Die Austritte aus der katholischen Kirche sind im vergangenen Jahr gegenüber 2019 gesunken, und zwar um 13,7 Prozent. Sie lagen damit etwas unter jenen von 2018. Die Katholikenzahl in Österreich ging 2020 um 1,5 Prozent auf 4,91 Millionen zurück, ergeben die am Mittwoch laut Kathpress von den österreichischen Diözesen veröffentlichten Statistiken.

Insgesamt traten 58.535 Personen im Vorjahr aus der katholischen Kirche aus. 2019 waren es laut amtlicher Statistik 67.794. Alle österreichischen Diözesen meldeten einen Rückgang bei den Austrittszahlen. Den größten verzeichnete Gurk-Klagenfurt mit minus 32,9 Prozent. 2019 hatte dort die Causa rund um ihren ehemaligen Bischof Alois Schwarz für einen starken Anstieg der Austritte gesorgt.

In der Reihung der Austrittsrückgänge folgt dann Graz-Seckau (-15,5 Prozent), Innsbruck (-15,1), Wien (-14,1), Feldkirch (-13,0), Eisenstadt (-12,1), Linz (-8,9), St. Pölten (-6,7) und Salzburg (-4,2). Österreichweit wurden 3.807 Personen in die Kirche wieder oder neu aufgenommen.

2010 Rekordzahl mit 86.000 Austritten

Die Kirchenaustritte lagen damit 2020 etwas unter jenen von 2018 (58.807). 2017 verließen 53.698 Katholiken die Kirche, 2016 waren es 54.969, 2015 56.599, 2014 55.003, 2013 54.869, 2012 52.336, 2011 59.023 und 2009 53.269. 2010 musste die Kirche 85.960 Austritte verzeichnen - ein historischer Höchststand -, was damals zu einem Gutteil auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich zurückzuführen war.

Insgesamt gab es mit Stichtag 31. Dezember 2020 in Österreich 4,91 Mio. Katholiken. 2019 waren es laut amtlicher Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz 4,98 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von rund 1,5 Prozent. Maßgebliche Faktoren für den leichten Rückgang der Katholikenzahl seien jedenfalls nicht nur das Verhältnis von Austritten zu Kircheneintritten, sondern vor allem auch von Taufen zu Sterbefällen und von Zuzügen zu Wegzügen, hieß es.

Auch weniger Messbesucher und Taufen

Die römisch-katholische Kirche in Österreich hat am Mittwoch neben den Mitgliederzahlen 2020 auch ihre pastoralen Kennzahlen für das Jahr 2019 - also noch vor der Coronakrise - veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der sonntäglichen Messbesucher oder der Taufen zurückgegangen, während es etwas mehr Erstkommunionen gab. Die Kirchenbeitragseinnahmen stiegen um rund 1,5 Prozent auf 481 Mio. Euro.

An den sogenannten "Zählsonntagen" wurden 2019 zwischen 497.000 und 533.000 Messbesucher gezählt, während es 2018 noch zwischen 502.000 und 554.000 waren (2017: 545.000 bis 571.000, 2016: 545.000 bis 595.000, 2015: 568.000 bis 606.000, 2014: 577.000 bis 623.000).

Knapp 3700 Priester in Österreich

Die Zahl der in Österreich wirkenden Priester sank von 3.783 auf 3.689, auch die Zahl der Ordensmänner und -frauen ging zurück. Von Stabilität geprägt blieb das Netz der Pfarrgemeinden: Die Statistik für 2019 weist insgesamt 4.291 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus (2018: 4.298, 2017: 4.299, 2016: 4.314, 2015: 4.317, 2014: 4.326, 2013: 4.327, 2012: 4.324), davon 3.043 Pfarren und 1.248 sonstige Seelsorgestellen.

Die Zahl der Taufen lag 2019 bei 44.977, ein deutlicher Rückgang gegenüber 2018 (47.312). Die Zahl der kirchlichen Trauungen sank von 11.155 auf 9.842. Die Zahl der Erstkommunionen stieg leicht, Rückgänge gab es hingegen bei kirchlichen Trauungen, Begräbnissen und Firmungen.

Finanziell konnten die katholischen Diözesen in Österreich für 2019 leichte Steigerungen beim Kirchenbeitragsaufkommen und insgesamt fast ausgeglichene Bilanzen verzeichnen. Der Großteil der Einnahmen der Diözesen stammt aus dem Kirchenbeitrag. 2019 waren es knapp 481 Mio. Euro (75 Prozent der Gesamteinnahmen), 2018 lagen die Kirchenbeiträge bei rund 474 Mio. Euro.

637 Millionen Euro an Einnahmen

Das unter den zehn katholischen Diözesen akkordierte Zahlenwerk enthält neben einer Gebarungsübersicht auch einen Rechenschaftsbericht, der einen Einblick in Einkünfte und Aufwendungen zulässt. Insgesamt verzeichnen die Diözesen 2019 Gesamteinnahmen in der Höhe von über 637 Mio. Euro (2018: 634 Mio.). Dem stehen Aufwendungen von 641 Mio. Euro (2018: 639 Mio.) gegenüber.

Aufgrund eines positiven Finanzergebnisses weist die Gebarungsübersicht der Diözesen insgesamt ein positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in der Höhe von rund 16 Mio. Euro (2018: 4 Mio.) und ein Gesamtbudget von 657 Mio. Euro aus (2018: 642 Mio.) aus. (apa)