Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verkündete eine Entscheidung, die ihn alles andere als glücklich mache, sie sei auch "alles andere als populär" sei, aber die Virusmutation verschärfe die Ausgangslage in der Pandemiebekämpfung. Ein ständiges "Auf-Zu-Auf-Zu" bringe niemanden etwas, ein Ende des Lockdowns zum aktuellen Zeitpunkt sei "Leichtsinn, ich würde sogar sagen: Fahrlässigkeit", sagte der Kanzler. Deshalb habe man sich gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Landesregierungen sowie nach Beratung von nationalen und internationalen Experten dazu entschlossen, den Lockdown bis zum 7. Februar zu verlängern.

Darüber hinaus werden die Abstandsregeln von einem auf zwei Meter verschärft, wenn Personen, die nicht im selben Haushalt leben, in geschlossenen Räumen aufeinander treffen. Die Betriebe ersucht der Kanzler auf Homeoffice zu setzen. Ziel sei es damit, den Wert der Sieben-Tages-Inzidenz auf 50 zu senken, dieser Zahl bis zum 8. Februar "so nahe wie möglich zu kommen, im Idealfall erreichen wir ihn auch". Das würde knapp 700 Neuinfektionen pro Tag entsprechen. Nach den Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium (Stand 9.30 Uhr) kamen am Sonntag 1.267 Neuinfektionen dazu. Die Sieben-Tages-Inzidenz, also die Infizierten pro 100.000 Menschen in Österreich, liegt laut Ages-Dashboard aktuell bei 131.

Kanzler Kurz kündigte "Normalität" für den kommenden Sommer an. "In einer Pandemie gibt es keine Planbarkeit, wir sind keine Hellseher". Es sei wahrscheinlich, dass ab dem Zeitpunkt, wo die über 65-Jährigen geimpft sind, es zu keiner Überlastung der Spitäler mehr komme. Das aber hänge davon ab, wann die Zulassungen der weiteren Impfstoffe genau erfolge. Je nach Zulassung der Impfstoffe könne man im April, spätestens Mai die Richtung dafür vorgeben. Außerdem spiele die wärmere Jahreszeit eine positive Rolle bei der Pandemiebekämpfung.

Tourismus und Gastronomie bleiben zu

Am 8. Februar können Handel, körpernahe Dienstleistungen wie etwa Frisöre oder Masseure und Museen wieder aufsperren, für die Schulen in den Bundesländern im Osten Österreichs bedeutet das einen Schichtbetrieb ab diesem Zeitpunkt, für die anderen einen nach den Semesterferien. Den Tourismus und in die Gastronomie vertröstete der Kanzler auf März, Mitte Februar werde die Lage evaluiert. In der Pressekonferenz nannte er den März als frühesten Termin für eine Wiedereröffnung, den Februar schloss er aus. Für Kritik dürfte sorgen, dass Skifahren und Eislaufen weiterhin erlaubt bleiben. Die Frage war laut steirischem Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) unter den Länder-Chefs nicht unumstritten, man habe sich aber entschieden, die geltenden Regeln für die restlichen Lockdown-Wochen nicht wieder zu ändern.

Ab dem 25. Jänner werden FFP2-Masken im öffentlichen Verkehr und im Handel Pflicht sein. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erläutert, dass diese im Einzelhandel zum Selbstkostenpreis erhältlich sein werden. "Für einkommensschwache Personen werden sie kostenlos zur Verfügung gestellt werden", sagte Anschober.

Oberösterreich und die Steiermark verlegen Semesterferien

Wien und Niederösterreich starten ab 8. Februar in den Präsenzunterricht an den Schulen. Oberösterreich und die Steiermark verlegen die Semesterferien um eine Woche nach vorne, somit starten alle restlichen Bundesländer am 15. Februar mit dem Unterricht vor Ort. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sprach von einem "nationalen Schulterschluss" und erklärte, dass auch er überzeugt sei, "dass das Impfen uns einen wesentlichen Schritt weiter bringt". Die Bundesländer hätten in den Gesprächen mit der Bundesregierung einerseits auf weitere Wirtschaftshilfen gepocht hätten, andererseits müsse man nun auf Investitionen der öffentlichen Hand als Unterstützung der Wirtschaft setzen.

Auch der Landeshauptmann Schützenhöfer sagte: "Es gibt keine Alternative zur Verlängerung des Lockdowns." Es sei für ihn eine Hauptfrage, dass alle Patienten unabhängig vom Alter in Spitälern, auch auf den Intensivstationen behandelt werden können. "Das Richtige zu tun ist nicht immer populär", sagte Schützenhöfer. "Wir müssen an das Land denken", freut er sich über den Schulterschluss zwischen Bundes- und Landespolitik: "Ich freue mich darüber, dass sich der Zusammenhalt wieder festigt, die Zusammenarbeit sei das Um und Auf." Ein Schulterschluss sei auch beim Impfen notwendig, da werde kein Wettbewerb stattfinden. 

Medizinische und wirtschaftliche Entwicklung

MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner erläuterte wie Tags zuvor nochmals die Expertensicht, und sagte, dass man mit der Virusmutation fünf Mal mehr Hospitalisierungs- und Intensivfälle zu erwarten habe. Nun erläuterte er, dass man eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 anstrebe. Weil der aktuelle Lockdown "seine volle Wirkung verloren" habe, seien  die zusätzlichen Maßnahmen FFP2-Masken im Handel, mehr Abstand als den Meter bis zur Wirkung der Impfung notwendig. Diese bezeichnet Wagner im Übrigen als "ein kleines Wunder", niemand habe damit gerechnet, dass es so rasch eine Impfung geben, die die Menschen vor schweren Erkrankungen schütze.