Bildungsminister Heinz Faßmann wird mit der türkis-grünen Bundesregierung am Mittwoch bekanntgeben, wie es nach dem Lockdown, der seit dem 26. Dezember läuft, und dem Heimunterricht nach den Weihnachtsferien in den Schulen ab kommendem Montag weitergeht. Gleichzeitig zeigen sich in der Praxis bei den von Faßmann in der Vorwoche angekündigten Corona-Selbsttests für Schüler und Lehrer neue Schwierigkeiten. Speziell in Wiener Pflichtschulen mit einem hohen Anteil an Eltern mit Migrationshintergrund gibt es offenkundig Probleme mit den Einwilligungserklärungen, die die Schulleitungen für die Durchführung der Selbsttests von den Erziehungsberechtigten online einholen müssen.

Der Vorsitzende der roten Pflichtschullehrergewerkschafter, Thomas Bulant, appelliert daher an den Bildungsminister, kurzfristig die Vorgangsweise umzustellen oder zu erweitern, damit die Einverständniserklärungen der Eltern kurzfristig tatsächlich eingeholt werden können. Sein der "Wiener Zeitung" vorliegender Vorschlag zielt darauf ab, dass statt der Einholung der online verschickten Erklärung diese unmittelbar vor dem Unterricht vor den Schulen erfolgt. Derzeit muss die Einwilligungserklärung digital während des Lockdowns organisiert werden.

Bulant befürchtet, dass bei einer digitalen Abwicklung viele Schüler keinen Selbsttest absolvieren können, weil die Einwilligungserklärung der online übermittelten und grundsätzlich ausformulierten Zuschrift nicht vorliegen werde. Viele Familien im Pflichtschulbereich, wo der Anteil in Volksschulen und Mittelschulen mit Schülern aus sozial und finanziell schlechter gestelltem Elternhaus oder vor allem mit Migrationshintergrund groß ist, hätten gar keinen Drucker, um das Schriftstück auszudrucken und den Schülern unterschrieben in die Schule mitzugeben. Ohne Einwilligung bleibt den betroffenen Schülern in Volks- und Mittelschulen jedoch der vom Bildungsministerium angebotene Selbsttest verwehrt.

Faßmann sieht in den Selbsttests für Lehrer und Schüler die Möglichkeit, ab 18. Jänner wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen. Pflichtschüler sind seit 7. Jänner wieder im Heimunterricht, bei Oberstufenschülern mit Ausnahme der Maturaklassen dauert dieser bereits seit Anfang November. Von Schulexperten gibt es deswegen immer lautere Warnungen vor negativen Folgen für die Schüler.

Einwilligung noch am Freitag

Pflichtschullehrergewerkschafter Bulant sieht akuten Handlungsbedarf für das Ministerium. Damit nicht Volks- und Mittelschüler reihenweise von den Selbsttests ausgeschlossen bleiben, sollten seiner Meinung nach die Einwilligungserklärung noch am Freitag dieser Woche und die Ausgabe der Test-Kits erfolgen.

Am vergleichsweise einfachsten wäre das seiner Ansicht nach direkt vor den Schulen kurzfristig organisierbar, auch wenn die Zeit bereits knapp ist. Damit könnte der Präsenzunterricht ab kommenden Montag, wie von Faßmann angepeilt, ermöglicht werden. Noch ist allerdings bis Mittwoch offen, ob es angesichts der nach wie vor hohen Zahlen an Corona-Neuinfektionen trotz des dritten Lockdowns und der weiter hohen Zahl an Corona-Patienten in Intensivstationen ab Montag überhaupt zur Rückkehr zum Unterricht in die Schulen kommt.