In Österreich wurden bis Donnerstag rund 162.000 Dosen an Covid-19-Vakzinen verimpft. In Israel wurden am Donnerstag 224.000 Dosen verimpft. Israel, das insgesamt bei 3,3 Millionen Impfungen hält, immunisierte damit an einem einzigen Tag mehr Menschen als Österreich insgesamt. Und auch wenn die beiden Länder mit ähnlicher Einwohnerzahl bei Impfungen aus verschiedenen Gründen nicht gut vergleichbar sind: Ein entscheidender Faktor für die Immunisierung der Bevölkerung im Wettlauf gegen das Virus bleibt auch hierzulande die Zeit.

Belastbare Prognosen für das weitere Impftempo sind indessen schwierig, weil sie von Details der künftigen Lieferungen abhängen, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einer Pressekonferenz am Freitag. Das große Fragezeichen ist dabei die Zulassung des für die heimische Impfstrategie entscheidenden AstraZeneca-Vakzins. Zuletzt stand im Raum, dass der Impfstoff nur für die Altersgruppe bis 55 Jahre zugelassen werden könnte. Anschober rechnet mit einer Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bis 29. Jänner. Danach soll der heimische Impfplan präzisiert werden.

Ursprünglicher Impfplan dürfte wackeln

Nach der Pressekonferenz wurde zudem bekannt, dass der Lieferumfang von AstraZeneca im ersten Quartal aufgrund der langwierigen EMA-Entscheidung geringer ausfallen könnte als erhofft. Österreich könnte demnach bis März statt der avisierten zwei Millionen Impfdosen nur 600.000 erhalten. Damit dürfte der Impfplan der Regierung wackeln, wonach alle über 65-Jährigen bis Ende März immunisiert sein sollten.

Die aktuellen Lieferengpässe von Biontech/Pfizer hatte Anschober in der Pressekonferenz noch als "verkraftbar" bezeichnet. Die "vulnerabelste Gruppe" solle trotzdem wie geplant bis Ende Februar durchgeimpft sein. Bei den bestellten Dosen habe in Österreich mit 11,1 Millionen der Pfizer-Impfstoff die Nase vorne. Von AstraZeneca habe man 5,9 Millionen Dosen geordert. Das entspreche auch der Priorität des EU-weiten Beschaffungsprogramms, wo man ebenfalls rund doppelt so viele Biontech- wie AstraZenaca-Dosen bestellt habe.

Im zweiten Quartal werde die Menge an gelieferten Dosen stark zunehmen. Auf die Bundesländer werde damit eine große logistische Herausforderung zukommen. In der "Arbeitsteilung" zwischen Bund und Ländern erwartet sich der Minister von Letzteren daher eine "sehr gute" Vorbereitung. Positiv hob Anschober die steigende Impfbereitschaft in Österreich hervor. Hier sei in den vergangenen Wochen eine "Stimmungswende" eingetreten. In den Alters- und Pflegeheimen liege die Impfbeteiligung mittlerweile jenseits der 80 Prozent.