Wien. Die gute Nachricht für Christine Aschbacher, Ministerin außer Dienst: Die Fachhochschule Wiener Neustart will den Plagiatsvorwürfen "zügig, fair und sorgfältig" nachgehen. "Wir wissen, dass da der gute Ruf und ein persönliches Schicksal dran hängen", sagt FH-Geschäftsführer Armin Mahr im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Zugleich sagt Mahr auch: "Die Schlüsse aus den Ermittlungen müssen wasserdicht sein." Sie müssten in allen folgenden rechtlichen Schritten, vom möglichen Aberkennungsverfahren, bis hin zu einer möglichen Berufung vor dem Verwaltungsgericht standhalten: "Ich gebe den Kollegen die Zeit, die sie brauchen. Bis es profunde Ergebnisse gibt, ist es aber keine Frage von Wochen, sondern eine Frage von Monaten."

Viele Verfahrensschritte

"Es ist klar, dass es sich bei der Arbeit nicht um eine pulitzer-preisverdächtige handelt", sagt Mahr, erlaubt sich darüber hinaus aber kein Urteil und möchte keinesfalls vorverurteilen. Tatsächlich obliegt die inhaltliche Prüfung der Aschbacher-Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 laut Auskunft des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums den internen Prüforganen jeder FH, "ist somit Sache der gesetzlich verankerten Autonomie".

An der FH Wiener Neustadt hat nun der Vorsitzende des Kollegiums damit begonnen, die Rechtslage aus den Jahren 2005 und 2006 und den damaligen Maßstab an wissenschaftliche Abschlussarbeiten zu erheben - und ob Aschbachers Arbeit von ihr verfasst wurde. "Er arbeitet dabei weisungsfrei und unbeeinflusst, auch von mir und vom Aufsichtsrat", versichert Mahr. Keine unwesentliche Frage, denn der Wiener Neustädter Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) hat sich als Aufsichtsratsvorsitzender der FH bereits zu Wort gemeldet, nicht inhaltlich, er sagte aber, er habe "eine umgehende Prüfung der Sachlage in Auftrag gegeben". Die FH befindet sich zu 70 Prozent im Eigentum der Stadt Wiener Neustadt, zu 26 des Landes Niederösterreich, zwei Prozent gehören Wieselburg und ein Prozent Tulln.

Im zweiten Schritt geht es um die inhaltliche und rechtliche Beurteilung der Vorwürfe. Nicht Mahr entscheide, ob externe Gutachten beauftragt werden. Die Auswahl derselben könnte auch extern erfolgen. Dafür in Frage kommen nicht nur Plagiatsgutachter Stefan Weber, der die Causa ins Rollen brachte, sondern auch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität oder Hochschulen im Ausland. Ergebnis des Ermittlungsverfahrens könnte auch sein, dass die Arbeit den "damaligen Kriterien" genügte, kein Aberkennungsverfahren folgt. Im ersten Schritt gehe es auch um die Täuschungsabsicht, nicht nur um die Qualität der Arbeit. Folgt ein Aberkennungsverfahren, könne das dann aber schnell gehen: "Wir wollen uns in keinem Schritt angreifbar machen, müssen es aushalten, dass es für manche Bürgerinnen und Bürger schneller gehen soll", sagt Mahr.

Der damalige Diplomarbeitsbetreuer, Karl Pinczolits, ist aktuell weder angestellt noch als externer Lektor an der FH tätig, betreut auch keine Abschlussarbeiten. Mahr will auch ihn nicht vorverurteilen, versichert aber, dass Pinczolits ein guter Vortragender sei. Dass die Lehre an der FH grundsätzlich Qualität habe, zeige auch, dass man den Ars-Docendi-Staatspreis erhalten habe.