchef fürchtet nach fast 17 Jahren im Amt vor allem einen Gegner: eine niedrige Wahlbeteiligung. Der Bürgermeister von St. Pölten, Matthias Stadler, ruft daher die rund 46.000 Wahlberechtigten in der niederösterreichischen Landeshauptstadt auf, ihre Stimme bei der Gemeinderatswahl am 24. Jänner abzugeben. Die Corona-Epidemie und der jedenfalls bis 18. Jänner dauernde Lockdown kommen als zusätzliches Handicap dazu. Schon ab dem heutigen 4. Jänner besteht daher die Chance, mittels Briefwahl seine Stimme abzugeben.

Satte 59 Prozent der Stimmen hat Stadlers SPÖ vor fünf Jahren erhalten. Während die Sozialdemokraten mit rund einem Fünftel Wähleranteil auf Landesebene einen schweren Stand gegen die alle umarmende ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner haben, während im einst ebenso tiefroten Wiener Neustadt mit Klaus Schneeberger seit 2015 ein ÖVP-Mann schon in seiner zweiten Amtsperiode ist, scheint im Eisenbahnknotenpunkt St. Pölten alles auf Schiene. Die Stadt an der Traisen ist so etwas wie die rote Erbpacht in dem über Jahrzehnte als schwarzes Kernland bezeichneten Niederösterreich. Dazu trug auch bei, dass die SPÖ-Bürgermeister in St. Pölten, das erst seit 1986 Landeshauptstadt ist, verstanden haben, sich vor allem in finanziellen Dingen mit dem Land zu arrangieren.

Ähnlich wie zuletzt im Oktober in Wien muss die FPÖ Einbußen befürchten. Noch dazu, weil sie bei der Wahl 2016 mit 14,7 Prozent in der Hochphase der Freiheitlichen auf Bundesebene auch in St. Pölten eine Rekordmarke geschafft hat. Die Gegner erhoffen sich, von den schwächelnden Blauen zu profitieren. FPÖ-Spitzenkandidat Klaus Otzelberger will naturgemäß dem blauen Bundestrend trotzen und setzt auf langerprobte Themen wie Kritik an Kriminalität und an der Mindestsicherung.

Wie auf Bundesebene versucht ÖVP-Spitzenkandidat Matthias Adl, der vom Tiefststand von 20,3 Prozent ins Rennen geht, bei den Bürgersorgen wegen Kriminalität den Freiheitlichen das Wasser abzugraben. Zugleich prangert Adl an, dass viele Familie inzwischen lieber im Umland der Landeshauptstadt wohnen wollen beziehungsweise müssen.

Bürgermeister Stadler kann darauf setzen, dass die Wähler mit ihm eine vertraute Größe haben. Bei Verkehrsproblemen wie in vielen anderen Städten will er mit vermehrter Radnutzung und einem Ausbau und der Verdichtung der öffentlichen Verkehrsmittel den Hebel ansetzen.

Sechs Parteien, 46.621 Wahlberechtigte

Grüne, Neos und KPÖ laufen neben SPÖ, ÖVP und FPÖ auch noch um jede Stimme mit. Die Grünen tun das mit einer Frau als Spitzenkandidatin, mit Christina Engel-Unterberger. Verdoppelung der Mandate klingt ambitioniert. Würde aber nur zwei statt einem Mandat 2016 bedeuten.

Angesichts der klaren Ausgangsposition wird außerhalb St. Pöltens mit Interesse verfolgt werden, wie das so ist: eine Gemeinderatswahl knapp nach dem Corona-Lockdown. Zum Kampf um die rote Bastion mit exakt 46.621 Wahlberechtigten treten am 24. Jänner sechs Parteien an: SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, Neos und die zuletzt 2001 kandidierende KPÖ. Das Stärkeverhältnis im Gemeinderat mit insgesamt 42 Sitzen lautet: SPÖ 26, ÖVP 9, FPÖ 6, Grüne 1. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 63,6 Prozent.