Die Diskussion über Frauenquoten ist neu entbrannt - und zwar im Nachbarland Deutschland. Da hat die Regierung am 6. Jänner - sechs Jahre nach einem Kabinettsbeschluss - nun doch ein Gesetzesentwurf präsentiert, wonach in Vorständen mit vier und mehr Mitgliedern künftig zumindest ein Posten mit einer Frau besetzt werden muss. "Davon werden über 70 Unternehmen betroffen sein, von denen 31 aktuell keine Frau im Vorstand haben", heißt es auf Homepage des deutschen Frauenministeriums.

Im Vorfeld zeigte das Magazin "Stern" mit 40 Frauen in führenden Positionen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft auf, dass die Regierung Rückhalt bei der Quote hat und Quotenfrau kein Schmähbegriff mehr ist. Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der EU-Kommission, sagte beispielsweise, dass sie früher gegen die Quote war, "aber dann ist mir klar geworden, dass es über Jahrhunderte eine informelle Männerquote von 98 Prozent gegeben hat". Und Schauspielerin Maria Furtwängler fragte sich, "warum Männer sich ob dieser Tatsache nicht schämen".

Der Journalistinnen-Verein ProQuote, der sich seit 2012 für Frauenquoten einsetzt, griff die Debatte auf, macht unter dem Hashtag #ReframingQuotenfrau mit dem positiven Besetzen des Begriffes weiter. Das Frauennetzwerk Medien, ein Netzwerk, wo sich Journalistinnen und Medienfrauen seit gut 20 Jahren in Österreich gegenseitig die Räuberinnenleiter machen, die Autorin ist Vorsitzende desselben, hat die Aktion nach Österreich in die heimische Medienlandschaft getragen. Denn: Mit Quoten wäre es für Frauen einfacher, die unabhängig von Leistung gewachsenen überproportionalen Männerquoten in den Führungsebenen der Medien zu durchbrechen.

Frauen - und Männer - aller Hierarchieebenen für Quoten

Rund 100 Journalistinnen und Mitarbeiterinnen der Kommunikationsbranche aller Hierarchieebenen, darunter auch einige Männer, haben oder werden sich noch zu Quotenfrauen und zu Frauenquoten äußern. Für "Süddeutsche"-Korrespondentin Cathrin Kalweit sind Quotenfrauen beispielsweise "berufliche Aufsteigerinnen, die durch die kleine Luke in der gläsernen Decke klettern und dafür sorgen können, dass diese Luke nicht mehr hinter ihnen zufällt". ORF-Wien-Landesdirektorin Brigitte Wolf geht es mit Frauenquoten wie Winston Churchill mit der Demokratie: "Quoten sind eine denkbar schlechte Maßnahme, aber es gibt keine bessere." Christian Rainer, Chefredakteur und Herausgeber des Magazins "profil", ist sein Restleben zu kurz, "um zu warten, ob meine Töchter die richtigen Vorgesetzten, die richtigen Netzwerke, die richtigen Väter ihrer Kinder finden, um ohne Quoten gleichberechtigt Karriere zu machen".

Klar ist, ein Bekenntnis zur Quote scheint heutzutage nichts Rufschädigendes mehr zu sein. Quoten können für eine gleichmäßigere Verteilung auch der gut bezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern sorgen. Und: Bei tatsächlichen und vermeintlichen Quotenfrauen handelt es sich um weibliche Leistungsträgerinnen. Quotenregelungen verhelfen nur diesen Frauen zum Aufstieg in Posten, die sonst unhinterfragt mit einem Mann besetzt werden.

Mit mehr Frauen erfolgreicher und krisenresistenter

Divers geleitete Unternehmen sind erfolgreicher als solche mit einer rein männlichen Führungsebene. Die Unternehmensberatung McKinsey analysiert diesen Zusammenhang seit Jahren. In der neuesten Erhebung aus 2020 zeigt sich einmal mehr, dass der wirtschaftliche Erfolg in den Betrieben mit den meisten Frauen in der Führungsebene im Vergleich zu jenen, die mit weniger als zehn Prozent Frauen auskommen, um 48 Prozent höher ist. Die Rentabilität von ethnisch divers und international geführten Unternehmen ist sogar noch höher als jene, die "nur" auf weiße Frauen und Männer zurückgreifen.

Unternehmen, die nicht auf eine rein männliche, weiße Führung und Kontrollgremien zurückgreifen, sind außerdem auch krisenresistenter, wie sich im Nachfeld der Finanzkrise von 2008/09 zeigte. Mit Basel III gibt es deshalb eine Selbstverpflichtung zu einer Quote für die "unterrepräsentierte Geschlechtergruppe" für die Aufsichts- und Vorstandsebene von Kreditinstituten, die allerdings mangels Transparenz und ohne Sanktionen, wie die "Wiener Zeitung" berichtete, nicht wirkt. Laut EY-Studie haben Männer mit 92 Prozent in Österreichs börsennotierten Vorständen eine stabile Mehrheit; in Deutschland sind laut der Initiative "FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte" aktuell 90 Prozent Vorstandsposten männlich besetzt.

Die Krisenresistenz war auch ein Grund für die deutsche Politik gerade jetzt Nägel mit Köpfen zu machen und das "Zweite Führungspositionen-Gesetz" auf den Weg zu bringen: "Wir sehen, dass viele Frauen in Führungspositionen, beispielsweise als Regierungschefinnen, die Corona-Krise erfolgreich managen: unaufgeregt, pragmatisch, zielorientiert. Zu viele Unternehmen scheinen diesen Vorteil von Frauen nicht nutzen zu wollen, deshalb ist unser Gesetzesentwurf eindeutig", sagte die Bundesfrauenministerin Franziska Giffey im Vorfeld. Denn die Verpflichtung zu Zielvorgaben, die es bereits seit 2014 gibt, reichte nicht. Laut FidAR planten zuletzt 75 der 165 Unternehmen mit Zielgröße "null" - also frauenfreien Vorstandsetagen. Diesen drohen mit dem neuen Gesetz nun "empfindliche Bußgelder".

Quoten wirken transparent und mit Förderungen

Dabei ist die Erkenntnis, dass verpflichtende Quoten wirken, auch in Österreich nichts Neues. Im Parlament wurde die Klubfinanzierung 2019 bei einem Frauenanteil von mehr als 40 Prozent im Nationalrat und Bundesrat um einen Bonus von zusätzlichen drei Prozent erhöht - davon profitieren die SPÖ, die Grünen und Neos im Nationalrat, im Bundesrat auch die ÖVP.

Es gibt eine Quote von 35 Prozent für Aufsichtsgremien in Unternehmen mit einem Bundesanteil von 50 Prozent, sie lag 2019 bereits bei 43,3 Prozent. Für 28 börsennotierte Unternehmen in der Privatwirtschaft gilt seit 2018 eine 30-prozentige Quote in Aufsichtsräten. Auch mit dieser erhöhte sich der Frauenanteil laut "Frauen.Management.Report" der Arbeiterkammer von davor 22,4 auf 31,7 Prozent im vergangenen Jahr. Unternehmen, die keine Frau besetzen, müssen den Posten frei lassen.

Im Bundesdienst werden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt, bis der Anteil von 50 Prozent in der jeweiligen Funktionsgruppe erreicht ist, laut Bundes-Gleichbehandlungsbericht 2020 wuchs der Frauenanteil auf 42,5 Prozent. Er lag allerdings schon 1999 bei 41,2 Prozent. In der Exekutive ist der Frauenanteil zwischen 2017 und 2019 von 16,5 Prozent auf 18,5 Prozent, beim Militär von 2,5 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen.

Die Quote braucht, um Wirkung zu entfalten, Transparenz, Sanktionen und Benefits. Auf Letztere setzt zum Beispiel TU-Vizerektorin Anna Steiger. Auch hier ist der Anteil mit 23 Professorinnen (14,3 Prozent) und 139 Professoren 2019 gering. 2016 waren es allerdings erst 17 Frauen bzw. 11,2 Prozent. Steiger startete damals einen Wettbewerb unter den TU-Fakultäten, der "Preis" für Frauenförderungsstrategien und Zielvorgaben waren zusätzliche Laufbahnstellen für Frauen und Professorinnen, "Es geht also, auch wenn der Pool an Frauen nicht so groß ist und wir im internationalen Wettbewerb suchen, wenn die Verantwortlichen die Vorteile für sich erkennen", freut sich Steiger. Benefits, die Politik und Wirtschaft auch mit Vorstandsquoten für Unternehmen heben könnten.