Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ändert einmal mehr seine Pläne im Kampf gegen die Corona-Epidemie. Nach den ersten Corona-Impfungen am 27. Dezember wird jetzt doch nicht bis 12. Jänner bis zur zweiten Runde zugewartet. Bereits ab dem heutigen Dreikönigstag erfolgen weitere Impfungen. Der Grund dafür ist der stark gestiegene Druck, weil bereits Zehntausende weitere Impfdosen nach Österreich geliefert, aber noch nicht eingesetzt wurden. In Wien kommen bis zum 12. Jänner 5000 Impfdosen zur Anwendung.

Seit Dienstag können Alten- und Pflegeheime sowie Trägerorganisationen beim E-Shop der Bundesbeschaffungsagentur für Heimbewohner und Mitarbeiter Impfdosen bestellen. Bereits am Dienstagnachmittag waren, wie das Gesundheitsministerium der "Wiener Zeitung" mitteilte, knapp 40.000 Impfdosen bestellt. Bis Ende dieser Woche werden nach Angaben des Ressorts rund 122.000 Impfdosen in Österreich angekommen sein.

Entgegen den noch zu Wochenbeginn bekräftigten Plänen, einheitlich mit dem bundesweiten Start der zweiten Runde der Corona-Impfungen in den Pflegeheimen am 12. Jänner zu beginnen, reagiert das Gesundheitsministerium auf die stark anschwellende Kritik, warum bereits vorhandene Impfdosen nicht gleich verwendet werden. Laut Informationen der Austria Presseagentur von Mittwochfrüh wird der offizielle Start jetzt vorgezogen, noch diese Woche werden daher 21.000 Impfdosen eingesetzt.

Sektionschefin hat Impfplan noch verteidigt

Bisher waren seit 27. Dezember rund 6800 Impfungen erfolgt. Bei der ersten Impfung an der Wiener  Medizin-Uni waren Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Anschober vor laufenden TV-Kameras dabei noch selbst mit im Bild gewesen. Nachrichten, dass andere Länder bereits in Relation zur Bevölkerungszahl viel mehr Impfungen vorgenommen haben, haben zuletzt die türkis-grüne Bundesregierung unter Zugzwang gebracht.

Während die neue zuständige Sektionschefin für öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, am Dienstagabend in der "ZiB 2" stellvertretend für den Minister noch den bisherigen Impfplan ab 12. Jänner verteidigte und betonte, man sei "genau im Plan", wird dieser nun über den Haufen geworfen.

Hintergrund dafür ist, dass in Österreich weiter jeden Tag Dutzende Corona-Patienten sterben. Darunter ist ein großer Anteil von Menschen, die in Pflege- und Seniorenheimen wohnen. Damit war offenkundig ein weiteres Zuwarten mit der zweiten Runde der Corona-Impfungen für Regierung und Gesundheitsminister nun nicht mehr haltbar.

Nach jüngsten Angaben aus dem Gesundheitsressort sollen bis kommenden Dienstag 71.000 Impfdosen zur Anwendung kommen. Auch die kommende Woche erwarteten 60.000 weiteren Impfdosen sollen rasch eingesetzt werden. In Wien erfolgen die Impfungen mit den 5000 vorhandenen Impfdosen in 15 Einrichtungen in Pflegeheimen und Corona-Stationen von Spitälern.