Der Umstand, dass in der Kinderpsychiatrie mittlerweile entschieden werde müsse, welche Schulkinder zuerst stationär behandelt werden können, lässt bei SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid die Alarmglocken läuten. Sie sei "schockiert und irritiert" über diesbezügliche Berichte von Ärzten. Während die Bundesregierung erst kommende Woche entscheiden wird, ob der Lockdown mit 7. Februar und damit der Heimunterricht ab 8. Februar enden wird, drängt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auf eine Rückkehr in die Klassen: "Jeder Tag in der Schule ist ein gewonnener Tag."

Nicht nur ältere Menschen seien in der Corona-Krise besonders schützenswert, sondern auch die Kinder. Unter Hinweis auf die laut aktueller Studie zunehmenden psychischen Probleme von Kindern betont die frühere Bildungsministerin: "Das ist auch eine besonders vulnerable Gruppe."

Bis zu acht Wochen Sommerschule bei schulischen Defiziten

Hammerschmid zählt daher Pläne auf, die kurz- und mittelfristig notwendig seien, um Defiziten durch den wochenlangen Heimunterricht zu begegnen. Ihr Konzept reicht dabei von einem weitreichenderen Förderunterricht, was auch Bildungsminister Heinz Faßmann bei der Rückkehr zum Präsenzunterricht in den Schulen vorgesehen hat, bis hin zu dem von ihr stark unterstützten Ausbau der Sommerschulen von zwei auf bis zu acht Wochen in den Sommerferien - auch um die Versäumnisse durch den wochenlangen Unterricht zu Hause wegen der Coronabeschränkungen so gut wie möglich zu kompensieren. "Die zwei Wochen und nur im Unterrichtsfach Deutsch sind einfach zu wenig", kritisiert die SPÖ-Bildungssprecherin.

Vorbild könnten die Sommer-City-Camps sein, die die Stadt Wien schon länger durchführt.  Außerdem müsse das Fächerangebot ausgeweitet werden, neben Deutsch müssten die Sommerschulen jedenfalls auch Mathematik und Englisch anbieten. Als Alternative könne ein Schulangebot im Juli für jene Schüler, die Nachholbedarf haben, überlegt werden, wie sie erläutert: "Denken wir ohne Scheuklappen nach." Der SPÖ-Bildungssprecherin ist dabei wichtig, dass auch die Schulpartner an den einzelnen Schulstandorten, das sind Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter, viel stärker in solche Entscheidungen einbezogen werden, weil diese besser wissen, was jeweils möglich und notwendig sei. Sonst müsse alternativ Unterricht in den Schule für jene Schüler, die Schwierigkeiten haben, "überlegt" werden. 

Blockunterricht statt Einzelstunden

Um Probleme und Defizite durch den wochenlangen digitalen Unterricht zu Hause zu reduzieren, fordert die ehemalige Bildungsministerin, dass der Förderunterricht viel stärker ausgebaut werden müsse, als dies Minister Faßmann angekündigt hat, der zuletzt ein Volumen von 200 Millionen Euro zugesagt hat. Zwei Stunden pro Woche und Klasse, wie von Faßmann angekündigt, reichen Hammerschmid nicht aus. Vielmehr seien zwei Stunden pro Woche in jedem Schularbeitsfach notwendig. Wichtig sei auch, dass dies in Kleingruppen erfolge. 

"Die Kinder gehören so schnell wie möglich in die Schule", lautet die oberste Maxime für die SPÖ-Bildungssprecherin. Sie sei allerdings aufgrund der Informationen, die in den letzten Tagen aus dem Bildungsministerium kamen "nicht überzeugt", dass die Rückkehr zum Präsenzunterricht in den Klassen tatsächlich erfolgen werde. Sie schlägt überdies vor, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren und eine Durchmischung vor allem nach der Volksschule bei älteren Schülern möglichst zu vermeiden, dass Modelle mit Blockunterricht häufiger zum Einsatz kommen. So könnten die Wochenstunden in einem Fach, etwa Deutsch, geblockt an einem Vormittag abgehalten werden, damit auch Lehrer nicht jeden Tag in einer unterschiedlichen Klasse unterrichten müssen. "Das ist alles besser wie gar keine Schule", bekräftigt Hammerschmid.

"Bei Corona-Mutationen nicht wegschauen"

Pflichtschüler befinden sich bereits seit 7. Jänner im Heimunterricht, die Oberstufenschüler mit Ausnahme der Maturaklassen sogar seit 3. November. In den Volksschulen würden regelmäßige Tests, wie sie nach der Ausgabe der Selbsttests nun möglich sind, und Stoßlüften alle 20 Minuten reichen, eine Maskenpflicht für Pädagoginnen und Pädagogen, um zum Präsenzunterricht im Schichtbetrieb zurückkehren zu können. Bei älteren Schülern seien genauso wie für die Lehrer zunächst wöchentliche Corona-Tests notwendig. Angesichts der in Österreich festgestellten britischen Corona-Mutation müsse die Gesundheitsagentur Ages diese Daten speziell beobachten, betont Hammerschmid: "Da darf man nicht wegschauen, wie sich das entwickelt."

Gesundheitspolitisch seien vor allem wöchentlich Corona-Tests auch für ältere Schüler und Lehrer notwendig. "Die Lehrer gehören sofort geimpft", stellt Hammerschmid außerdem klar. Denn, so ergänzt sie: "Dann kann man sich den Wahnsinn sparen."