Die Verdachtsfälle auf die infektiösere britische Variante des Sars-CoV-2-Erregers häufen sich. Auch Vorarlberg, Oberösterreich und Niederösterreich meldeten mögliche Mutationen, die Bestätigung kann jedoch erst über Sequenzierungen erbracht werden. Das ist jedoch auf aufwendiges Verfahren, das einige Tage in Anspruch nimmt.

Der Verdacht entsteht, wenn ein PCR-Test auf einmal ein spezifisches Gen nicht mehr erkennt, das er bisher erkannt hat. Das passiert, weil die neuen Varianten aus Großbritannien und Südafrika in diesem Gen Mutationen aufweisen. Dass das Virus in Österreich angekommen ist, ist bereits Tatsache, unklar ist, wie stark die Verbreitung ist.

Keine weiteren Verdachtsfälle in Jochberg

Immerhin ist bei einem Screening in Jochberg, an dem bisher zwei Drittel der Bevölkerung teilgenommen haben, kein weiterer Verdachtsfall dazu gekommen. Es bleibt bei jenen 17 vorwiegend britischen Skifahrern, die sich offenbar bei ausgiebigen Feierlichkeiten infiziert haben. Sie dürften dabei günstiger Weise vor allem unter sich geblieben sein.

Abwasser als Indikator?

Eine Idee, um die Verbreitung besser einschätzen zu können, ist, sich das Abwasser genauer anzusehen. Seit dem Frühsommer gibt es bereits ein Monitoring in den Kläranlagen. Die Uni und MedUni in Innsbruck, die TU Wien und die Gesundheitsagentur Ages arbeiten mit dem Umweltbundesamt zusammen, nun ist auch die Gruppe von Molekularbiologe Andreas Bergthaler am Forschungsinstitut für Molekulare Medizin involviert, die Sequenzierungen vornimmt.

Vor etwa zwei Wochen erklärte Bergthaler, dass es kein Hinweis im Abwasser gibt. Das heißt aber nicht, dass die Variante noch nicht verbreitet ist. Man steht noch am Beginn dieser Zusammenarbeit, und es ist noch unsicher, wie hoch die Detektionsschwelle ist, also wie stark das neue Virus verbreitet sein muss, bis man es im Abwasser wirklich nachweisen kann.

In Wien gibt es einen Verdachtsfall, und zwar nicht nur im Pflegeheim, sondern auch im Abwasser, wobei beides – theoretisch – auch zusammenhängen kann. Derzeit wird versucht, den Nachweis zu erbringen. Über den PCR-Test einen Verdacht zu finden, ist im Abwasser  aber schwieriger, da es sich immer um eine Mischung handelt. Das Virus wird von Infizierten ausgeschieden, wobei die Virusmenge auch pro Person variiert. Es können viele Mutationen in einer Probe sein, dazu kommt die Verdünnung. Aus den Funden im Abwasser lässt sich auch keine genaue Inzidenz ermitteln, wohl aber erkennt man bei Analysen, ob die Prävalenz hoch oder niedrig ist.

Früher Nachweis

Der Vorteil dieser Abwassertests besteht darin, dass es eine frühe Anzeige darstellt. Infizierte scheiden bereits Virus aus, bevor sie erkranken, und oft dauert es noch einige Tage, bis sich der Infektionsfall in den offiziellen Zahlen wiederfindet. Beim Nachweis der neuen Variante kommt noch die Dauer der Sequenzierung hinzu.

Was man jedenfalls weiß: Es gibt unzählige Mutationen, und dominante Mutationen im Abwasser lassen sich aus diesem gut herauslesen. Doch wie das bei ganz spezifischen Mutationen, wie der britischen Variante B.1.1.7., ist und wie hoch der Anteil sein muss, bis man sie findet, ist noch nicht klar.