In Österreich sind bisher rund 100 Verdachtsfälle der neuen britischen Coronavirus-Variante B 1.1.7. registriert worden. "Diese sind mehr oder weniger auf ganz Österreich verteilt", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese werden sequenziert, um letzte Sicherheit zu erlangen. Die Endergebnisse erwartet der Ressortchef bis Mitte kommender Woche. "Aber ich wäre überrascht, wenn wir viele Negativergebnisse hätten."

Das Problem an der neuen Mutation: Bei vollständiger Ausbreitung ist sie nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen um 50 Prozent infektiöser als die bisher dominante Virusvariante. Das würde bedeuten, der Reproduktionsfaktor - also wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt - würde um etwa 0,5 steigen. Derzeit liegt der Faktor bei 0,97. Das heißt, ein mit SARS-CoV-2 Infizierter steckt einen weiteren Menschen an. Würde der Reproduktionsfaktor auf 1,5 steigen, hieße das, dass zehn Infizierte 15 weitere anstecken. Die Infiziertenzahl würde sich innerhalb weniger Wochen veracht- oder gar verzehnfachen. "Die gute Nachricht: Alle bisherigen Maßnahmen nützen auch gegen B1.1.7.", sagte Anschober.

Man sei aber nicht zuletzt wegen der Entwicklung der neuen Variante auf die Bremse gestiegen, was die Maßnahmen nach dem geplanten Ende des Lockdowns am 24. Jänner betrifft, erläuterte der Gesundheitsminister. "Wir hatten ein fast fertiges Konzept, was den 24. Jänner betrifft." Die Situation werde überall in Europa analysiert, man stehe in engem Kontakt miteinander. Eine Prognose der Ausbreitung sei sehr schwierig. Nichtsdestotrotz will die Regierung in den kommenden Tagen ein Konzept für die weiteren Maßnahmen präsentieren. Was die weitere Entwicklung betrifft, zeigte sich Anschober dennoch "vorsichtig optimistisch": "Es gibt jeden Tag mehr Geimpfte, und wir haben jetzt die schwierigste Witterung." (apa)